Unesco-Global-Geoparks Neuer Sitz für den Geopark

Schelklingen / Bernhard Raidt 13.04.2018
Die Geschäftsstelle des Unesco-Global-Geoparks Schwäbische Alb öffnet in Schelklingen. Das kleine Team hat viel zu tun – und hofft auf rasche Verbesserungen.

Umzugskisten stapeln sich, noch funktioniert die Technik nicht ganz. Aber die Laune ist gut: Das Team des Unesco-Global-Geoparks Schwäbische Alb hat seine neue Geschäftsstelle in Schelklingen bezogen. Dort, gleich neben dem Rathaus, war früher das Notariat untergebracht. Jetzt leiten von dort aus Geschäftsführer Siegfried Roth, die Geologin Iris Bohnacker und Helga Stark in der Verwaltung die Geschicke des Unesco-Global-Geoparks.

Und da gibt es einiges zu tun: Das Gebiet des Geoparks umfasst fast die gesamte Schwäbische Alb. Zehn Landkreise, der Tourismusverband und der Landes-Industrieverband Steine und Erden sind Mitglied im Trägerverein. Zudem steht der Geopark unter Druck: Die Unesco verlangt Nachbesserungen für ihr Gütesiegel und hat dem Park die „Gelbe Karte“ gezeigt (wir haben berichtet). Eine bessere Sichtbarkeit des Geoparks in der Öffentlichkeit, die Umsetzung einer Marketingstrategie, die Stärkung der Geopark-Infostellen und mehr internationale Zusammenarbeit fordert die internationale Kulturorganisation etwa. In zwei Jahren prüft sie erneut (siehe  Info).

Es gibt keine zweite Gelbe Karte

Falls die Fachleute dann nicht zufrieden sind, wird es keine zweite Gelbe Karte geben – das Unesco-Siegel ist dann weg, und zwar wohl für immer. Geschäftsführer Siegfried Roth ist aber zuversichtlich, dass es nicht so weit kommen wird. „Bund und Land werden das Unesco-Siegel nicht aus der Hand geben“, sagt er. Es fehlt dem Geopark hauptsächlich an Geld und Personal, um seine Ziele besser zu erreichen.

Doch Besserung ist in Sicht: Das Land prüft eine feste strukturelle Zuwendung von 150.000 Euro jährlich (siehe Info). Zudem tagen am 18. Mai die Mitglieder des Geopark-Vereins in Schelklingen und beraten ebenfalls über die finanzielle Ausstattung des Vereins. Vier bis fünf Vollzeitstellen zu haben ist der langfristige Wunsch von Siegfried Roth – bisher arbeitet nur er in Vollzeit, Iris Bohnacker und Helga Stark zu jeweils 50 Prozent.

Das kleine Team hat enorm viel zu stemmen: Die Organisation des Geoparks etwa mitsamt der Öffentlichkeitsarbeit und die Planung von Veranstaltungen wie dem Geoparkfest oder dem internationalen Geopark-Treffen im März 2019 in Aalen. Zum Vergleich: Derzeit vereinbart der Unesco-Geopark Schwäbische Alb eine Kooperation mit dem Global-Geopark Tianzhushan in Ost-China. Dessen Gebiet ist kleiner als das des Geoparks Schwäbische Alb – aber dort kümmern sich 103 Mitarbeiter um die Park-Belange. Geschäftsführer Roth erhofft sich einiges von der Kooperation mit China – nicht zuletzt auch den Besuch von Touristen aus dem Reich der Mitte.

Schelklingens Bürgermeister Ulrich Ruckh ist stolz darauf, dass die Geopark-Geschäftsstelle jetzt ihren Sitz in Schelklingen genommen hat. Es könne allen nützen, sagt Ruckh – und berichtet, dass im Erdgeschoss des ehemaligen Notariats ein städtisches Tourismus-Büro geplant ist.

