"Im nächsten Jahr kommen drei bis vier Jugendliche aus der Schule, die sich bei der dritten Ausbildungsmesse für einen Lehrplatz interessiert und in den Ferien bei uns bereits als Praktikanten gearbeitet haben", sagten am Freitag die Ausbilder bei der Firma Hahl Filaments GmbH in Munderkingen, Harald Kiem und Wolfgang Ziegler. Ihr Unternehmen setze mit dem Stand beim vierten regionalen Ausbildungstag in der Munderkinger Donauhalle langfristig auf Erfolg. Die meisten Bürger meinten immer noch, Hahl sei eine Bürstenfabrik und wüssten nicht, dass hier nur Fasern produziert werden und es einen eigenen Maschinen- und Anlagenbau gibt. Hahl nutzt die Messe, um die angehenden Schulabgänger über Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren und langfristig alle zehn bis zwölf Ausbildungsplätze für Mechaniker in der Zerspanung und in der Elektronik sowie in der Verwaltung besetzen und die eigenen Fachkräfte heranbilden zu können. Damit die Schüler sich rundum informieren konnten, hatten sie die Azubis Tatjana Linka aus Dächingen (Industriekauffrau im ersten Ausbildungsjahr) mit am Stand sowie die beiden Industriemechaniker in den ersten beiden Ausbildungsjahren Marcel Haas aus Rechtenstein und Sebastian Kocis aus Rottenacker.

Eigene Fachkräfte heranzubilden motivierte auch die anderen 41 Aussteller, von denen sich am Freitag die meisten schon zum vierten Mal an der von der Stadt und Waldemar Schalt organisierten regionalen "Berufsbörse" beteiligt haben.

"Es ist für uns auch die Gelegenheit mit den Lehrern im Schulzentrum und an der Berufsschule gute Kontakte aufzubauen", sagte Stephanie Steinwender aus der Personalabteilung der Spedition Stöhr. "Hier kommen die vorzüglich vorbereiteten Schüler erwartungsvoll rein", ergänzt sie und fügt stolz an: "Wir sind an der Berufsschule in Ehingen der größte Betrieb mit Berufskraftfahrer-Azubis". 15 Ausbildungsplätze hat die Spedition mit 230 Mitarbeitern inklusive der Logistikverwaltung anzubieten.

Dass bei der Ausbildungsmesse bei den Schülern auch die Hemmschwelle zum Beruf und den Ansprechpartnern in den Firmen abgebaut werden kann, weil die Lehrer und nachmittags auch die Eltern dabei sind, betonten nicht nur die Rektoren der Schulen, Andreas Lachmair, Jutta Braisch und Hellmut Hummel, sondern auch Jörg Frey am Messestand der Polizei in der Aula neben der Vertretung der Bundeswehr, der AOK und anderen Institutionen.

"80 Prozent der Entscheidungen der Schüler werden von den Eltern beeinflusst", sagten Lachmair und der geschäftsführende Schulleiter der Berufsschulen, Oberstudiendirektor Werner Glocker, bei einer Pressekonferenz, an der auch der Christdemokrat Christian Wittlinger aus Beimerstetten teilnahm, der sich wie Manuel Hagel aus Ehingen für die Nachfolge des Amtes des Landtagsabgeordneten Karl Traub aus Hausen am Bussen bewirbt. Betont wurden in der Runde mit Bürgermeister Dr. Michael Lohner auch die Vorteile des Dualen Systems, und dass die Jugend bei der Berufswahl und bei der Wahl der weiterführenden Schulen auch in der Region bleibt. Deshalb sei "ein Vorteil der Messe, dass hier die Region auf einer Etage im Beisein von Lehrern und Eltern alles zeigen kann, was es für Möglichkeiten gibt. Große Betriebe wie Boehringer in Biberach finden ihre Leute auch so", warf Bürgermeister Karl Hauler aus Rottenacker ein.

Mit der nächsten Pausenklingel schwappte derweil eine neue Flut von Schülern in die Donauhalle, wo Herbert Laux vom Bauunternehmen Grab in Munderkingen und Martin Renz vom Ausbildungszentrum Bau (Geislingen) die Berufe in der "Traumfabrik" vorstellten. Wenn sich niemand für den Bau entscheiden würde, wer könnte sonst die Träume vom eigenen Häusle in Oberschwaben verwirklichen, war ihr Argument. Mit "wir schleifen Diamanten", warb der Rottenacker "Holzhandel" (ZEG) und meinte damit seine Fachkräfte in den Feldern Berufskraftfahrer, Lagerlogistik und Kaufleute.

Nebenan kratzte Roman Hepting, Auszubildender im dritten Lehrjahr im Gipser- und Stuckateurgeschäft Gross, an einem dreidimensionalen Firmenlogo. Zimmermeister Georg Frankenhauser aus Emerkingen zeigte, dass sein seit dem 16. Jahrhundert bestehender Handwerksbetrieb mit der Zeit geht und er sich neben dem Dachbau auch auf energetische Sanierungen und Hausbau spezialisiert hat. Zwei bis drei Azubis hätten bei ihm einen Platz. Es lohnte sich also sich umzusehen, auch wenn Marcel aus der achten Klasse der Werkrealschule von einem Rundgang durch die Halle und die Info-Busse wenig hielt, weil er schon wusste, dass er einmal Kunststoff-Former bei Etimex in Rottenacker werden will.