Klimaschutz Kein Baumaterial aus China! Plädoyer für heimische Steine

Schelklingen / Bernhard Raidt 07.12.2018
Steinbruch-Unternehmer und der Geopark Schwäbische Alb rufen ein Projekt ins Leben, das die Verwendung heimischer Natursteine fördert. Importware sei ein echter „Klimakiller“.

Gemüse, Bier, Fleisch – bei vielen Produkten achten Verbraucher darauf, dass sie aus der Region stammen. Es gibt aber eine gewichtige Ausnahme: Steine. An Fassaden, auf Böden und an vielen Orten mehr sind häufig von weit her stammende Steine zu finden – die zum Teil auch noch unter fragwürdigen Bedingungen hergestellt worden sind.

Der Geopark Schwäbische Alb und Steinbruch-Unternehmer starten jetzt eine Kampagne für die Verwendung heimischer Steine. Die Unternehmer haben sich am Donnerstag auf Einladung des Geoparks in Schelklingen getroffen. Die Firmenvertreter gehören dem Industrieverband Steine und Erden (ISTE) an und haben dort den Arbeitskreis „Geopark Allianz“ gegründet.

Alle Gesteine in Deutschland vorhanden

Im Land seien alle Natursteine für das Bauen vorhanden, sagt Dr. Siegfried Roth, der Geschäftsführer des Geoparks. Er zählt auf: Granit aus dem Süd- und Buntsandstein aus dem Nordschwarzwald, Muschelkalk aus Hohenlohe, Ton- und Sandsteine aus dem Schönbuch, Jura-Gesteine von der Alb und Schotter aus Oberschwaben.

Heimische Steine zu verwenden sei nachhaltig, auch weil es kurze Transportwege gebe (siehe Infokasten unten). Die Steine werden unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt, mit ihrer Verwendung unterstütze man die heimische Wirtschaft, sagt Roth. Nicht zuletzt stärke die Verwendung heimischer Steine den Charakter der Städte und Gemeinden. Denn früher errichteten Bauherren die Häuser, Amtsgebäude und Kirchen mit dem Material, das in nächster Nähe zu bekommen war – was bis heute das Erscheinungsbild der Kommunen prägt. „Die Dörfer verlieren etwas, seitdem nicht mehr so oft heimische Steine verwendet werden“, sagt Roth.

Positive Beispiele hervorheben

Mit den Stadtplanern, Bauamtsleitern und Architekten müsse gesprochen werden, forderte am Donnerstag ein Unternehmer. Das seien die Entscheider. „Aber da gilt oft, was von weit herkommt, ist besonders schick.“ Die Unternehmer und die Geopark-Leitung beschlossen, ein Projekt ins Leben zu rufen, das das Bewusstsein für die Verwendung heimischer Steine fördert.

Es sollen positive Beispiele hervorgehoben werden – und nicht negative angeprangert werden. Ein Unternehmer schlug vor, einen Preis zu stiften, mit der die besonders gelungene Verwendung heimischer Steine ausgezeichnet wird.

Geopark-Geschäftsführer Roth kündigte an, einen Antrag beim Ideenwettbewerb „Land schreibt Zukunft“ des Fonds Nachhaltigkeitskultur einzureichen. Damit werden innovative Ideen gefördert, die eine Veränderung der Alltagskultur im ländlichen Raum anstoßen. Bis zu 50.000 Euro Fördergeld schüttet der Fonds aus – sollte das Projekt des Geoparks unterstützt werden, denkt Geschäftsführer Roth auch über eine (Halbtags-) Kraft nach, die die Nutzung heimischer Natursteine voranbringt.

Das könnte dich auch interessieren:

Steine aus China? Der Weg ist das Problem.

„Ein echter Klimakiller“ – das sagt Diplom-Geologe Thomas Beißwenger vom Industrieverband Steine und Erden (ISTE) über die weiten Transportwege von Natursteinen. Es sei komplett widersinnig, bei Lebensmitteln auf Regionalität zu achten, aber bei ungleich schwereren Steinen auf Exotik zu setzen. Aber die Importe von Naturwerksteinen nehmen stetig zu, berichtet Beißwenger. Das hat Folgen: Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs gab es knapp 1000 kleine Steinbrüche im Land, die ihre Umgebung versorgten. Übrig geblieben sind nur 46 – in Zeiten des raschen Wiederaufbaus waren nicht Natursteine, sondern Beton gefragt. Die verbliebenen Steinbrüche produzieren heute aber Natursteine hoher Qualität, die nicht einmal teurer seien als die Importware. Und das zu hiesigen Sozial- und Umweltstandards, heißt es in einer Broschüre des der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR).

Nach einer Studie der Hochschule für angewandte Wissenschaften Rottenburg hat Naturwerkstein aus China ein Treibhauspotenzial von 300,44 kg CO2-e/t. Transporte machen dabei mehr als 93 Prozent der Gesamtemissionen aus. Naturstein aus dem Land hat dagegen nur ein Treibhauspotenzial von 20,4 kgCO2-e/t.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel