Gemeinderat Neue Räume, mehr Migranten und moderne Fahrzeuge

Neue Perspektiven auf die Feuerwehr Munderkingen: Die Stadt hat einen Feuerwehrbedarfsplan erstellen lassen und nun verabschiedet.
Neue Perspektiven auf die Feuerwehr Munderkingen: Die Stadt hat einen Feuerwehrbedarfsplan erstellen lassen und nun verabschiedet. © Foto: Inge Burkhardt
Munderkingen / Stefan Bentele 07.07.2018

Bauliche Mängel am Feuerwehrhaus am Stadionweg beheben, die ehrenamtlichen Gerätewarte entlasten und die Modernisierung des Fuhrparks anpacken, so lauten die wichtigsten Empfehlungen des Feuerwehrbedarfsplans 2016 für die Stadt Munderkingen, dem der Gemeinderat am Donnerstagabend zugestimmt hat.

Man werde in den kommenden Haushaltsberatungen den Fokus entsprechend setzen, sagte Bürgermeister Dr. Michael Lohner am Ende der gut anderthalbstündigen Beratungen, zu der auch mehrere Männer und Frauen der Feuerwehr Munderkingen gekommen waren. Lohner unterstrich die Bedeutung, dass auch Frauen – laut Feuerwehrkommandant Joachim Enderle derzeit vier – in der Wehr aktiv sind. An diesem Thema setzen auch die Empfehlungen des Bedarfsplans an, ausgearbeitet vom Fachbüro „gtv-rettungsingenieure.de“ und vorgestellt von Sven Volk.

Einerseits werden und sollen Frauen motiviert werden, zur Feuerwehr zu kommen, sagte Volk, zugleich müssten diese sich aufgrund der baulichen Situation im Feuerwehrhaus im gleichen Raum wie die Männer umziehen. „Das wird so nicht funktionieren.“ Enderle bestätigte, dass Umkleide- und Duschräume für Frauen fehlten. „Wir haben akuten Platzmangel da unten“, sagte der Kommandant

Gemäß Bedarfsplan bergen die fehlenden Räume auch Gefahren, denn so könnten toxische Stoffe nach Einsätzen verschleppt und im Stützpunkt verteilt werden. Auch kritisiert der Plan einen fehlenden zweiten Rettungsweg, ferner keine bauliche Trennung von Umkleide zu den Stellplätzen der Einsatzfahrzeuge. Enderle betonte mit Blick auf die Empfehlungen: „Es ist nicht nur für die Feuerwehr, sondern für die Stadt und die Verwaltungsgemeinschaft.“

Volk empfahl auf Nachfrage von Stadtrat Wolfgang Walk (CDU) idealerweise den Empfehlungen fürs Feuerwehrhaus eine Priorität einzuräumen. In den weiteren Empfehlungen sieht der Fachmann aber keinen akuten Handlungsbedarf, meint, dass viele der sonstigen Maßnahmen gut bis 2021 umgesetzt werden könnten. „Das ist ein roter Faden“, es könnten sicherlich nicht alle Empfehlungen eins zu eins umgesetzt werden.

Weitere klare Empfehlung: Die derzeit fünf ehrenamtlich tätigen Gerätewarte müssen entlastet werden. Laut Volk ist die Gefahr zu groß, dass einer oder mehrere ausfallen. Enderle stimmte dem zu. Der Plan empfiehlt, mindestens einen Gerätewart etwa als Teilzeitkraft einzustellen. „Die reine ehrenamtliche Tätigkeit wird immer schwieriger“, sagte Volk.

Bernd Schumann (Grüne) bat Volk um eine Einschätzung, wie sich die Feuerwehr Munderkingen angesichts des demografischen Wandels und mit Blick auf die Einsatzverfügbarkeit (siehe Info) entwickle. „Wir haben ein gesundes Bild der Feuerwehr“, sagte Volk und zeigte, dass die Mehrheit der 52 Aktiven zwischen 26 und 35 Jahre alt ist. Der Altersschnitt liegt bei 35 Jahren.

Volk empfiehlt jedoch in dem Bedarfsplan, künftig vermehrt Migranten, die schon seit Längerem in Deutschland leben, anzuwerben. Ebenso sollten Unternehmen angesprochen werden, ob nicht deren Angestellte die Munderkinger Wehr unterstützen können, sofern sie bereits an ihrem Heimatort in der Feuerwehr aktiv sind. Grund: Die geforderte Sollstärke (siehe Info) beim so genannten ersten Anmarsch, also des ersten Trupps, wird überall in Munderkingen nachts und am Wochenende erreicht, tagsüber fehlen jedoch ausgebildete Kräfte. Für den zweiten Anmarsch fehlen laut Volk sogar Atemschutzträger.

Der Fuhrpark ist gemäß Bedarfsplan „zweckgemäß“, dennoch wird empfohlen, den Mannschaftstransportwagen gegen eine modernere, spezielle Variante auszutauschen, um auch für die Sonderaufgabe Wasserrettung gerüstet zu sein. Der Kommandowagen soll ebenso modernisiert werden.

Mannschaft und Personal

Verfügbarkeit Der Bedarfsplan hat mit Personalbögen und einem Soll-Stand festgestellt, dass tagsüber das Ziel, binnen zehn Minuten nach der Alarmierung der Wehr eine erste Einheit vor Ort zu ist, nicht erfüllt wird, konkret fehlt ein so genannter Truppmann. Für eine zweite Einheit fehlen zwei Truppführer und zwei Truppmänner. Gleichwohl war die erste Einheit bei Einsätzen zwischen 2011 und 2015 stets binnen zehn Minuten vor Ort.

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