Ehingen Neujahrskonzert in der Lindenhalle mit frenetischem Beifall bedacht

So duftig wie ein Lufthauch: Sopranistin Heidi Manser überzeugte ebenso wie Bariton Steven Scheschareg und das Orchester.
So duftig wie ein Lufthauch: Sopranistin Heidi Manser überzeugte ebenso wie Bariton Steven Scheschareg und das Orchester. © Foto: Emmenlauer
RENATE EMMENLAUER 05.01.2015
Ein ausverkauftes Haus und jubelnde Zuhörer verbuchte das grandiose Neujahrskonzert in der Lindenhalle mit der Donau Philharmonie Wien. Die "Ungarischen Leidenschaften" weckten viele Emotionen.

Mit 600 Besuchern waren die Ränge in der Ehinger Lindenhalle beim Neujahrskonzert am Samstag voll besetzt - wie fast jedes Jahr. Nicht von ungefähr gilt das Konzert als Glanzlicht im musikalischen Kulturprogramm in Ehingen und der Region. Mit Stardirigent Manfred Müssauer und der international gerühmten Donau Philharmonie Wien erlebten die Zuhörer einen Abend voller Emotionen und Leidenschaft - passend zu Titel und Inhalt des technisch anspruchsvollen und kurzweiligen Arrangements "Ungarische Leidenschaften".

Schon vom ersten Akkord an nahm das 40-köpfige Orchester sein Publikum mit auf eine ausschweifende Reise durch die ungarische Musikkultur mit packendem Temperament und Fröhlichkeit sowie Heimatsinn und Traditionsbewusstsein. Nach dem prickelnden Auftakt mit dem Werk "Hunyadi László", der ungarischen Nationaloper übernahm der musikalische Leiter Manfred Müssauer auch persönlich und mit spürbarer Freude die Moderation des Abends. Der Musikexperte beschrieb das Arrangement als Querschnitt aus ungarischem Blut und ungarischen Leidenschaften mit einem thematischen Bogen "von der Donau an die Donau".

Warum manche überragenden Werke ungarischer Komponisten außerhalb des Landes vielfach ein Dornröschendasein fristeten, etwa wie von Fernec Erkel, dem Verfasser des ersten Stücks, erklärte Müssauer mit der Mysteriologie des einstigen Reitervolkes. "Dabei gilt gerade er als künstlerischen Gründer der ungarischen Ausdrucksform in der Musikgeschichte", betonte der Dirigent. Weshalb er Erkel der musikalischen Zeitreise beim Neujahrskonzert vorangestellt habe, der ein Zeitgenosse von Verdi und Wagner war. Ebenso von Franz Liszt, dessen romantisches Lied "Bist Du mild wie ein Lufthauch" und das technisch schwierige Stück "O quand je dors", zu deutsch "O komm im Traum", die Sopranistin Heidi Manser mit Anmut, bezaubernder Sensibilität und so duftig wie ein Lufthauch zu Gehör brachte.

Bereits bei der leichtfüßig wie effektvoll interpretierten "Waldmeister-Overture" hatten sich die Zuhörer weit in den Stühlen zurückgelehnt, teils mit geschlossenen Augen, um die vortrefflichen Klangspiele noch intensiver genießen zu können. Das bestechende Gegenstück zur glockenklaren, filigranen Stimme der Sopranistin bildete Bariton Steven Scheschareg, Gewinner des George-London-Preises der Wiener Staatsoper, der das Publikum mit solch ausdrucksstarker Stimme und Leidenschaft in den Bann zog, dass man sich mittendrin in der besungenen Szene fühlte. Anstelle des Stücks "Der Vampyr", weil das Orchesterwerk nicht vollständig war, brillierte der Weltklassebariton mit dem "Tanzlied des Pierrot" aus der Oper "Die tote Stadt" von Erich Wolfgang Korngold. Entwaffnend die Harmonie zwischen Solist und Orchester.

Was wäre ein Spaziergang durch die ungarischen Leidenschaften ohne Johann Strauß und seinen "Zigeunerbaron", ohne "Romeo und Julia" von Charles Gounod, den "Teufelstanz" von Josef Hellmesberger oder "Die Csárdás-Fürstin" von Emerich Kálmán und den anderen Komponisten, die mit dem ungarischen Kulturgut verwoben sind.

Das zweieinhalbstündige Neujahrskonzert ließ nichts aus, verpackt in Virtuosität und Präzision. Müssauers Lebendigkeit und Ausstrahlung, seine kraftvolle Gestik, aber auch die Versunkenheit bei der Intonation und die Homogenität des Orchesters boten zum musikalischen auch einen visuellen Hochgenuss. Dem hartnäckig geforderten Marsch als Zugabe folgte frenetischer Beifall, der kein Ende nehmen wollte. Die Atmosphäre im Konzert- glich jener in einem Festsaal.