„Wir simulieren hier oben die Schafe“, schmunzelte Forstrevierleiter Tobias Schwarz gestern Mittag auf dem Lauteracher Hochberg. Die „Schafherde“ war international, sprach englisch und kam auf zwei Beinen und einem großen Rechen daher. Auf dem Hochberg unterhalb des Bismarck-Denkmals wurde das Gras gemäht, um den Standort als Magerwiese zu erhalten. Dort gedeihen seltene Orchideenarten wie Knabenkraut, Fliegen-Ragwurz oder auch die Küchenschelle.

Seit vier Jahren organisiert der Fachdienst Forst des Alb-Donau-Kreises beim Forstlichen Hauptstützpunkt Mochental ein internationales Workcamp, das dieses Jahr am 23. Juli begonnen hat und bis Ende dieser Woche dauert. Teilgenommen haben 12 Jugendliche aus 7 Ländern, darunter mit einer besonders weiten Anreisen Alina Zhukouskaya aus Belarus (Weißrussland) und Gemma Almendros Abad aus Spanien. Die Jugendlichen sind zwischen 17 und 18 Jahren alt. Mit Ebba Ludwig (26 Jahre, Deutschland) und Dmitrii Sharkov (24, Russland) stehen ihnen zwei Betreuer zur Seite. Zudem ist das zweiwöchige Camp für fünf Auszubildende des Landratsamtes, die den Beruf des Forstwirts erlernen, das in der Ausbildung vorgeschriebene Sozialprojekt. Die Räume am Hauptstützpunkt Mochental eignen sich gut für solch ein Camp. Im Schulungsraum sind Feldbetten aufgeschlagen und in der Küche des Gemeinschaftsraumes können sich die Jugendlichen selber verpflegen. Für Transporte wie Lebensmittel-Einkaufstouren oder Ausflüge steht ein VW-Bus zur Verfügung. Dieses Jahr hatte das Landratsamt einen Arbeitsplan an vier verschiedenen Einsatzorten ausgearbeitet. Die letzten drei Tage mähten die Forstwirt-Auszubildenden das hohe Gras am Hochberg und die Jugendlichen hatten die Aufgabe, das Gras zusammenzurechen und zu verladen. Um auf der Wiese so wenig Nährstoffe wie möglich im Boden einzubringen, wurde das Mähgut abgefahren und auf ein Waldstück verbracht. „Wir bräuchten hier mehrmals im Jahr einen Schäfer, um die Fläche zu beweiden“, meinte Dr. Jan Duvenhorst aus dem Bereich Naturschutz des Landratsamtes. Da aber Schäfer von einer Flächenprämie leben und möglichst schnell über eine Fläche ziehen, blieben manche von Schafen eher weniger bevorzugte Pflanzen einfach stehen, erläuterten die Fachleute.

Bei sommerlichem Wetter war die Stimmung auf dem Lauteracher Hochberg bestens. Die jungen Erwachsenen häuften Grasberge an und hatten viel zu lachen. „Es macht ungemein Spaß, mit Leuten aus anderen Kulturen zusammen zu arbeiten“, meinte die Leiterin Ebba Ludwig, die Politikwissenschaften und Soziologie studiert. Aygen aus der Türkei liebt die Natur, die es in einem Vorort von Istanbul so sattgrün nicht gebe. Der Elektroingenieur Dmitrii hat als Leiter seinen Jahresurlaub für das Camp genommen und Alina galt als Expertin für Blumenschmuck und steckte den Mädchen Blumen ins Haar. Arbeit und Freizeit wechseln sich in dem Camp ab. „Wenn die alle etwas sensibler für die Natur werden und ihre Erfahrungen weiter geben, hat das Camp sein Ziel erreicht“, erklärte Jan Duvenhorst. Dank des Arbeitseinsatzes der Jugendlichen konnte der Magerrasen bei Dächingen gemäht und das zugewachsene Weihertal bei Mochental wieder entbuscht werden. Auch das Schmetterlingsbiotop bei Lauterach wurde gepflegt. Mancher hatte bei den Gedanken an den Abschied schon gestern einen Kloß im Hals. „Das wird tränenreich“, wussten die Betreuer.