Brennstoff Obermarchtaler Landwirte wollen mit Schilf heizen

Obermarchtal/Algershofen / INGEBORG BURKHARDT 09.01.2015
Auf 3,5 Hektar Land produzieren Markus Henle aus Obermarchtal und sein Bruder Bruno aus Luppenhofen in Algershofen den Brennstoff für ihre neuen Hackschnitzel-Heizanlagen: Miscanthus-Schilf.

Im Sommer sah es aus wie ein Maisfeld. Jetzt in der Wintersonne leuchten die Blüten der etwa drei Meter hohen Chinaschilf-Gräser auf dem großen Feld an der Straße vom Frauenberg in Richtung Algershofen strahlend weiß. Wenn es im Frühjahr trocken ist, ernten Markus Henle aus Obermarchtal und sein Bruder Bruno aus dem Teilort Luppenhofen den in unserer Region neuen Brennstoff, den sie vor drei Jahren gepflanzt haben. Einmal gesetzt und in den ersten beiden Jahren des Unkrautes wegen etwas intensiver gepflegt, wächst die aus Asien kommende Pflanze nun auf dem Feld die nächsten zwei Jahrzehnte lang ungedüngt weiter, sagen sie. Mit den gehäckselten Miscanthus werden die 36 und 40 Jahre alten Brüder, die sich auf Ackerbau und Heuproduktion spezialisiert haben, die neuen Hackschnitzel-Heizanlagen in ihren Bauernhäusern aus dem 19. und 20. Jahrhundert befeuern.

"Die Ernte auf einem Hektar Land hat etwa einen Brennwert, der rund 6000 bis 7000 Litern Heizöl entspricht", sagt Bruno Henle. "Wer wie wir alte Bauernhäuser hat, der muss sich überlegen, wie er sie warm bekommt. Er kann sie komplett dämmen oder sich für eine kostengünstige Heizart entscheiden", sagt Markus Henle. Zusammen nennen die Brüder 35 Hektar Ackerland ihr eigen und erzeugen jetzt auf zehn Prozent ihrer Fläche den natürlichen, umweltfreundlichen Brennstoff, der sich auch als guter Einstreu im Pferdestall eignen würde, in dem Rösser stehen würden, die allergisch auf Staub reagieren. Einsetzbar wäre das wachstumsfördernde und helle Häckselgut auch als Mulch für Blumenbeete und als wirksamer Schneckenschutz, "weil die Weichtiere den Geschmack nicht mögen", ergänzt der Luppenhofener.

Soweit es den Gebrüdern Henle bekannt ist, gibt es bisher in unserer Region nur einen Kollegen in Mundingen und einen in Schemmerhofen, die, wie sie, den Ammoniak bindenden Landschilf angebaut haben. "Greening war bei der Entscheidung für den Chinaschilf kein Thema. Es ging allein darum, mit was wir künftig heizen", sagen die Henles, die sich im Badischen umgesehen hatten, bevor sie vor drei Jahren zunächst die Hälfte des Ackerlandes bei Algershofen mit den Flachwurzlern bepflanzt haben. Nun können sie im Frühjahr das erste Mal ernten. Nebenan auf der restlichen Fläche neben dem Obstgarten haben die 2013 gesetzten Wurzelstöcke schon ausgeschlagen und sind schon ein Stück weit herangewachsen, sodass auch die Ernte 2016 gesichert ist.

Daheim werden jetzt bis zum Frühjahr die Heizungen auf Hackschnitzel-Befeuerung umgestellt sein. Henles haben Angebote für die neue, vollautomatisch mit Häckselgut versorgte Heizanlage eingeholt. Sie werden dafür zwar ein paar tausend Euro mehr ausgeben als für eine Heizöl-Variante, doch der Mehraufwand werde sich bald amortisieren, haben die Oberschwaben ausgerechnet, ebenso die Investition für die Pflanzen.

Dass die "Miscanthus x giganteus" einen sehr hohen Brennwert und eine günstige Kohlendioxid-(CO2)-Bilanz hat und sich deshalb hervorragend als Lieferant von Biomasse, Bau- und Brennstoff eignet, das haben sie schon lange im Internet recherchiert. Was ihnen entgegenkommt ist, dass der mehrjährige asiatische Landschilf sich nach den ersten beiden etwas pflegeintensiveren Jahren selbst aussät, sich durch abfallende Blätter selbst düngt, umweltfreundlich ist und den Wildtieren im Winter mit seinen Horsten einen hervorragenden Unterschlupf sowie den Vögeln Futter bietet.

Dazu können sie ihren pflegeleichten Brennstoff nun jährlich ernten. "Das ist eine ökologische Sache. Ich bin unabhängig von den Preisen bei Gas, Öl und Pellets", sagt Markus Henle. Ob sie bald noch mehr Miscanthus auch zur Vermarktung pflanzen? Das wollen beide nicht verraten, obwohl Bruno, der Ältere, eine ganze Liste der vielen Vorteile des "klimafreundlichen Chinaschilfs" und dessen Verwendungsmöglichkeiten aufzählen kann.

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