Hohler Fels Neue Funde aus dem Hohlen Fels vorgestellt

BERNHARD RAIDT 29.07.2014
Die diesjährige Grabung am Hohlen Fels in Schelklingen ist abgeschlossen. Professor Dr. Nicholas Conard hat neue Funde vorgestellt. Ein Schwerpunkt der Grabung war die Zeit des Neandertalers.

Gerade einmal einen dreiviertel Meter stark ist die Erdschicht, auf die Professor Nicholas Conard deutet. Nichts Gewaltiges, sollte man denken - und doch stellen diese dreiviertel Meter Erdreich im Schelklinger Hohlen Fels eine gewaltige Trennlinie in der Menschheitsgeschichte dar. Denn unterhalb dieser Schicht hat das Grabungsteam der Universität Tübingen um Maria Malina und Alexander Janas in den vergangenen Wochen Hinterlassenschaften der Neandertaler ausgegraben. Vor etwa 45.000 bis 50.000 Jahren lebten die Neandertaler im Hohlen Fels.

Einige tausend Jahre später siedelte der moderne Mensch, der von Afrika aus nach Europa kam, in der Höhle. Auch aus dieser Zeit haben die Archäologen in diesem Jahr wieder zahlreiche Funde entdeckt. Deutlich sind die Unterschiede zu sehen: Conard zeigte, dass die Steinklingen, die der moderne Mensch bearbeitet hat, ganz anders aussehen als die Steine des Neandertalers. Auch kunstvoll gefertigte Perlen, die der moderne Mensch vor rund 40.000 Jahren hergestellt hat, hat das Grabungsteam gefunden. Bildhauerei, Mode, Musik, ja sogar Anzeichen für eine spirituelle Geisteswelt - der Hohle Fels gibt vieles über die Entwicklung des Menschen preis. Allerdings, ein wichtiges Puzzlestück fehlt weiterhin: Die dreiviertel Meter Erde, die die Schichten trennen, gilt als "steril" - es sind dort nur Funde gemacht worden, die von Höhlenbären und anderen Tieren stammen. Das bedeutet, dass der Hohle Fels nach dem Weggang des Neandertalers wohl mehrere tausend Jahre nicht besiedelt war, bevor die modernen Menschen sich dort niederließen. Er persönlich habe immer erwartet, Hinweise auf eine Überlappung von Neandertaler und modernem Menschen in der Region zu finden, sagte Conard. "Aber wir können diese Begegnung nicht erfassen."

Von der möglichen Anerkennung des Hohlen Felsens und anderer Fundorte in der Region als Weltkulturerbe erhofft sich Conard jetzt mehr Aufmerksamkeit - gerade auch im Bereich der Politik. Und natürlich auch mehr Geld. "Andere Forschungsbereiche arbeiten mit Milliarden - bei uns geht es um 10.000 Euro", sagte Conard. Dabei zähle eine Venus vom Hohlen Fels sicher zu den ganz großen Kunstwerken der Menschheit, ähnlich einem Gemälde von Edvard Munch oder anderen großen Künstlern. Und noch etwas lag Conard am Herzen: Die Urgeschichte sei kein Thema mehr im Lehrplan der Schulen. Gerade noch das alte Ägypten werde dort behandelt, und die Zeit der Griechen und Römer - die Anfänge von Kunst und Kultur mit Werken wie der Venus vom Hohlen Fels spielten keine Rolle.

Ob es im Übrigen weitere Sensationsfunde wie die Venus gab, wollte Conard nicht preisgeben - es gibt strenge Auflagen, was die Veröffentlichung eines solchen Fundes betrifft. Nur soviel sagte Conard: Morgen, Mittwoch, werde in Tübingen wieder etwas Neues präsentiert. Und sollte in diesem Jahr wieder ein Sensationsfund gemacht worden sein, so muss dieser zunächst wissenschaftlich bearbeitet werden. Erst im nächsten Jahr wird die Öffentlichkeit davon erfahren.

Bei der Führung waren auch Schelklinger Stadträte und die beiden stellvertretenden Bürgermeister Jürgen Haas und Reiner Blumentritt vor Ort. Sie vertraten Bürgermeister Michael Knapp, der derzeit in Israel weilt. Blumentritt, der als Vorsitzender der Museumsgesellschaft viel zum Gelingen auch der diesjährigen Grabung beitrug, betonte noch einmal, wie wichtig ein Info-Zentrum am Hohlen Fels sei. Ebenfalls mit vor Ort: Zementwerksdirektor Hans-Georg Kraut. Heidelberg Cement unterstützt die Grabungsarbeiten.