Tradition Origineller Fasnetsumzug

Obermarchtal / Maria Bloching 13.02.2018

Jedes Jahr übertrumpfen sich die Ober­march­taler beim Umzug am Rosenmontag mit ihren Ideen und Kostümen aufs Neue. So auch gestern: „Fasnet so, wie sie entstanden ist“, fasste es Zunftmeister Florian Siegle treffend zusammen und lobte die Kreativität der einzelnen Gruppen. Bei bestem Wetter zogen rund 600 Umzugsteilnehmer durch die Straßen und verbreiteten unter ebenso vielen Besuchern ausgelassene Heiterkeit.

Viele Kandidaten für die Wahl

Natürlich bot der Bürgermeisterwahlkampf eine perfekte Steilvorlage für die Marchtaler Fasnet, gleich mehrere Gruppen widmeten sich mit viel Witz und Charme diesem Thema. So stellten die „Schnäddrakischda-Männer“ direkt meh­rere passende und amtswürdige „Schnäddra-Kandidata“ vor: Der ehemalige Pfarrer Jürgen Dolderer warb samt Ministranten mit der Forderung „Die Mauer muss weg! Die Kirche gehört ins Dorf“ für Stimmen, während sich Lothar Gaupp als „Mann der kurzen Wege“, ganz nah am Wähler und vor allem „so nah am Amt wie kein Zweiter“ präsentierte.

Für echte Familienpolitik wollten sich „Die Schleichers“ einsetzen und Willi Schrodi betonte, bereits ein echter „Profi im Nasawetza“ zu sein: „Da kann i mi au glei ins Rathaus setza“. Auch die Ranzengarde hatte mit dem Goga und dem Funkenmariechen zwei passende närrische Kandidaten parat, die die Wählerschaft zu überzeugen suchten.

Sie alle boten gemeinsam mit Fanfarenzug und Musikkapelle ein herrlich buntes Bild: Die Musikanten präsentierten sich im Safari-Look, die Kindergartenkinder als Schneemänner, die „Schnäddrakischda-Fraua“ und die „Gsälz­bära“ überzeugten mit tollen Hutmacherkostümen und die zehn Männer vom BTC brachten als irische „Bier-Bolde“ ihre Liebe zum Traditionsbier zum Ausdruck.

„Wir sind die schönste Gruppe“, betonte Matthias Striegel lachend, während er hinter der überdimensionalen Bierkiste mit Regenbogen herlief. Das konnten die Bachbarone so natürlich nicht stehen lassen. In Taucherflossen und Neoprenanzug fischten sie „im trüben Gewässer“ und suchten nach Obermarchtaler Begebenheiten, die ihnen im vergangenen Jahr nicht ganz lupenrein vorkamen. Den Hai hatten sie in ihrem Aquarium fest im Griff.

Ein Herz für Reutlingendorf

Zunftmeister Florian Siegle nutzte den Umzug zur Versöhnung: Bereits am Vormittag hatte er mit dem Vorsitzenden der Musikkapelle Reutlingendorf Herzen getauscht und sich gegenseitig um den Hals gehängt. „Damit sind unsere gegenseitigen Missverständnisse, die beim Zunftball aufkamen, aus dem Weg geräumt. Mein Herz schlägt für Reutlingendorf“, betonte er.

Im Anschluss wurde in der Festhalle, in den Gaststätten und Besenwirtschaften der Gemeinde weiter munter Fasnet gefeiert.