Ehingen / Stefan Bentele  Uhr
Norbert Lins, CDU-Mitglied und Abgeordneter der EVP im Parlament in Brüssel, wirbt vor wenigen Gästen im Schwanen in Ehingen um Stimmen.

Europa klingt heiser – zumindest aus dem Mund von Norbert Lins. Der 41-jährige gebürtige Ravensburger kandidiert im hiesigen Wahlkreis für die CDU zur Wahl des Europäischen Parlaments, ist bereits amtierender Abgeordneter – als solcher Mitglied der Europäischen Volkspartei (EVP) – und besuchte am Donnerstag den Brauereigasthof Schwanen und das Bierkulturhotel „Best Western Plus“ der Familie Miller in Ehingen. Es war einer von insgesamt sechs Terminen am Donnerstag im Wahlkampfkalender des Abgeordneten, 40 weitere stehen bis zum Wahlsonntag am 26. Mai noch an.

„Meine Stimme ist nach knapp 80 Terminen in Mitleidenschaft gezogen“, sagte Lins in der Gaststätte vor gut 15 Zuhörern, darunter viele CDU-Kandidaten für die Gemeinderatswahl. Er verstehe sich als „Kümmerer der Region“, als einer, der die Sorgen der Bürger aufnehmen und nach Brüssel tragen werde. Wichtig sei ihm aber auch, dass in der hiesigen Region nicht nur die großen Unternehmen erfolgreich seien, sondern auch der Mittelstand, der „viel Schaffenskraft“ und auch „Kreativität“ beweise, wie etwa die Millers.

Zuvor hatte Gastronom Michael Miller Lins und die Besucher durch den Schwanen und das Hotel geführt, den Brautank vorgeführt und Einblicke in das Bierkisten-Zimmer gegeben. 10 000 Besucher haben seit 2005 an Bierbraukursen teilgenommen, sagte der Gastronom. Im Sommer sei das Hotel zu 95 Prozent ausgebucht. „Wir haben in Ehingen einen Markt erzeugt, der vorher nicht da war“, sagte Miller zu dem Konzept, das die Familie vor Jahren umgesetzt hat und zunächst auf Skepsis gestoßen war. Man habe eine „Emotionalisierung des Produkts“ erreicht, „das ist das A und O“ sagte er in dem Zimmer, das einer Bierkiste nachempfunden ist. Gäste kämen aus ganz Europa, staunten und verbreiteten die Ideen der Millers per Mundpropaganda und Soziale Medien, auch die Presse berichte vermehrt, was wiederum weitere Kunden bringe.

CDU-Kreistagskandidat und OB Alexander Baumann bestätigte Millers Einschätzung, derzufolge das Thema Bier wirke. Während er mit der Ehinger Bürgerwache in Salzburg gewesen sei, habe man ihn mehrfach gefragt, woher er komme. Mit Donau und Donauradweg habe er kaum punkten können, mit dem Titel „Bierkulturstadt“ hingegen sehr wohl.

Auf die Frage eines Zuhörers, wie man der italienischen Regierung und deren aggressiven Finanzpolitik einen Riegel vorschieben könne, antwortete Lins, dass die EU damit alles verletzen würde, was einst zur Gründung der Währungsgemeinschaft vereinbart worden war, darunter die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank. Der Abgeordnete ist sich aber sicher, dass ein neuer EZB-Chef den Leitzins erhöhe und sich die Frage so letztlich erübrigt.

Mit Blick auf Italien hatte Lins zuvor gemahnt, dass das EU-Projekt von rechts wie von links unter Druck stehe. Die italienische Regierung suche immer wieder Schuldige für die wirtschaftliche Situation im Land und verweise auf Brüssel.

Ansonsten sieht Lins beim Außengrenzenschutz „Nachholbedarf“, allerdings betrachtet er das als „gesamteuropäische Aufgabe“, womit sich die Konservativen im Übrigen deutlich von den Grünen abgrenzten. Ferner will er an der Vollendung der Währungsunion mitwirken, zugleich aber Schulden in Europa nicht vergemeinschaften: In einem EU-Währungsfonds sieht er das „richtigere Instrument als Schulden zu europäisieren“. Das Subsidiaritätsprinzip gelte für die EVP auch künftig, denn „nicht jede Aufgabe in  der EU ist eine Aufgabe für die EU“.

Auch zur Datenschutzgrundverordnung äußerte sich der Abgeordnete, antwortete damit auf eine Frage von CDU-Gemeinderatskandidat Manfred Schrade: „Ich ärgere mich wahnsinnig“, sagte Lins. Die Verordnung sei aus Deutschland gefordert worden, vom links-liberalen Lager im EU-Parlament aber ohne Ausnahmen für Vereine und Mittelständler versehen worden. „Wir haben uns als EVP nicht überall durchsetzen können.“

Mit 217 Sitzen stellte die EVP in der auslaufenden Legislaturperiode die größte Fraktion im Europäischen Parlament.

217

Sitze hat die Europäische Volkspartei, in der auch die CDU Mitglied ist, in der auslaufenden Legislaturperiode des Europäischen Parlaments. Insgesamt gibt es darin 751 Sitze.