Manchmal passt einfach alles zusammen. So wie bei der Verabschiedung von Heinz Seiffert am Freitag in Ehingen. Da überbringt der neue Vize im Regierungspräsidium Tübingen, Dr. Utz Remlinger, dem Landrat seine Entlassungsurkunde, weil dem RP im Laufe der Woche ja der Chef abhandengekommen und der neue noch nicht da ist. Und was macht der schlagfertige Seiffert daraus? Es sei ihm bewusst geworden, sagte er am Freitag unter dem Lachen der mehr als 500 Freunde, Weggenossen und Mitarbeiter, „wie schön es doch ist, wenn man seinen Abschied selber bestimmen kann.“

Was Seiffert bis zuletzt tut. Die Feier am Freitag trägt bis ins Detail seine Handschrift: mehr Musik als Worte, und mit dem Kreisverbandsjugendblasorchester ein Klangkörper, der sich nicht zuletzt dank der Förderung durch den Alb-Donau-Kreis mit breiter Brust neben der Jungen Bläserphilharmonie Ulm zum Spitzenensemble entwickelt hat. Mehr Begegnung als Reden, die Anerkennung des Lebenswerks des 64-Jährigen liegt im Hiersein der Gäste: Kreisräte und Bürgermeister, politische Freunde, Vorgänger und Nachfolger, Vertreter von Kirchen, Wirtschaft, Bundeswehr, Behörden und Institutionen, dazu Führungskräfte aus den Einrichtungen des Kreises, von den Gesundheitszentren bis zu den beruflichen Schulen. Die Kreisfahne ist die einzige Dekoration in der Lindenhalle, und zum Essen gibt es mit Linsen und Spätzle „und hoffentlich Saitenwürste ond a Rauchfloisch drzu“ das Lieblingsgericht von Seiffert.

„Mir hend ons jedenfalls bemüht“, sagt der angehende Ruheständler in seiner Begrüßung im Rückblick auf elf Jahre Landrat. „Du hast Dich um den Alb-Donau-Kreis verdient gemacht“, lobt ihn dann kurz darauf  Wolfgang Mangold stellvertretend für alle Kreisräte und Bürgermeister. Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler und ehemalige Bürgermeister von Langenau erweitert den Zeitraum der Betrachtung um die 26 Jahre, in denen Seiffert zuvor schon Mitglied des Kreistags war, und sagt unter starkem Beifall: „Mit Dir geht einer von uns, ein echter Kommunaler mit Bodenhaftung.“

Mangolds kurze Rede ist die einzige, die auf Seiffert gehalten wird, ansonsten spricht der Landrat nach seiner Begrüßung nur nochmals zum Schluss, um sich zu bedanken. Keine zukunftsweisenden Hinweise auf anstehende Herausforderungen des Alb-Donau-Kreises und auch keine Schlussbilanz über ein Wirken, das für sich spricht und in der guten Verfassung der beruflichen Schulen bis zu Gesundheitszentren und Pflegeheimen seinen Ausdruck findet. Dafür umso mehr Persönliches: Dank an dieses grandiose Kreisverbandsjugendblasorchester, kurz KVJBO genannt, dem nach John Miles’ „Music“ die Leute in der Lindenhalle minutenlang stehend applaudieren. Von Verdis „gran finale per il secondo atto“ aus der Oper Aida reiht sich ein starkes Stück ans andere; versteht sich, dass Seiffert auch „My Way“ oder „Funiculi Funicula“ selbst ausgesucht hat. Dank aber auch an Heiner Scheffold, den Stellvertreter und Nachfolger, mit dem er den Übergang besprochen hat, „oft mit einem Zigärrle“, und bei dem er das schöne Amt des Landrats im Alb-Donau-Kreis in guten Händen weiß, auch wenn Scheffold einen gravierenden Fehler habe, wie Seiffert am Freitag sagte: Er sei Fan von Bayern München und habe Mitleid mit dem VfB.

Seiffert zieht bei seinem Abschied alle mit ein, die ihm nahe sind und waren: die Mitarbeiter im Landratsamt samt Blumen fürs Vorzimmer, Dank ans Rote Kreuz, liebe Worte an die Kegelkameraden, die Mitradler und die Familie. Und die Landfrauen. „Zu denen hatte ich immer ein besonders herzliches Verhältnis“, sagt er und bringt den Saal zum Lachen mit der Ergänzung, dass da auch seine Frau Edelgard nichts dagegen hatte – „solange es keine einzelne war“.

Den getragenen Schlusspunkt unter eine außergewöhnliche Feier setzte dann am Freitagabend die Bürgerwache Ehingen mit Abordnungen der Bürgerwehren aus Dietenheim und Munderkingen mit dem Großem Zapfenstreich und einer Serenade auf dem nächtlichen Marktplatz in Ehingen, die vor vielen hundert Zuschauern mit der Nationalhymne endet.

