Unterhaltung Musiker setzen Maßstäbe

Renate Emmenlauer 09.01.2018

Wer das Dreikönigskonzert des Musikvereins „Lyra“ Unterstadion kennt, weiß um die musikalische Vielfalt und um die klangtechnischen Finessen, die ein Erlebnis für die Sinne liefern, ebenso um die Leidenschaft für die Musik der rund 130 Instrumentalisten in der Jugendkapelle und im aktiven Blasorchester. Das Dreikönigkonzert gilt in der regionalen Blasmusikszene als ein Maßstab für anspruchsvolle und unterhaltsame Musik. Weit mehr als 500 Besucher füllten an Dreikönig die Mehrzweckhalle Oberstadion – es hatte sich gelohnt.

Klaus Fiderer, bisher 29 Jahre Jugenddirigent im Verein, hat sein Konzertdebüt als Dirigent des Höchststufenorchesters bestanden. Ebenso der aktive Musiker Philipp Betz, der seit April 2017 die Jugendkapelle leitet und von seinen Schützlingen für den „super Spaß beim Proben“ gelobt wurde. Erneut wurde auf eine Konzertbestuhlung verzichtet, um den Musikabend mit einer familiären Atmosphäre zu umrahmen. 85 Jahre Musikverein und 60 Jahre Jugendkapelle: Würdiger hätte der Auftakt in das Jubiläumsjahr nicht ausfallen können.

Das Gefühl für die Raumfähre

Schon die 46-köpfige Jugendkapelle überzeugte mit hohem Leistungsniveau und beeindruckender Spielfreude. Ob beim klangfarbigen Tongemälde „Alpine Inspirations“, der unterhaltsamen Filmmusik „The jungle book“ (Das Dschungelbuch) oder auch bei „Apollo 11“. Letzteres war eine fantastische musikalische Rückblende aufs historische Ereignis aus dem Jahr 1969, die einem das Gefühl vermittelte, als sei man selbst in der Raumfähre Apollo 11. Mit Bon Jovis Pop-Song „Livin‘ on a Prayer“ als Zugabe setzte die Jugendkapelle Akzente. Minutenlanger Beifall war der verdiente Lohn.

Anfang 2017 hat Klaus Fiderer das musikalische Erbe von Herbert Hipper angetreten. Der Vollblutmusiker hatte das aktive Blasorchester zum einem perfekten Klangkörper geformt und über Jahrzehnte in der Höchststufe angesiedelt. Jetzt, als Tenorhornist im Orchester, zeigte sich Hipper mit seinem Nachfolger sehr zufrieden. Fiderer hatte sein erstes Dreikönigkonzert bravourös gemeistert. Die 83 Musiker schienen mit dem Stabführer in Harmonie verwoben. Schon das schwungvolle Werk „Concert Prelude“ lieferte einen herausragenden Hörgenuss. Bei der Sinfonie „Lords of the Rings“, dem musikalischen Porträt über den mächtigen Zauberer Gandalf mit seinem prächtigen Pferd, schienen die Zuhörer die pulsierende und spannungsgeladene Szenerie mitzuerleben. Beim modernen Werk „Music for a Festival“ setzte das Blasorchester weitere Akzente. Nach einer kraftvollen Einleitung beeindruckte der homogene und versierte Klangkörper im lyrischen Mittelteil mit breiten Melodien der Blechregister und bildete mit fließenden Umspielungen der Holzbläserstimmen ein harmonisches Ganzes.

Dem Ehrungsreigen folgte der zackige Militärmarsch „Adlerflug“. Mit dem „Tarzan-Medley“, bei dem das Orchester famos das bunte Leben im Dschungel porträtierte sowie mit dem Medley „André Rieu in Concert“ setzte das Blasorchester bis zum Schlusspunkt Höchststufenmaßstäbe. Hartnäckige Zugabeforderungen und rauschenden Beifall belohnten Dirigent und Instrumentalisten mit der fröhlichen „Tritsch-Tratsch“-Polka und einem kurzweilige Marsch.

Klaus Fiderer erhält eine doppelte Auszeichnung

Ehrungen „Ihr habt uns genussvolle Stunden bereitet“, lobte Rupert Braig als Vertreter des Blasmusik-Kreisverbands bei den Ehrungen im Rahmen des Dreikönigskonzerts. Für 50 Jahre als Musiker zeichneten Braig und „Lyra“-Musikerchef Peter Schänzle Reinhold Engst (Bariton und Tenorhorn) und Klaus Fiderer mit der Ehrennadel in Gold mit Diamant und Ehrenbrief aus. Fiderer wurde zudem für 30 Jahre als Dirigent mit der Dirigentennadel in Gold mit Diamant und Ehrenbrief gewürdigt. Klaus Fiderer ist seit 1968 aktiver Musiker, war von 1977 bis 1983 Jugendvertreter, von 1983 bis 1985 Ausschussmitglied, von 1985 bis 1989 Schriftführer, von 1988 bis 2011 Jugendleiter, überdies von 1988 bis 2017 Jugenddirigent, parallel zehn Jahre Dirigent des Blasorchesters in Obermarchtal und seit 2017 Dirigent der aktiven Kapelle in Unterstadion. Zudem sei der „absolute Vereinsmensch“ Ausbilder für Klarinette und Saxophon, leitet eine Blockflötengruppe und sorgt stets dafür, dass es im Musikerheim genug zu trinken gibt.
Für 15 Jahre Ausschussarbeit erhielt Helmut Stöhr eine Fördernadel in Silber samt Urkunde. Stöhr ist seit 2003 Beisitzer der passiven Mitglieder, und war bei den Musikfesten 2008 und 2013 zusammen mit Ludwig Auchter Festwirt, und ist auch beim Renovieren des Musikerheims immer zur Stelle. Ehrennadeln in Silber für 20 Jahre Musizieren bekamen Daniela Hipper (Klarinette/Schriftführerin) und Stefanie Göbel (Oboe), für zehn Jahre Lea Skoda (Klarinette), Carolin Schänzle (Klarinette), Christoph Huber (Horn) und Simon Schweikert (Trompete). re