Musik Musikkapelle bringt Instrumente der Mönche zum Klingen

Die taditionsreiche Obermarchtaler Musikkapelle hat heuer allen Grund zum Feiern.
Die taditionsreiche Obermarchtaler Musikkapelle hat heuer allen Grund zum Feiern. © Foto: Jürgen Emmenlauer
Obermarchtal / DORIS MOSER 21.06.2014
Seit 190 Jahren gibt es die Musikkapelle Obermarchtal: Das ist eine lange Zeitspanne und ein markanter Grund für ein Fest. Und das gibt Anlass, in der Chronik zu blättern, und die hat viel zu erzählen.

Der Musikverein Obermarchtal blickt derzeit zurück auf eine lange und bewegte Vereinsgeschichte. Eng verwoben ist die Gründung der Musikkapelle mit der einstigen Prämonstratenser-Reichsabtei und vor allem deren Auflösung während der Säkularisation im Jahr 1803, so berichtet die Chronik, die Dr. Berthold Saupp, Hermann Branz sowie Karl Ruf und Paul Karner zum 175-jährigen Bestehen des Musikvereins recherchiert hatten. 1803 erlosch demnach das große Orchester der Mönche, deren berühmteste Namen Isfried Kayser und Sixtus Bachmann sind. Die Pauken und Trompeten, die Geigen, Flöten und Posaunen lagen verwaist auf der Empore und der Kirchenbühne. Sie gelangten aber schon bald zu musikbegeisterten Männern in der Gemeinde, die sie wieder zum Klingen brachten und damit den Grundstein für die heutige Musikkapelle legten. Zeit und Ort sind nicht bekannt.

Als offizielles Gründungsdatum gilt das Jahr 1824, aus dem eine Gemeindepflegerrechnung datiert, die sich auf die Entlohnung von 16 Musikern für ihre Teilnahme am Fronleichnamszug bezieht. Als erster Obmann der Kapelle ist Josef Spindler genannt, er bekam einen Gulden, die Musiker jeweils 24 Kreuzer.

Später war Donatus Munding Kantor und zugleich Dirigent des 1836 gegründeten Gesangvereins Obermarchtal, und dann sein Sohn, der Lehrer Anton Munding. Aus dieser Zeit sind noch Notenhefte mit der Jahreszahl 1864 vorhanden. Ein Konflikt in den 80er Jahren hatte zwei Musikkapellen zur Folge. Weil gleichzeitig ein Militärverein Musik machte, musizierte eine Gruppe beim Liederkranz. Elf Jahre lang währte dieses zum Teil hart ausgetragene Gegeneinander, bevor sich 1897 wieder 13 Instrumentalisten zur "Musikgesellschaft" zusammenfanden und sich mit einer Satzung und Statuten eine formale Basis gaben. Seit dieser Zeit wird ein Kassentagebuch geführt, in dem bis heute lückenlos das Vereinsgeschehen nachzulesen ist.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde der Geldbestand auf die Männer aufgeteilt, die in den Krieg ziehen mussten. Von 1919 wird berichtet, dass sich acht Musiker an der Fronleichnamsprozession beteiligten und zum Kirchenpatrozinium "Peter und Paul" im Schlossgarten ein Konzert gegeben wurde. Unter Kapellmeister Fidel Endele begann damals eine neue Ära für die Musiker, die fortan professionell ausgebildet wurden. Beim ersten Bezirksmusikfest in Blaubeuren ernteten die Obermarchtaler mit dem zweiten Preis samt Diplom in der ersten Stufe die verdienten Lorbeeren. 1923 weist das Buch während der Hyper-Inflation astronomische Summen aus: 1.250,767.319 Mark. Mit der Währungsreform war dieser "Reichtum" aber flugs dahin.

Das musikalische Leben in der Gemeinde gestaltete sich lebhaft, die Kapelle beteiligte sich an Musikfesten in der Region, bis der Zweite Weltkrieg einen harten Schnitt zog, auch im Vereinsgeschehen. Doch bereits 1947 nahmen Musiker am Fronleichnamszug teil, 1950 standen wieder 17 Musiker im Register.

Fidel Endele übergab 1958 den Taktstock nach 50 Jahren an Max Bitterle, 1969 übernahm Karl Schmid aus Unlingen die Leitung und übergab die Kapelle 1974 an Diplomdirigent Karl Ruf, der die Musiker 32 Jahre lang erfolgreich leitete. Seit 2007 ist Klaus Fiderer aus Oberstadion musikalischer Leiter der Musikkapelle, die aktuell aus 87 Instrumentalisten besteht und sich mit vielen Konzerten, öffentlichen Auftritten, Wertungsspielen sowie einer rührigen Jugendarbeit Ansehen und eine guten Ruf weit über Obermarchtal hinaus erworben hat.

Drei Kreismusikfeste - 1925, 1955 und 1999 - richtete der Obermarchtaler Verein aus, jeweils mit großartiger Kulisse und vollem Erfolg. 1981 zogen die Musiker in ihr erstes Vereinsheim in der "Alten Molke", mittlerweile sind sie im Dachgeschoss des Feuerwehrhauses beheimatet. Ein markantes Ereignis war die Aufführung des "Großen Zapfenstreichs" zum 160-jährigen Bestehen im Jahr 1984, ein Jahr darauf wurde ihm die "Pro-Musica-Plakette" verliehen. 1999 feierte der Verein seinen 175. Geburtstag, verbunden mit dem Kreismusikfest samt Wertungsspielen.

Neue Akzente setzte der Verein mit dem Open-Air Schlossfestival im Klostergarten, 2008 wurde die erste "Samba-Boana-Night" gefeiert und der erste "Kunst- und Handwerkermarkt" im Herzen des Orts veranstaltet. Eine sehr alte Tradition pflegt der Verein mit dem "Peter-und-Paul-Fest" zum Kirchenpatrozinium. Seit 2009 ist Georg Fuchs Vorsitzender, er übernahm das Amt von Paul Karner, der weiterhin Ehrenvorsitzender und "Marktmeister" sowie Musiker ist. Seit einem Jahr leiten Tonja Gaupp, Georg Fuchs und Fabian Tress den Verein als gleichberechtigtes Team. An diesem Wochenende folgt ein weiteres Glanzlicht der Vereinsgeschichte mit der Weihe der ersten Vereinsfahne in einem festlichen Gottesdienst am heutigen Samstag um 18 Uhr im Münster und dem Festakt im Spiegelsaal des ehemaligen Prämonstratenserklosters. Damit verbinden sich erneut Geschichte und Gegenwart des Musikvereins.

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