Barrierefreiheit Ohne Begleitung sind Rolli-Fahrer verloren

Bürgermeister im Rollstuhl: Bei einem Probelauf in Munderkinger wurden Engstellen und Barrieren in der Stadt deutlich.
Bürgermeister im Rollstuhl: Bei einem Probelauf in Munderkinger wurden Engstellen und Barrieren in der Stadt deutlich. © Foto: Burkhardt
Munderkingen / Ingeborg Burkhardt 25.07.2018

Sehnsüchtig warten die Munderkinger Rollstuhlfahrer auf die Fortsetzung der Sanierung, die 2019 in der Donau- und in der Martinstraße kommen soll. Nach dem Ausbau soll es in diesem Abschnitt dann keine Barrieren mehr geben, sofern sich Autofahrer an die gekennzeichneten Parkplätze halten. Ganz wäre den Rolli-Fahrern dann ohnehin nicht geholfen, denn es gibt noch viele weitere Stellen in der Stadt, die sie ohne Begleitung nicht überwinden können. Bordsteinkanten macht es auch Menschen mit dem Rollator schwer oder Familien mit Kinderwagen.

Einige Verbesserungen wird es in absehbarer Zeit aber geben, denn Bürgermeister Dr. Michael  Lohner, Hauptamtsleiterin Birgit Müller, Bauhofleiter Kurt Fues, Mark Walter vom Bauamt und die Gemeinderäte Waldemar Schalt, Erich Pöschl und Simone Bertsche haben sich mit den Mitgliedern des Rolli-Treffs auf Exkursion begeben und auch gleich Beschlüsse gefasst.

Steindecke statt Kies

Hans-Peter Strobel hatte zwei Rollstühle für Gastfahrer mitgebracht, so konnten Lohner und Fues auch gleich die Schwachstellen erkennen. Der Gehweg  beim Friedhof soll verbreitert und der schadhafte Belag saniert werden. Im Friedhof bremste Lohner an einem Hauptweg zwischen den Grabreihen einen dicken Kiesbelag aus. Dieser soll nun abgetragen werden. Aufs befestigte Erdreich soll eine feinkörnige Steindecke kommen, ähnlich wie im neuen Teil des Friedhofs. Bewährt sich das, werden auch die beiden anderen Kieswege so behandelt.

Die Probleme mit dem Öffnen des Friedhofstors wurden nicht aufgegriffen. Strobel, Elisabeth Frankenhauser und Anne Hain luden Lohner und Fues zu einer Testfahrt auf den Wegen vor der Friedhofskapelle und zu einer Fahrt in die Innenstadt ein. Fues ging zu Fuß, der Bürgermeister war dankbar, dass ihn die Hauptamtsleiterin über die Bordsteinkanten schob. Allein hätte er sie nicht überwinden können, ohne umzukippen. Auch dort nicht, wo es Absenkungen gibt wie am Gasthaus „Rose“. Doch nach und nach sollen diese Absenkungen nun schräg abgefräst werden, ergab die Diskussion.

Den guten Willen, schnell etwas zu verbessern, hatte Lohner mitgebracht, auch wenn keine Lösungen gefunden wurden wie bei der Situation an den Parkplätzen für Behinderte vor der Donau-Iller-Bank und am Alten Schulhof.

Carmen und Günther Bölzle, Christa und Hans-Peter Strobel sowie Thomas und Alexander Kohal waren am Freitag wieder unterwegs gewesen, um vor der Einkehr noch eine Runde zu drehen und dabei einige Hindernisse umfahren. Auf den Kirchhof wären sie ohne Begleiter nicht gekommen. Einladungen zu Veranstaltungen im Treff der Eingliederungshilfe des Landeswohlfahrtverbands an der Martinstraße können die Rolli-Fahrer mangels Rampe nicht annehmen.

Über Schwellen in Biergarten

Weil Andreas Degen, der Wirt der „Ersatzbank“, zwei Metallschienen angeschafft hat, die über seine Schwelle ins Lokal und in den Biergarten führen können, können sich die Mitglieder dort treffen. Mit vereinten Kräften werden die Rollstuhlfahrer dann über die mobile Rampe in den Biergarten geschoben. Dort sprachen sie über die Schmerzen, die das Befahren der Kopfsteinpflaster auslöst, und wie angenehm die neuen Platten in der Marktstraße sind, über den ständigen Ausfall des Aufzugs vom Alten Schulhof in die Tiefgarage, fehlende Behinderten-Toiletten und über nicht behinderte Autofahrer, die die drei Behinderten-Parkplätze in der Innenstadt missbrauchen. Dann aber freuten sie sich auch darüber, dass sie sich nun seit ein paar Jahren bei den monatlichen Treffs auch austauschen können.

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