Kriminalität Mutmaßliche Brandstifter in Schelklingen verhaftet

Schelklingen / Bernhard Raidt 08.11.2018
Ein 16- und ein 17-Jähriger sollen ein Haus in Schelklingen angezündet haben. Sie sollen weitere Straftaten begangen haben.

Zwei Jugendliche sitzen jetzt nach dem Brand eines Wohnhauses in der Schelklinger Schlossgasse in Haft. Das berichten Polizei und Staatsanwaltschaft in einer Pressemitteilung. Am Dienstag hatte die SÜDWEST PRESSE berichtet, dass  gegen die zwei Jugendlichen der Schelklinger Jugendhilfeeinrichtung St. Konradihaus ein dringender Tatverdacht wegen  Brandstiftung bestehe. Bei dem nächtlichen Brand rettete die Feuerwehr eine 82-Jährige aus dem brennenden Gebäude. Sie erlitt eine leichte Rauchverletzung. Die anderen Bewohner konnten sich selbst  retten. Das Haus war nicht mehr bewohnbar, es entstand ein Schaden von geschätzt 50.000 Euro.

Verdacht auf weitere Straftaten

Die Polizei berichtet, dass sie nach umfangreichen Nachforschungen zunächst einen 16-Jährigen als Verdächtigen ermittelte. Weitere Ermittlungen führten dann zu einem 17-Jährigen. Zusammen sollen sie den Brand gelegt haben. Außerdem stehen sie im Verdacht, noch weitere Straftaten begangen zu haben. Der zuständige Richter erließ Haftbefehl, beide Jugendliche sitzen nun in Untersuchungshaft.

In Schelklingen hat eine Kriminalitätsserie, zu der neben der mutmaßlichen Brandstiftung auch Einbrüche, Einbruchsversuche und Sachbeschädigungen gehören, in den vergangenen Wochen große Befürchtungen ausgelöst. Die Sicherheitslage in der Stadt war auch Thema der Stadträte am Mittwoch.

Roland Zeller, der Direktor des St. Konradihauses, geht davon aus, dass es jetzt mit der Inhaftierung der beiden Jugendlichen mehr Sicherheit in der Stadt geben werde. Im St. Konradihaus herrsche derzeit eine erhöhte Wachsamkeit. Die Straftaten seien ein großes Thema unter den derzeit 90 Jugendlichen, die in der Einrichtung betreut werden. Zeller legt aber auch Wert auf die Feststellung, dass es keine Jugendlichen aus dem Ort waren, die nun unter Verdacht geraten sind. Das St. Konradihaus betreut Jugendliche aus ganz Süddeutschland, die aus schwierigen Lebensverhältnissen kommen. Sie machen ihre Schulabschlüsse oder ihre Ausbildung in Schelklingen.

Viele von ihnen stammen aus den Ballungsräumen München oder Stuttgart. Die Jugendämter schicken sie nach Schelklingen. Etliche der Jugendlichen haben bereits Straftaten verübt –  aber keine so schwerwiegenden wie nun die mutmaßliche Brandstiftung, sagt Zeller. Der Direktor legt betont auch, dass das St. Konradihaus eine Hilfeeinrichtung und keine Strafvollzugsanstalt sei. Es gebe zwar nun vermehrt Kontrollen. Die Jugendlichen würden aber nicht eingesperrt – das sei angesichts der Brandschutzmaßnahmen im Haus auch gar nicht möglich. Aus jedem Zimmer gelange man über Fenster und Notfalltreppen ins Freie.

Unterschiedliche Gruppen

Alle Jugendlichen mit Straftaten in der Akte in eine besonders überwachte Gruppe zu versetzen, sei nicht sinnvoll. „Wir wollen unterschiedlich zusammengesetzte Gruppen. Die Jugendlichen sollen nicht nur mit ihresgleichen zusammen sein“, sagt Zeller.

Der Direktor überlegt sich aber nach den jüngsten Vorfällen, Intensiv-Module für neu angekommene Jugendliche einzuführen. Sie sollen dabei in den ersten Wochen besonders betreut werden. Doch eine intensivere Betreuung koste Geld. Alles stehe unter dem Vorbehalt der Finanzierung durch die Jugendämter. „Alle Jugendhilfeeinrichtungen sind unterfinanziert, auch wir“, sagt Zeller.

Stadträte und Bürgermeister in Schelklingen verlangen Maßnahmen

Empörung Bei den Stadträten und bei Bürgermeister Ulrich Ruckh war am Mittwoch Empörung zu spüren. Eine Brandstiftung sei kein Dummer-Jungen-Streich mehr, sagte Ruckh. Eine Grenze sei erreicht. Er sei froh, dass es im brennenden Haus Rauchmelder gegeben habe. Es müsse etwas geschehen, forderte auch Jürgen Haas (SPD). Die Betreuung im St. Konradihaus müsse dringend verbessert werden. Paul Glökler (CDU) signalisierte, dass seine Fraktion Ruckhs Pläne für einen Runden Tisch zum Thema Sicherheit gutheiße.

Runder Tisch Der Runde Tisch werde einberufen, sobald die Ermittlungen abgeschlossen seien, sagte der Bürgermeister. Auch eine öffentliche Ratssitzung zum Thema Sicherheit kann sich Ruckh vorstellen. Konradihaus-Direktor Roland Zeller erklärte sich gestern im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE sofort bereit, am Runden Tisch mitzuwirken. Zeller möchte aber gerne, dass auch ein Vertreter des Jugendamts daran teilnimmt. Auch dem Gemeinderat stehe er selbstverständlich Rede und Antwort, sagte Zeller. ben

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