Geburtstag Prälat Franz Glaser: 80 Jahre und sehr weise

Manchmal genehmigt sich Franz Glaser eine Pause und schaut einfach den Tieren rund um den Garten Eden in Untermarchtal zu.
Manchmal genehmigt sich Franz Glaser eine Pause und schaut einfach den Tieren rund um den Garten Eden in Untermarchtal zu. © Foto: Christina Kirsch
Untermarchtal / CHRISTINA KIRSCH 27.07.2018
Am Montag wird Prälat Franz Glaser 80 Jahre alt. Viele Ehinger sind dem Pensionär verbunden und suchen das Gespräch mit ihm.

Franz Glaser sagt Sätze mit einer Bestimmtheit, die man sich von manchem Theologen wünschen würde. „Die deutschen Kirchen sind zu reich“, ist solch ein Satz. Oder: „Einem Glauben, der das Hirn ausschaltet und nur aus dem Bauch heraus kommt, fehlt die Substanz“. In einem Gespräch mit Prälat Franz Glaser fällt für jeden Zuhörer irgendein Satz ab, den er zum Nachdenken mit nach Hause nehmen kann. Nichts ist oberflächlich. Auch in Franz Glasers Predigten nicht.

Am Montag wird er 80 Jahre alt. „Ja, ich schaue auf 80 Jahre zurück und mir ist es noch nie so gut gegangen wie jetzt im Ruhestand“, sagt der Geistliche, der seit 2009 im Wohnheim im Kloster Untermarchtal wohnt. Die Verantwortung sei von ihm abgefallen, sagt Glaser, der im Bischöflichen Ordinariat zwölf Jahre als Leiter der Hauptabteilung Pastorales Personal für die Priester und Laienmitarbeiter in der Seelsorge der Diözese Rottenburg-Stuttgart verantwortlich war.

Mit 70 Jahren ging er in den Ruhestand und zog in Untermarchtal ein. „Das ist eine Umgebung, in der man gut leben kann“, sinniert Franz Glaser. Jeden Tag gehe er eine Stunde in die Natur, besuche die Tiere und freue sich an der Vegetation. „Da kann ich 20 Minuten den Hasen zuschauen, in dem Gehege ist immer was los“, weiß der Pensionär, der aber auch täglich irgendwo auf Achse ist und für viele Menschen zu einem kompetenten Ansprechpartner in Lebens- und Glaubensfragen geworden ist.

Die tägliche Messe gehört dazu

Prälat Franz Glaser feiert nach wie vor jeden Tag eine Messe, sonntags meist zwei. Das gehört für den 79-Jährigen zum Tagesablauf dazu wie das Amen in der Kirche. Er trenne privat und beruflich ohnehin nicht, sagt er. Dienstagabend jeweils um 19 Uhr hält er die Messe im dreiwöchigen Wechsel im Ehinger Krankenhaus, in Kirchbierlingen und in Heufelden. Aber vor allem die Gottesdienste in der Konviktskirche am Sonntagabend um 19 Uhr haben eine treue Gemeinde. Seit 1984 bis heute hält er diese Gottesdienste, zu denen auch Auswärtige gerne kommen. Diese Messen gehen auf eine Zusammenarbeit mit Werner Redies, dem damaligen Direktor des Kolleg St. Josef, zurück. Damals wurde beschlossen, die Kirchengemeinde und das Kolleg St. Josef enger zu verzahnen.

Franz Glaser war 15 Jahre Stadtpfarrer in Ehingen und heute noch fühlen sich viele Ehinger mit ihm verbunden. Sie suchen das Gespräch, wollen ihre Kinder von ihm taufen lassen oder planen eine Trauung mit ihm. „Es sind vor allem ehemalige Ministranten oder ehemalige Schüler, die mich bitten, sie zu trauen“, sagt Franz Glaser. Allein in diesem Jahr hat er bereits sieben Paare getraut, in den vergangenen Jahren waren es durchschnittlich 15 bis 20 Hochzeiten.

