Staffel Wallfahrt: Nur das Nötigste tun

In Dächingen gab Pfarrer Otto Glökler der Gruppe mit dem Hungertuch am Mittwochmittag den Pilgersegen. 
In Dächingen gab Pfarrer Otto Glökler der Gruppe mit dem Hungertuch am Mittwochmittag den Pilgersegen.  © Foto: Christina Kirsch
Ehingen / Christina Kirsch 15.02.2018
Die 33. Misereor-Hungertuchwallfahrt führte am Mittwoch einige Gruppen durch Dächingen und Unterstadion.

Wir sind schon durch ganz Deutschland gekommen“, meinte am Mittwochmittag Elke Hildebrand aus Aachen, die die diesjährige Hungertuchwallfahrt des Misereor Hilfswerks organisiert. Ein Gruppe von 13 Leuten kam um die Mittagszeit in Dächingen an und übergab das Hungertuch einer anderen Gruppe, die die Wegstrecke von Dächingen bis Unterstadion zurücklegte.

Der Großteil der Wallfahrer stammte aus dem Raum Kiel bis Köln und nimmt bereits zum wiederholten Male an der Wallfahrt teil. Dieses Jahr wird im Staffelsystem die Wegstrecke von Trier bis München bewältigt. In München wird am Samstag, 17. Februar, um 14 Uhr mit dem Gottesdienst für die Hungertuchwallfahrer in der Kirche St. Philippus mit Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg die Fastenaktion eröffnet. „Schalten Sie den Fernseher ein, dann sehen Sie uns“, meinte ein Wallfahrer gestern voller Vorfreude.

„Ich bin seit 2010 dabei“, erklärte Martina Vogt aus dem Kölner Raum. Es bereichere sie, in der Wallfahrtszeit nur das Nötigste tun zu müssen und sich ganz auf sich selbst besinnen zu können, sagte die Wallfahrerin. Die Hungertuchwallfahrt findet immer in der Woche vor dem ersten Fastensonntag statt. Seit 1986 wird stets der Eröffnungsort der Misereor-Fastenaktion aus dem Vorjahr mit dem Ort der Eröffnung aus dem aktuellen Jahr verbunden. Nächstes Jahr soll es von München nach Köln gehen. Die Wallfahrer machen auf die Probleme der Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika aufmerksam.

Darauf weist auch das Bild des Hungertuchs hin, das dieses Jahr kein so genanntes Wimmelbild mit vielen Motiven ist, sondern die Begegnung zweier Menschen zeigt. Der nigerianische Künstler Chidi Kwubiri hat das Hungertuch gemalt und das afrikanische Sprichwort „Ich bin, weil du bist“ verbildlicht. Es soll gezeigt werden, dass der Mensch ein Beziehungswesen ist. Das erfahren auch die Teilnehmer der verschiedenen Wallfahrtsetappen. „Ich kam dazu, weil unsere Kirchengemeinde einmal eine Hungertuchgruppe bewirtet hat“, erklärte Karl-Heinz Metzger aus Würzburg, der das zweite Mal an der Wallfahrt teil nimmt. Da ein Bus die Gruppen begleitet, muss niemand viel Gepäck mitnehmen und kann ganz unbelastet laufen.

Heißes Wasser in Bremelau

Es gebe viele schöne Begegnungen am Rande, meinte eine Dame. „Wir sind morgens an einem Backhaus vorbei gekommen“, berichtete sie. In Bremelau hätten sie heißes Wasser bekommen, um sich Tee zuzubereiten, erzählten die Teilnehmer der Gruppe B, die morgens in Münsingen losgelaufen war und ihr Tuch in Dächingen an Gruppe C übergab. Die Gruppe C lief dann bei herrlichem Sonnenschein bis Unterstadion. Bei der Tuchübergabe berichtet jede Gruppe, wie es ihr auf der letzten Wegstrecke erging. Die Gruppe C hatte in Tübingen übernachtet. „Wir hatten da eine zufällige Stadtführung“, berichtete Thekla Schertler aus Celle. Die Wallfahrer wollten morgens um 5.30 Uhr aufbrechen, „aber die Schließanlage der Jugendherberge ließ uns nicht raus“, berichtete er über unerwartete Hindernisse. Ein um 5.30 Uhr heimkehrender Gast hätte ihnen dann aus der Patsche geholfen. Die Wallfahrer übernachten oft auch in Gemeindehäusern und halten unterwegs Andachten. In Dächingen gab Pfarrer Otto Glökler der Gruppe den Pilgersegen. „Wir laufen jetzt dem Frühling entgegen“, meinte eine startende Wallfahrerin wohlgemut.

Nachdenken über besondere Orte: In den Kirchen stehen Kisten bereit

Seelsorgeeinheit Die diesjährige Fastenaktion der Seelsorgeeinheit Ehingen-Stadt will dazu anregen, sich mit „besonderen Orten“ auseinanderzusetzen. Die eigene Biographie sei geprägt von Orten, die nicht wegen der Geographie bedeutsam waren, sondern wegen der Erlebnisse, die mit ihnen verbunden sind, schreiben Gemeindereferentin Sabine Knorr und Pastoralreferentin Ulrike Krezdorn in ihrer Einladung: der Esszimmertisch bei der Oma in den Ferien, der Lieblingsplatz auf dem Spaziergang und vieles mehr. Was die beiden interessiert, sind weitere Orte mit ein paar Sätzen an Erklärung, warum sie für einen wichtig geworden sind. In den Kirchen der Seelsorgeeinheit stehen Kisten bereit, in die Briefe mit Fotos eingeworfen werden können. Außerdem sind Beiträge möglich per E-Mail an ulrike.krezdorn@drs.de  mit der Betreffzeile „„Andere Orte“. Geplant ist, diese Beiträge im Laufe des Jahres zu veröffentlichen.

Daneben gibt es die Möglichkeit, sich an drei Abenden mit den Orten der Sonntagsevangelien zu beschäftigen: Morgen, Freitag, 16. Februar, führen Sabine Knorr und Ulrike Krezdorn die Teilnehmer in die Wüste, eine Woche später (23. Februar) an einen Berg und am 9. März kann „Jerusalem bei Nacht“ entdeckt werden. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr im Marienheim. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.