Sprühend vor Ideen

Im Stock darüber ist dann die Geopark-Geschäftsstelle angesiedelt, beides könnte sich ideal ergänzen. Insgesamt sehen Roth und Ruckh auch andere Vorteile durch den neuen Standort: Schelklingen ist gut angebunden an öffentliche Verkehrsmittel, was den vielen Geopark-Mitgliedern nützt. Auch der Weg nach Ulm ist nicht weit, der stellvertretende Landrat des Alb-Donau-Kreises, Markus Möller, ist der Vorsitzende des Geopark-Vereins. Zudem kann der Unesco-Global-Geopark durch den neuen Sitz womöglich etwas sein Profil schärfen. Bisher war sein Sitz in Münsingen, und die Verwechslungsgefahr mit dem Unesco-Biosphärengebiet war groß. Das Team des Geoparks Schwäbische Alb sprüht jetzt jedenfalls vor Ideen, was noch getan werden kann – etwa die Bildungskooperationen mit Schulen auszubauen.

Info Am 3. Juni gibt es beim Geopark-Fest in Blaubeuren eine gute Gelegenheit, den Geopark intensiv kennenzulernen. Viele Geopark-Infostellen stellen sich vor und bringen eine Menge Attraktionen und Angebote mit.

SPD will stärkere Landesförderung für den Global-Geopark Schwäbische Alb

Überprüfung Im November 2015 wurde der Geopark Schwäbische Alb als Unesco Global Geopark ausgezeichnet. Im Sommer vergangenen Jahres erfolgte die Überprüfung. Das Resultat ist bekannt, die Unesco vergab die „Gelbe Karte“. Damit wurde dem Geopark zwar eine Weiterentwicklung bescheinigt, gleichzeitig wurden aber auch Mängel offengelegt. Das Label ist damit statt vier nur noch zwei Jahre bis zur nächsten Überprüfung gültig.

Mangel Doch mit den vorhandenen personellen und finanziellen Mitteln lassen sich nach Auffassung von Geschäftsführer Roth die angemahnten Verbesserungen nicht stemmen. Bislang erhält der Geopark nur jeweils projektbezogene Fördermittel des Landes, wie Roth in einem Gespräch mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Andreas Stoch, dem Reutlinger SPD-Abgeordneten Ramazan Selcuk und dessen Ulmer Kollegen Martin Rivoir erläuterte. „Die Marke Geopark soll erhalten werden, weil sie ein für die Region wichtiges Qualitätssiegel ist“, betonte Stoch. Daher muss das Land nach Auffassung der SPD stärker einsteigen. Und zwar noch in diesem Jahr mit dem ohnehin erforderlichen Nachtragshaushalt. Mit dem Status Quo sei die Rezertifizierung nicht zu schaffen, ist Stoch überzeugt.

Arbeit Im Mittelpunkt der Geopark-Arbeit stehen der Geotopschutz, die Geobildung, der Geotourismus und die nachhaltige regionale Entwicklung, verdeutlichte Roth. Mittlerweile sei ein Geotopkataster mit mehreren tausend Einträgen erstellt worden und jetzt müsse ein Geotopmanagement folgen. Derzeit verfügt der Geopark, der von einem 2008 gegründeten Verein getragen wird, dem zehn Landkreise sowie weitere Institutionen angehören, über ein jährliches Budget von 145 000 Euro aus Vereinsbeiträgen. Dazu kommen weitere projektbezogene Mittel. Zu wenig, um die dringend erforderliche personelle Verstärkung umzusetzen. „Wir werden darauf drängen, eine dauerhafte Förderung im Nachtragshaushalt zu erreichen“, sagte Rivoir. Ein gutes Signal könnte laut Stoch die Bereitschaft der Mitglieder sein, die Beiträge auf insgesamt 200 000 Euro aufzustocken. „Wenn dann noch 150 000 Euro Landesmittel hinzukommen, könnten weitere Stellen geschaffen werden“. Die verstärkte öffentliche Präsenz will der Geopark mit dem Tourismusverband Schwäbische Alb erreichen, der zu den Mitgliedern gehört. Ralf Ott