Der Fall ist kein Einzelfall: 690 Euro Rente, 57 Euro Wohngeld. Nach Abzug von Miete und Nebenkosten bleiben 280 Euro im Monat zum Leben. Da gibt es keine Reserven für Unvorhergesehenes. Eine defekte Waschmaschine, ein Staubsauger, ein Kühlschrank, ein Herd, eine hohe Nachzahlung von Nebenkosten - dafür fehlt dann das Geld. In solchen Notlagen braucht es Soforthilfen, für die der Ehinger Sozialfonds "Bürger für Bürger" steht.

Bei Elisabeth Waibel vom DRK-Ortsverein Ehingen und Michael Wichert von der Caritas laufen die Anträge der Hilfesuchenden ein. "Wir haben immer mehr Geringverdiener, die keine Reserven bilden können", beobachtet Elisabeth Waibel. Das hat zur Folge, dass diese Menschen schnell klamm werden.

"Dazu kommen Mietkautionen als wichtige Hilfe, damit Menschen in eine preisgünstigere, eine bessere, oder Familien mit Kindern in eine größere Wohnung umziehen konnten", beschreibt Elisabeth Waibel eine Tendenz, die 2014 an Brisanz gewonnen hat, weil Hilfesuchende da allein gelassen werden. Auch drohende Stromabstellungen für Familien mit Kindern waren Thema, genauso wie Soforthilfen im Trennungsfall oder in einer Notsituation. Machten Schicksalsschläge weitere Ausgaben nötig und die Mietzahlung war deshalb im Rückstand, so half der Sozialfonds, bevor die Kündigung drohte. Eine verstärkte Entwicklung gibt es dahin, dass der Sozialfonds Menschen dabei unterstützt, mobil zu werden für eine neue Arbeit - mit Teilbeträgen oder Darlehen für Prüfungs- oder Führerscheinkosten oder für ein gebrauchtes Auto, wenn es - zum Beispiel bei Schichtarbeit - mit öffentlichem Verkehr nicht geht.

"Alleinerziehend mit Hartz IV" heißt eine andere Notlage, die häufig in den Anträgen an den Ehinger Sozialfonds steht: kein Geld fürs Schullandheim der Kinder, kein Geld für einen Ranzen, kein Erspartes, wenn gleich zwei Kinder eine Brille brauchen. Und auch kein Geld für ein Medikament.

Vor sieben Jahren haben das Rote Kreuz Ehingen, die Caritas und die SÜDWEST PRESSE den Sozialfonds gegründet. Ein Netzwerk der Hilfe, das aus Respekt vor den Menschen in Not still arbeitet, aber schnell und direkt. Und das gebraucht wird: Bis Ende September hat es in mehr als 360 Fällen mit Zahlungen von 200.000 Euro geholfen. An den Sozialfonds sind 2013 insgesamt 80 Anträge gestellt worden, vom Jobcenter, der Caritas, der Bruderhaus-Diakonie, von amtlich bestellten Betreuern, vom DRK, von Pfarrern und Krankenkassen, von Jugend- und Familienhilfen. Gezahlt wurden 43.538 Euro; gleichzeitig kamen fast 12.000 Euro an zinslos gewährten Darlehen zurück. Für 2014 sieht es nicht anders aus - es gibt wachsende Not mitten im Wohlstand.

So helfen Sie helfen

Der Sozialfonds "Bürger für Bürger" hilft im Raum Ehingen Menschen in Not, für die es sonst keine Hilfe mehr gibt. Ziel ist, die Notlage rasch zu beheben und ein Konzept zu erstellen, das neue Perspektiven schafft. Jeder Euro kommt an, alle Beteiligten im Sozialfonds arbeiten ehrenamtlich. Spenden sind möglich aufs Konto 9330465 des DRK-Ortsvereins Ehingen, Sparkasse, Stichwort "Bürger für Bürger".