Erfahrung Pflege unter dem Schirm

Mochental / Christina Kirsch 03.08.2018

Manche wollen günstig Urlaub machen und dabei nicht faul auf der Haut liegen. Andere möchten etwas für die Umwelt tun und neue Freunde kennen lernen. Meist ist es eine Mischung aus allem, was die jungen Erwachsenen dazu bewegt, ein paar Wochen an einem Camp der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijdg) teilzunehmen. Die Organisation ist eine der ältesten Workcamp-Organisationen in Deutschland und arbeitet mit dem Forstlichen Hauptstützpunkt Mochental zusammen.

Seit Samstag leben zwölf Studenten aus Spanien, Mexiko, Serbien, Italien, Dänemark und anderen Ländern im Schulungsraum des Forststützpunktes. Jeden Tag arbeiten sie rund fünf Stunden im Wald und werden dabei von den deutschen Auszubildenden betreut. Der Forst BW ist Projektpartner des Jugendgemeinschaftsdienstes. „Wir haben das Interesse, Jugendliche aus allen Ländern an unseren Wald heranzuführen“, sagt Tobias Schwarz, Leiter des forstlichen Hauptstützpunktes.

Für junge Erwachsene wie Miriam aus Mexiko wächst der Wald nicht vor der Haustüre. „Wir haben große Städte und Autobahnen und es ist weit bis zum nächsten Wald“, sagt die Studentin der Biologie. In Mexiko gehe man nur in den Ferien oder im Urlaub in den Wald, erklärt Miriam. Im vergangenen Jahr hatten die Jugendlichen Artenschutz im Wald bei Lauterach betrieben. Heuer schnitten sie die bewachsenen Ränder der Weiher entlang des Weihertals unterhalb des Schlosses Mochental aus. Oberhalb von Talheim pflegten sie die Wacholderheide. „Wir mussten jetzt ein Betätigungsfeld suchen, das bei der großen Hitze etwas angenehmer ist“, erklärt Tobias Schwarz. „Das Arbeiten bei bei praller Sonne auf einer Heidefläche ist nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig“, bemerkt der Förster.

Für die jungen Erwachsenen erfüllen sich die Wünsche an das Workcamp. Er wolle vor allem andere Menschen kennen lernen, meint Vladimir aus Serbien. Faisal aus Afghanistan, der jetzt in Frankfurt lebt, liebt es, „to cut the trees“. „Pflege unter dem Schirm“ nennen die Betreuerinnen Miriam Maidhof und Pia Wendrich die Arbeit im Schatten der hohen Bäume. Die Campsprache ist Englisch, wobei einige Teilnehmer in mehreren Sprachen zuhause sind. Einige streben einen grünen Beruf an, andere suchen in der Natur den Ausgleich zu einem wissenschaftlichen Fach. „Sie sind alle sehr kommunikativ und anspruchslos“, stellt Förster Tobias Schwarz fest. Schließlich ist es nicht jedermanns Sache, zu zwölft in einem Raum zu schlafen.

Ganz oben und unten

Die jungen Erwachsenen tragen die Anreisekosten selber. Die Verpflegung wird vom Landratsamt übernommen. Für das Freizeitprogramm sorgen die forstlichen Auszubildenden. So war man schon gemeinsam ganz unten und ganz oben, nämlich in der Laichinger Tiefenhöhle und auf dem Ulmer Münster. Am Samstag reisen die Teilnehmer wieder ab. Jeder nimmt einen Eindruck vom deutschen Wald, vom Arbeiten in der Natur und ein Smartphone mit neuen Kontakten mit nach Hause.

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