Mehr dazu
 Heinz Seiffert geht in den Ruhestand. Elf Jahre und zweieinhalb Monate war er Landrat im Alb-Donau-Kreis. Im Gespräch blickt der 64-jährige CDU-Mann zurück und nach vorne. Lesen Sie hier ein Interview mit Heinz Seiffert: "Ich bleibe ein politischer Mensch".

Vor dem Abschied nochmals volles Programm

Ausklang Der letzte Arbeitstag für Heinz Seiffert wird der kommende Freitag sein. Am 30. September verlässt er sein schon weitgehend geräumtes Büro im Landratsamt in Ulm und geht. Die letzte Sitzung, die Heinz Seiffert leiten wird, ist die des Kreistags-Ausschusses für Bildung, Gesundheit, Kultur und Soziales am kommenden Montag um 14.30 Uhr in der Gewerblichen Schule in Ehingen. Diese hat, ganz im Sinne der Seiffert’schen Arbeitsdisziplin, nochmals eine stramme Tagesordnung: schulpsychologische Beratungsstelle, Schmiechtalschule und -kindergarten, berufliche Schulen des Alb-Donau-Kreises, Energiekonzept an der Gewerblichen Schule Ehingen, Baubeschluss für die Außensanierung von Werkstattgebäude C, Einrichtung einer Vorbereitungsklasse Arbeit und Beruf sowie Berichte zum Suchthilfekonzept für Stadt Ulm und Kreis und zur Wohnraumsicherung im Alb-Donau-Kreis. Außerdem entscheidet der Ausschuss über einen Zuschuss für die Beratung von Frauen bei häuslicher Gewalt. Für Seiffert nochmals volles Programm, ehe er dann mit dem 1. Oktober zum Pensionär wird und vermutlich mit Einkaufskorb auf dem Samstagsmarkt in Ehingen anzutreffen ist.

Ein Kommentar von Matthias Stelzer: Ein echter Landrat

Es war kein leises Servus mit Streichquartett.  Heinz Seiffert verabschiedete sich am Freitagabend in seiner Heimatstadt Ehingen so vom Landratsamt, wie er es gelebt hat. Bodenständig, mit Blasmusik und einer ordentlichen Prise schwäbischer Bescheidenheit: Ein bisschen Lob schadet nicht, aber wenigsten etwas unangenehm sollte es dem derart Gepriesenen dann sein.

Dabei hat Heinz Seiffert keinen Grund zu Understatement. Im Vergleich zu seinen Vorgängern Wilhelm Bühler und Wolfgang Schürle mit elf Jahren relativ kurz im Amt, hat er den gut 190 000 Kreisbewohnern einen großen Dienst erwiesen. Der als ehemaliger CDU-Bundestagsabgeordneter politisch erprobte Konservative hat die Kreispolitik aus ihrem Gefängnis, der Ulmer Verwaltungszentrale in der Schillerstraße, befreit.

Seiffert war ein Landrat zum Anfassen und Ansprechen. Lieber in Loden als in Baldessarini gekleidet tat er das, was im von ihm 2006 initierten Kreismarsch besungen wird. Von der Alb herab bis zur Donau, von der Lauter bis zur Nau bereiste er viele der insgesamt 295 Städte, Dörfer und Weiler des Kreises. Um Leute zu treffen, Landschaft zu atmen.

Der dritte Alb-Donau-Landrat seit der Kommunalreform 1973 redete nicht nur vom ländlichen Raum, er lebte ihn. Als Blasmusiker, ehemaliger Kicker und zuletzt leidender VfB-Fan war Seiffert, der für erstaunlich viele nur der Heinz ist, bei keiner Hockete und in keinem Festzelt falsch.

Allerdings würde man Seiffert Unrecht tun, ihn auf diese Popularität zu reduzieren. Er war mehr für den Kreis: ein machtbewusster Verwalter, ein finanzpolitisch gewiefter und verlässlicher Sparfuchs, ein durch sein Engagement bei den Oberschwäbischen Elektrizitätswerken (OEW) profunder Kenner des Energiemarktes. Vor allem aber ein nur selten konfliktscheuer Vorsitzender des Kreistags. Heinz Seiffert hat sich dem politische Diskurs im Rat  gestellt. Mal hintersinnig ironisch, dann freundlich polternd und zuweilen widerwillig knorrig.

Ein „komisches Gefühl“ gab der Scheidende nun am Freitag zu, kämpfte beinahe erfolgreich gegen seine Rührung und beklagte, in den letzten Tagen sei um ihn herum „ein bisschen viel Weihrauch“ verbreitet worden. Dann ist es wohl spätestens jetzt genug. Deshalb nur noch eins: Danke! Für den Dienst an der kommunalen Demokratie.