Ehingen Preisverfall und Wetterkapriolen

ANDREAS HACKER 10.01.2015
Bauer sei der wichtigste Beruf der Welt, sagte Hans Götz beim Bauerntag in Ehingen. Doch die Lage der Landwirte sei schwierig; der Vorsitzende des Kreisbauernverbands hofft deshalb auf Unterstützung der Politik.

Der Landwirtschaft haben im vergangenen Jahr Wetterkapriolen und dramatische Preisrückgänge an allen Märkten zu schaffen gemacht. Dieses Fazit zog Hans Götz, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Ulm-Ehingen, gestern beim Bauerntag in der Lindenhalle in Ehingen. Götz nannte auch Beispiele für den Preisverfall: bei Milch von 42 bis 43 Cent je Liter im August auf 35 bis 36 Cent im November; bei Schweinefleisch je Kilogramm Schlachtgewicht von 1,77 Euro im Juli auf 1,32 Euro Mitte Dezember. Noch größer war der Rückgang bei den Ferkeln, ein im Kreis wichtiger Bereich: Wurde für ein 25 kg schweres Ferkel am 1. Juli noch 54,90 Euro bezahlt, waren es Mitte Dezember nur noch 33,20 Euro - ein Minus von rund 40 Prozent.

Eine der Ursachen sind für Götz die Wirtschaftssanktionen gegen Russland und die Krise in der Ukraine. Beides zusammen habe zur Folge gehabt, dass zehn Millionen Schweine weniger exportiert werden konnten: Den Druck am heimischen Markt hätten dann sowohl die Schlachtunternehmen als auch die Großen im Lebensmitteleinzelhandel "gnadenlos ausgenutzt".

Hilfe angesichts solcher Preisturbulenzen und Wetterkapriolen verspricht sich Götz von einer Initiative des Landes, das über den Bundesrat die Möglichkeit schaffen will, dass Landwirte dafür steuerbegünstigt eine Risikorücklage bilden können.

"Im Bundesvergleich haben wir schon im vierten Jahr die rote Laterne", sagte Götz zur Situation der Bauern im Südwesten und beklagte vor allem das Zusammenstreichen des 2014 ausgelaufenen Förderprogramms Meka (Marktentlastungs- und Kulturlandschaftsausgleich) durch die grün-rote Landesregierung. Deren Nachfolgeprogramm Fakt (Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl) bringe für die Bauern im Alb-Donau-Kreis nichts: Mit Vorschriften wie fünfgliedrige Fruchtfolge oder einem Mindestanteil von 10 Prozent Leguminosen passe Fakt weder zu Schweine- oder Geflügelhalter noch zu Biogasbetrieben. Götz zitierte den in Ingstetten lebenden Prof. Dr. Karl-Heinz Kappelmann von der Hochschule Nürtingen-Geislingen, der Fakt bewertet hat: Extensive Grünlandnutzung werde bessergestellt, Ackerbau aber bleibe außen vor. Es sei schon "ein Hammer, dass dieses von uns Bauern gelebte Vorzeigeprogramm, das Vorreiter war in Europa, kaputtgemacht wurde", sagte Götz mit Blick auf Meka und erhielt starken Beifall.

Götz kritisierte auch die neue EU-Agrarpolitik und dabei vor allem das Greening, das den Erhalt von Grünland und eine Anbaudiversifizierung als Voraussetzung für den Erhalt von Direktzahlungen bringt: "Ein Wirrwarr, ein Blödsinn, der seinesgleichen sucht."

Sorgen bereiten dem Kreisbauern-Chef auch die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit den USA; Götz fürchtet um hohe Lebensmittelstandards und sieht die bäuerliche Landwirtschaft und die Regionalität ihrer Erzeugnisse in Gefahr. Die drohe den Landwirten auch vom neuen Landeswassergesetz, sagte Götz; das sei schlampig vorbereitet, greife auf Kartenmaterial zurück, das ungeeignet sei und gleiche einer kalten Enteignung. An den anwesenden Landrat Heinz Seiffert richtete Götz die Bitte, dass die untere Wasserbehörde im Landratsamt doch im Sinne Otto von Bismarcks handeln möge: Der erste Reichskanzler hatte gesagt, dass schlechte Gesetze nur mit guten Beamten erträglich gestaltet werden könnten.

Beim Bauerntag sind auch langjährige Ortsobmänner des Bauernverbandes geehrt worden: Hans Scheiffele aus Dornstadt für 45 Jahre, Hans Strohmayer (Dietenheim/35), Ulrich Braunmiller (Amstetten/30), Karl Kloker (Erbstetten/25), Franz Müller (Hütten/25), Erich Schmid (Bräunisheim/20) und Friedrich Rohmer (Gögglingen/20). Die silberne Ähre des Landesbauernverbandes bekamen die stellvertretenden Kreisvorsitzenden Georg Bendele (Langenau) und Günther Braig (Frankenhofen) sowie der Landtagsabgeordnete Karl Traub. Für lange Tätigkeit als landwirtschaftliche Berichterstatter ausgezeichnet wurden: Karl Ruoß aus Stetten und Johann Saum aus Herbertshofen für 40 und Paul Knab aus Frankenhofen für 50 Jahre.

Jetzt 3432 Mitglieder

Gewachsen Zufrieden mit der Entwicklung des Kreisbauernverbands Ulm-Ehingen ist Geschäftsführer Roman Gottschalk. In seinem Geschäftsbericht zum Bauerntag in Ehingen sagte Gottschalk, dass der Verband im Vergleich zum Vorjahr um zwei auf jetzt 3432 Mitglieder gewachsen ist. Anerkannt sei auch die zentrale Geschäftsstelle in Dellmensingen. shs

SWP