Wer heute kirchlich heirate, tue das mit großer Überzeugung, stellt Franz Glaser fest. Oft bespreche er die Trauung mit dem Brautpaar in mehreren Gesprächen, denn es kommt Franz Glaser stets darauf an, dass bei allem Tun Herz und Verstand gleichermaßen beteiligt sind. „In den Rathäusern schwätzen sie ja manchmal frommer als in der Kirche“, sagt Franz Glaser in seiner spitzbübischen Art und rückt ganz nebenbei eine unrealistische Vorstellung von Kirche zurecht. „Der Stellenwert der Kirche hat sehr abgenommen“, meint Franz Glaser, der aber auf der anderen Seite beobachtet, dass „immer mehr junge Eltern mit ihren Kindern in den Gottesdienst kommen“. Die Diskrepanz zwischen Kindern, die ohne jeglichen Bezug zur Kirche aufwachsen und Kindern, die daheim eine religiöse Erziehung mitbekommen, sei mittlerweile groß. Erstaunlich ist, dass am Sonntagabend auch junge Leute in die Konviktskirche kommen.

Mit dem einstigen Konvikt, in dem sich heute die Kinder der Grundschule im Alten Konvikt über die schönen Räume freuen, ist Franz Glaser seit seiner Jugend eng verbunden. Schon als Schüler besuchte der Bauernbub, der nach der Volksschule (1944-1952) zunächst das Salvatorkolleg in Bad Wurzach besuchte, das Konvikt (1956 – 1960) als Internatsschüler. Der große Schlafsaal war mit dünnen Trennwänden in 55 Kojen aufgeteilt. Mehr als eine Koje mit einem Nachttisch besaßen die Schüler nicht.

Neuem stets aufgeschlossen

Es liegt Franz Glaser jedoch fern, die Jugend zu verklären. Im Gegenteil, der Geistliche interessiert sich für aktuelle Themen, wobei ihm das Aufbauschen mancher Nichtigkeit gegen den Strich geht. Boulevard-Blätter liest er genauso wie Romane. Franz Glaser ist gegenüber Neuem aufgeschlossen. Neulich hielt er zum ersten Mal in seinem Leben eine anonyme Bestattung und stellt fest, dass er sich mit dieser Form der Beerdigung nicht anfreunden kann. „Das hat mich unangenehm berührt“, sagt er. „So wie die Menschen mit Toten umgehen, so gehen sie mit den Lebenden um“. Ein Grab, über das man einfach drüberläuft oder -fährt, gehört für ihn nicht zum guten Umgang mit Toten. Auch über die Selbstbezogenheit mancher Menschen wundert er sich. „Neulich hat es sieben Wochen bis zur Bestattung gebraucht, weil die Söhne keinen gemeinsamen Termin gefunden haben.“

Für sich sieht Franz Glaser ein Grab in seiner Heimat Schemmerhofen vor. „Mich ängstigt nichts mehr“, sagt er. „Alle irdischen Sorgen sind erledigt“, stellt er fest. Und: „Ich fühle mich in der Barmherzigkeit Gottes aufgenommen“. Er sei auch fest überzeugt, dass das Gute immer stärker sei als das Böse. Er bedauert, dass die Kirche in der Öffentlichkeit so diskreditiert wird. Wenn sich heute ein 30-Jähriger zur Kirche bekenne, könne es sein, dass er hören muss: „Was ist mit dir los, du bist doch sonst so normal?“

Bodenständig und menschennah

Franz Glaser sieht einen Trend zur Sinnsuche und zur Spiritualität, der aber selten in den katholischen Glauben mündet. Esoterische Anwandlungen kommentierte er mit dem Satz „Die Leute müssen viel Unsinniges glauben, damit sie bestehen und leben können, wenn sie nichts recht‘s glauben“. Franz Glaser ist für seine Bodenständigkeit und seine Menschennähe bekannt. „Doch all das wäre nichts ohne den Glauben“, sagt er mit einer Unerschütterlichkeit, die in 80 Lebensjahren zu voller Blüte gereift ist.

53-köpfige Geburtstagsgesellschaft

Feier Prälat Franz Glaser feiert seinen 80. Geburtstag am Montag in seinem Heimatdorf in Schemmerhofen mit seiner Familie und ganz engen Freunden. Von den acht Geschwistern leben noch sieben, so dass mit allen Neffen und Nichten eine 53köpfige Geburtstagsgesellschaft zusammen kommt.

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