Workshop Musiksommer: Pädagogin lehrt Theater-Spiel

Theaterpädagogin Daniela Burkhardt (links) instruiert Schüler, wie sie am eindrucksvollsten auf der Bühne ihre Rollen verkörpern. Ihr Tipp: Vehementer als im Alltag in Erscheinung treten, für den Zuschauer wirkt das dann noch immer normal.
Theaterpädagogin Daniela Burkhardt (links) instruiert Schüler, wie sie am eindrucksvollsten auf der Bühne ihre Rollen verkörpern. Ihr Tipp: Vehementer als im Alltag in Erscheinung treten, für den Zuschauer wirkt das dann noch immer normal. © Foto: Christina Kirsch
Ehingen / Christina Kirsch 11.06.2018
Eine Theaterpädagogin zeigt Kindern, wie die ihr Schauspiel für die Musical-Gemeinschaftsproduktion perfektionieren können.

Ihr müsst ganz groooooß spielen“, sagt die Theaterpädagogin Daniela Burkhardt zu Grundschülern in der Michel-Buck-Schule. „Wenn du gerade Angst hast, muss man das sehen“, sagt sie zu einem Kind. „Trau dich einfach, Du musst dich für deine Rolle nicht schämen, es ist bloß eine Figur in einem Musical.“

Grundschüler, die noch vor einer Stunde eher verlegen herumstanden, zeigen sich jetzt frech, würdevoll oder wütend. Sie trauen sich, andere an den Haaren zu zupfen, aufzustampfen oder auf allen Vieren zu laufen. Die Musical-Produktion für den Ehinger Musiksommer am Sonntag, 24. Juni, zu dem es wieder eine Uraufführung für die Zuschauer gibt, kommt in Gang.  „Im Land der Wawumoasts – Aus Fremden werden Freunde“ ist eine Gemeinschaftsproduktion der Musikschule, der Michel-Buck-Schule, der Längenfeldschule und des Tanzstudio Sabine Raasch und behandelt das Flüchtlingsthema.

„Es handelt sich um Waldkobolde, die sich unsichtbar machen können“, sagt Grundschullehrerin Stefanie Hettenbach, die den Text des Musicals mit dem etwas komplizierten Namen geschrieben hat. „Die Wawumoasts setzen sich aus den Anfangsbuchstaben von Wald, Wurzel, Moos und Ast zusammen.“ Zu diesen Waldkobolden stößt eines Tages eine Mandu aus dem Regenwald. Sie sieht anders aus und sie ist aus ihrer Heimat geflohen, weil dort immer mehr Bäume abgeholzt werden. „Die einheimischen Wawumoasts machen Stimmung gegen sie“, erläutert Stefanie Hettenbach, die an der Michel-Buck-Schule die Theater-AG leitet. „Wieso bleibst du nicht da, wo du her kommst?“, ruft ein junger Wawumoast Mandu entgegen.

„Seid einfach ein bisschen krasser“

Das macht er nach Meinung der Theaterpädagogin aber viel zu brav und unaufgeregt. „Seid einfach ein bisschen krasser als im wirklichen Leben“, sagt Burkhardt – und macht es sogleich vor. Das animiert die Jungs und Mädchen, es ebenfalls überzogen und übertrieben darzustellen. Für Zuschauer wirkt das immer noch angemessen.

Die Grundschüler erhalten das professionelle Coaching mit Daniela Burkhardt, weil sie sich für den Lotto-Musiktheaterpreis nominiert hatten. Mit der Nominierung verbunden ist ein halbtägiges kostenfreies Gruppencoaching in einer künstlerischen Sparte. Die Ehinger entschieden sich für die Sparte Schauspiel.

Auch an anderen Orten wird bereits fleißig geübt, getanzt, gemalt und genäht. An der Längenfeldschule werden unter der Leitung von Bianca Kuhn bereits die Kulissen gemalt. Ramona Behrendt, die Mutter einer Michel-Buck-Schülerin, nähte die Kostüme für die Waldkobolde. Im Tanzstudio Raasch üben die Kinder Tänze ein und der Grundschulchor unter der Leitung von Regina Rak wird die Lieder singen.

Musik von Erik Daumann-Hettenbach

Die Musik zu dem Musical, einschließlich der Ouvertüre und den Tänzen, stammt von Erik Daumann-Hettenbach. Der Komponist und Musiker tauscht sich bei der Produktion eines Musicals direkt mit seiner Frau Stefanie aus. „Wir arbeiten im gleichen Zimmer“, sagt Stefanie Hettenbach. Die Gesamtleitung obliegt Michael Buntz von der Musikschule.

Die Kinder der Michel-Buck-Schule müssen nun noch an ihrer Bühnenpräsenz feilen, um vor Publikum und der Jury zu bestehen. „Du musst ein bisschen unverschämter sein“, sagt Daniela Burkhardt zu einem Häuptlingskind. „Je gemeiner du am Anfang bist, desto netter kannst du später sein“, sagt die Theaterpädagogin, die jedem Kind vorspielt, wie sie sich einen würdevollen Häuptling, eine verzweifelte Mandu oder neugierige Wawumoasts vorstellt.

Erstaunlich für die anwesenden Musiker und Lehrer war die Tatsache, dass Daniela Burkhardt immer das ganze Bild im Blick hatte. Und so merkten die Kinder der Nebenrollen gar nicht, dass sie aus der Rolle fielen, sobald sie nicht dran waren. Man müsse bedenken, dass der Zuschauer immer auch auf die Nebenrollen schaue. „Bleibt bei euren Rollen, drückt euch mit dem Körper aus, seid krasser als im Alltag und spielt groß, ganz groß.“

Was den Kindern daraufhin einfiel, wird dem Musical Pfiff geben und vielleicht auch die Lotto-Musiktheaterpreis Jury überzeugen.

Die Jury kommt zur ersten Aufführung

Auszeichnung 2009 führten die Ehinger Institutionen das Kindermusical „Tuishi Pamoja – Eine Freundschaft in der Savanne“ auf und belegten für die Aufführung den dritten Platz beim Lotto-Musiktheaterpreis. Das diesjährige Musical ist wieder eine Gemeinschaftsproduktion und wurde für den Lotto-Musiktheaterpreis 2017/18 nominiert. Es werden drei Hauptpreise in Höhe von 5000, 3000 und 2000 Euro vergeben. Ferner werden Spartenpreise für Leistungen in Gesang, Bühne, Choreographie in Höhe von je 1000 Euro vergeben.

Bewertung Bei der ersten Aufführung am Sonntag, 24. Juni, um 17 Uhr in der Lindenhalle Ehingen wird eine Jury die Vorstellung besuchen und die Bereiche Musik, Schauspiel, Tanz, Inszenierung, Bühne, Technik und Rahmengestaltung bewerten. Mit einbezogen werden die künstlerische Umsetzung, die Rahmenbedingungen einer Produktion sowie pädagogische Aspekte.

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