Kunst Peter Riek eröffnet Ausstellung von Jo Winter

Jo Winter (links) und sein Freund Peter Riek, der die Vernissagerede im Spethschen Hof hielt.
Jo Winter (links) und sein Freund Peter Riek, der die Vernissagerede im Spethschen Hof hielt. © Foto: Christina Kirsch
Ehingen / CHRISTINA KIRSCH 01.10.2018
Zur Eröffnung der Ausstellung von Jo Winter stellt Peter Riek die Ausstellungsstücke und das Galeriegebäude in Kontext.

„Das hier ist ein Gehäus‘, wie es für die Arbeiten von Jo Winter nicht geeigneter sein könnte“, sagte der Heilbronner Künstler Peter Riek in seiner Vernissagerede zu den Kunstwerken seines Freundes Jo Winter. Der Redner verglich den Spethschen Hof mit Jo Winters Häusern und fand nicht nur in den Brandspuren Parallelen zwischen der Städtischen Galerie und den Arbeiten Jo Winters. Peter Riek nahm die Zuhörer in seiner Rede auf einen Spaziergang mit und brachte sie zu einem wissenden Lächeln. „Auch die Treppe ist etwas Besonderes. Man driftet Halt suchend nach links an das Geländer“.

Mit der Heimat versöhnt

Jeder, der diese Galerietreppe emporsteigt, kennt dieses Gefühl, und so holte der Redner seine Zuhörer unmittelbar beim Erlebten ab. Denn Generationen von Schülern haben die Treppe auf der Geländerseite niedergetrampelt. Er sei das erste Mal in Ehingen, sagte Riek. Und als er mit seinem Freund durch das malerische Städtle gelaufen sei, „sagte mir Jo Winter, dass er früher nichts anderes wollte als weg von hier“, sagte Riek. Mittlerweile habe sich Jo Winter jedoch mit seiner Herkunft und Heimat versöhnt.

Schon die Kuratorin Anne Linder ging bei ihrer Begrüßung im gut besuchten Saal darauf ein, dass Jo Winter in seinen Werken Erfahrungen verarbeitet. „Als Achtjähriger erfährt er vom nicht weit zurückliegenden Krieg“, was ihn sehr verwirrt habe. Der 1949 geborene Jo Winter lässt die Dinge schon immer an sich herankommen. Viele der Skulpturen und Zeichnungen von Jo Winter haben biografische Bezüge und sind Aufarbeitungen von Emotionen.

Da sind die wütenden Zeichnungen als Reaktion auf die Ausschreitungen in Chemnitz und da sind die stolzen Ruinen unfertiger Gebäude, die an Häuser in Asien erinnern. „Oben schauen noch die Träger und Stützen heraus. Man baut weiter, wenn man wieder Geld hat oder die Familie größer wird“, sagte Riek. Die meist hermetisch verschlossenen Häuser aus Holz, die Jo Winter entweder weiß lasierend bemalt oder mit Ruß schwärzt, sich hermetisch verschlossen und menschenleer. Auch der Spetsche Hof wirke als Gebäude, sagte der Redner. Beides sei schön und eigen, die Galerie jedoch ungleich leichter und transparenter als Jo Winters Festungen. Bei den Tuschzeichnungen auf transparentem Papier oder alten Architektenplänen zeige Jo Winter oft nur die Rückseite, weil ihm die Vorderseite zu dominant und stark erscheine.

Von Raum zu Raum

Der Redner ging mit seinem Publikum von Raum zu Raum und gab Hinweise zu den Kunstwerken. Da ist das Boot, das für den Künstler eine Ähnlichkeit mit einer Sicherheitsnadel hat und das Haus, das sich über die Feuerleiter selber zu retten versucht. Es gibt Tuschezeichnungen mit dem Titel „Zeit der Knospen“ und „Konflikt“ oder „an ein fernes Land“. In der Ausstellung hängen Kronen und Pflanzenteile aus Holz, Zepter und immer wieder Häuser. Sie sind verschachtelt, ineinander gestellt, oben offen oder zerstört. Immer jedoch unbewohnt. Bei den meisten Häusern kommt das Gefühl auf, dass einem das eigene doch lieber ist. Auch eine Erkenntnis.

Info Die Ausstellung läuft noch bis 25. November. Die Öffnungszeiten sind Mittwoch, Samstag und Sonntag je von 14 bis 17 Uhr.

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