Lauterach Preisbinokel des SC Lauterach - "Raus und unter d'Leut'"

Mit 213 Teilnehmern an 35 Tischen konnte beim Binokelturnier in Lauterach dieses Jahr eine Rekordbeteiligung gezählt werden.
Mit 213 Teilnehmern an 35 Tischen konnte beim Binokelturnier in Lauterach dieses Jahr eine Rekordbeteiligung gezählt werden. © Foto: Christina Kirsch
CHRISTINA KIRSCH 07.01.2015
Bis spät in die Nacht ging in Lauterach das Binokelturnier des SC Lauterach, zu dem heuer eine Rekordbeteiligung verzeichnet werden konnte. Die Geselligkeit stand dabei im Vordergrund.

Gelassene Geschäftigkeit lag in der Lautertalhalle in der Luft. 213 Kartenspieler hatten alle Hände voll zu tun und reizten beim Binokelturnier des SC Lauterach bis tief in die Nacht. Nur in den Pausen verschafften sich die Teilnehmer, die teilweise von weit her angereist waren, etwas Bewegung und begrüßten andere Kartenspieler. "Wir sind hier alle per du", meinte Josef Kloker aus Eglingen, der auch in der Freizeit viel Karten spielt. Mit den Enkeln spiele er "20 ab", meinte der 79-Jährige, der nach eigenen Angaben "seit 70 Jahren" Binokel spielt. Anfang Januar habe man genug von der Besinnlichkeit, erklärt der Senior. Da müsse man gucken, dass man raus und unter die Leute komme, stellte der Rentner mit Entschiedenheit fest und erntete an seinem Tisch zustimmendes Nicken.

Seit 1981 veranstaltet der SC Lauterach Binokeltermine am Abend vor Dreikönig. Die Anfänge seien mit 40 bis 42 Teilnehmern im alten Sportheim noch sehr überschaubar gewesen, meinte der ehemalige Vereinsvorsitzende Lothar Rehwald. Seit 1995 dient die Lautertalhalle als Austragungsort, und heuer mussten sogar oben auf der Galerie Tische aufgestellt werden, um allen Spielern einen Platz zu bieten.

Der Vereinsvorsitzende, Daniel Cyrus, hatte den Überblick und gab die Ergebnisse in seinen Computer ein. Da die drei Spieler, die an den Tischen zusammen spielten, durch ein Losverfahren zusammenkamen, ergaben sich in den drei Durchgängen jeweils neue Mitspieler. Wenn man "g'schickte" Mitspieler habe, mache es natürlich doppelt Spaß, erklärte Lilo Matula, die aus Göppingen zum Turnier angereist war. Sie gehe jede Woche zum Kartenspielen, erklärte die 84-Jährige. Die acht Euro Startgebühr seien nicht die Welt und das Mitdenken beim Spielen halte geistig fit, meinte die rüstige Seniorin. "Es is gut, wenn der Kopf ein bissle denken muss", ist Lilo Matula überzeugt. Auch sie nehme wegen der Geselligkeit teil.

Wegen der Sachpreise komme kaum jemand zum Turnier, ist die Rentnerin überzeugt. Früher habe sie ihre Nichten mit den Sachpreisen bedacht, schmunzelt sie. "Die haben vom Bügelbrett bis zum Eierkocher alles gekriegt", erzählt sie. "Doch heute wollen sie das Zeug nicht mehr." Mittlerweile gebe sie die Sachpreise an eine Tombola weiter. Das bestätigt auch Josef Kloker. "Ich hatte zeitweise drei Kaffeemaschinen daheim", sagt der Rentner. Das seien dann zwei zu viel gewesen.

Beim SC Lauterach bestehen die Hauptgewinne aus Geldpreisen über 350, 200 und 100 Euro, die dieses Jahr Siegfried Spähler mit 11 320 Punkten, Dieter Weberruß mit 10 690 Punkten und Heinz Braig mit 10 480 Punkten abgeräumt haben.

Erfolgreichste Spieler der Gemeinde waren Ulrike Munding auf Rang vier (10 080 Punkte) und Marco Traub auf Rang fünf (9840 Punkte). Doch die Preise waren für die meisten Spieler nicht die Hauptsache. "Man kommt hier mit nette Leut' zusammen", erklärte Franz Kurz aus Dächingen. "Wichtig ist auch, dass man sich ein bisschen aneinander messen kann", meinte Daniel Rauscher aus Pfronstetten. Daheim spiele man immer mit den drei gleichen Leuten. Sein Bruder Florian spielt auch Poker oder Uno, aber ein Preisbinokel mache wegen der Vielzahl der Teilnehmer mehr Spaß. Es sind überwiegend Senioren, die an den Preisbinokeln teilnehmen. In Lauterach waren es etwa 60 Prozent Männer.

Man sah auch Kartenspieler, die nicht mehr so gut zu Fuß waren. Deshalb lagen auf den Ablagen der Rollatoren halb gegessene Wurstwecken, denn die Esser mussten weiterspielen. In den Pausen stieg der Lärmpegel deutlich. "Bis meine Mutter hier alle begrüßt hat, vergeht einige Zeit", meinte Petra Traub schmunzelnd. Die Kartenspielerin aus Lauterach gehörte zu denen, die es nicht mögen, "wenn einer beim Kartenspielen schläft oder seine Trümpfe nicht raus lässt". Die Zusammensetzung der Spieler ist Glückssache. Aber so kommt jeder zum Zug und auch die nicht ganz so guten sind "unter de' Leut'" und haben ihre Chance.