Etwas ungewöhnlich war die Rede, die Wolfgang Lampa zu seiner offiziellen Amtseinführung gehalten hat. Der neue Direktor des Amtsgerichts Ehingen - er hat die Stelle seit dem 1. Mai inne - erzählte in der Feierstunde die Fabel vom kleinen Schweinchen, das der Bauer so gerne hat und deshalb verspricht, es nie zu schlachten. Dann aber bekommt das Tier prächtige Haxen, auf die der Bauer doch nicht verzichten will und die er dem Schwein dann nach und nach abnimmt. Ganz ohne Beine aber leide das Tier doch zu sehr, entscheidet dann der Bauer, und schlachtet das Schwein am Ende doch.

Dies hatte Lampa wohl aufs kleine Amtsgericht bezogen, dessen Fortbestand die Politik zwar stets zusichert, das aber immer mehr beschnitten wird, bis es am Ende nicht mehr überleben kann und geschlossen wird. "Was ich sagen will: Lippenbekenntnisse helfen uns nicht", sagte Lampa.

Der Hoffnung, dass das Ehinger Amtsgericht weiterbesteht, gaben alle Redner Ausdruck. Das "kleine, aber feine" Amtsgericht Ehingen sei so dicht dran am Leben der Bürger wie kein anderes Gericht, lobte Landgerichtspräsident Lutz-Rüdiger von Au. Er werde weiter dafür eintreten, sagte OB Alexander Baumann, dass die Große Kreisstadt ein Amtsgericht habe. Der Amtswechsel, sagte Harald Hess als Vertreter der Ehinger Anwälte, sei immerhin ein "Signal, dass das Amtsgericht erhalten bleibt".

Zuvor hatte der Landgerichtspräsident - zwischendurch musizierte das Klarinettenduo Esther und Hubert Vogel - sowohl die bisherige Direktorin Julia Böllert als auch ihren Nachfolger Wolfgang Lampa gelobt. Als "Glücksfall für Ehingen", fleißig, sorgfältig, frisch und freundlich mit einer gewinnbringenden Art bezeichnete er Julia Böllert, die nach acht Jahren in Ehingen nun Vorsitzende Richterin einer Zivilkammer beim Landgericht Ulm ist. Lampa gehe seine Aufgabe mit Freude, Idealismus, Ernsthaftigkeit an, er sei robust, knitz und scharfsinnig in der Sprache und verfüge über Teamplayerqualitäten, sagte von Au.

Wolfgang Lampa war bereits von 1991 bis 2002 Amtsrichter in Ehingen und wohnt seither auch in der Stadt. Zwischendurch war er unter anderem in Laupheim und danach Amtsgerichtsdirektor in Riedlingen gewesen, bevor er im Jahr 2009 nach Ehingen zurückkehrte.

Wegbereiter des Ehinger Amtsgerichts, erzählte der Leitende Oberstaatsanwalt Christoph Lehr, war Franz Ludwig Schenk von Castell, genannt Malefizschenk, aus Oberdischingen, der im Jahre 1806 das Gericht in Ehingen ermöglicht habe.

Dessen Chef brachte weitere Anliegen vor. So monierte er eine Gehaltskürzung für Assessoren, also angehende Juristen, während Kollegen, die nach dem 65. Lebensjahr noch weiterarbeiteten, mit einer Erhöhung ihres Salärs rechnen könnten. Bei den Assessoren sähe er die Aufstockung lieber. Lampa gefallen auch die Entwicklungen der deutschen Sprache nicht: "Die scheinbare politische Korrektheit hat Auswüchse angenommen . . ." So seien Diskussionen nicht nachvollziehbar, im Kinderbuch "Struwwelpeter", verfasst 1845, das Wort "Mohr" durch ein anderes zu ersetzen.

Auch bei den Ämtern griffen die Namensänderungen um sich, wie bei der "Agentur für Arbeit" statt des früheren Arbeitsamts. Lampa spann die Sache weiter; so könne das Amtsgericht vielleicht dereinst "Örtliches Kompetenzzentrum für Rechtsprechung" heißen.

Insgesamt äußerte der neue Direktor kritische Gedanken. "Es ist keine richtige Sonntagsrede geworden", kommentierte er seine Worte.