Wald Motorsägen kreischen auf der Grießtalstraße

Weilersteußlingen / Bernhard Raidt 30.12.2017
Die Verbindungsstraße zu den Lutherischen Bergen ist gesperrt. Bäume werden entlang der wichtigen Route gefällt. Viele davon sind krank.

Motorsägen kreischen derzeit entlang der Route, die von der Bundesstraße hoch zu den Lutherischen Bergen führt. Die Grießtalstraße, so ihr Name, sieht derzeit mehr nach Waldweg als nach Autofahrbahn aus. Rund elf Hektar Wald werden durchforstet. Entlang der Fahrbahn ist davon ein rund 30 Meter langer Streifen betroffen – aber nur auf der rechten Seite, bergaufwärts gesehen. Denn dies ist Gemeindewald, auf der linken Seite ist der Wald dagegen in Staatsbesitz. Beide Seiten gleichzeitig zu bearbeiten wäre zu aufwendig gewesen, sagt Förster Werner Bierer. Dann seien zu viele Forst-Fahrzeuge auf der Straße, die Zeit hätte nicht ausgereicht. Denn die Straße muss für die Forstarbeiten voll gesperrt werden – und das geht nur in Ferienzeiten, wenn der Schulbus nicht fährt. Bis zum 7. Januar ist die Route jetzt noch geschlossen.

Gefahr für Autofahrer

Für die Forstfachleute bedeutet die Tätigkeit an den steilen Hängen Schwerstarbeit. Vor allem, seit es geschneit hat. „Ohne Steig­eisen geht gar nichts“; sagt Richard Meßlang, Chef einer Forst­arbeitsfirma aus Aichstetten (Kreis Ravensburg), während er sich in einer Arbeitspause den Schweiß von der Stirn wischt. Fünf Forstarbeiter der Firma Meßlang fällen die Bäume, eine weitere Firma ist mit zwei Rückern am Werk – sie stapeln mit großen Maschinen das Holz zur Abholung oder zur Weiterverarbeitung. Denn auch eine Häckselmaschine fährt vor, um aus dem Restholz Hackschnitzel zu machen. Es sind ansonsten hauptsächlich Buchen und Eschen, die gefällt werden. Wie notwendig die Arbeiten sind, zeigt sich, wenn die Bäume am Boden liegen. Etliche von ihnen haben einen morschen Kern. Sie wären womöglich bei einem Sturm umgefallen – und hätten eine Gefahr für die Autofahrer bedeutet. „Es sind schon überdurchschnittlich viele Bäume in einem schlechten Zustand“, sagt Fachmann Meßlang. Das könnte an der Hanglage liegen. Oder es handle sich um eine Erstaufforstung – wenn die Fläche zuvor Wiese war, ist der Boden zu sauer für die Baumwurzeln.

Holz kommt zu Sappi

Doch noch eine weiteres Problem zeigt sich entlang der Grießtalstraße: Viele der Eschen sind vom Triebsterben befallen, auch sie müssen entfernt werden. Seit Mittwoch sind die Forstarbeiter auf der Straße am Werk. 300 bis 400 Festmeter Holz sind bis Freitag schon geerntet worden. 800 bis 1000 Festmeter sollen es am Ende sein. Das Industrieholz wird zu Sappi nach Ehingen transportiert, das Buchenstammholz holt sich ein Sägewerk.

Sorgfältig vorbereitet

Überraschungen habe es bislang noch keine gegeben, sagt Förster Bierer – die Aktion sei auch sehr sorgfältig vorbereitet worden. Bereits im Sommer haben Bierer und Thomas Herrmann vom Fachdienst Forst des Landratsamtes den Allmendinger Bürgermeister und die Räte über die Arbeiten im Gemeindewald informiert.

Allerdings sei der Schnee bei den Arbeiten jetzt richtig hinderlich, sagt Bierer. Der Schnee mache die Tätigkeit für die Forstarbeiter schwierig und gefährlich, und angesichts der Glätte auf der Straße sei das Rangieren für die Fahrzeuge schwierig.

Kein Kahlschlag

Dass viele Bäume entlang der Straße gefällt werden, ergibt zunächst ein ganz neues Erscheinungsbild. „Es ist aber kein Kahlschlag“, betont Förster Bierer. „Es wird lediglich das Altholz geerntet.“ Diese Arbeiten seien aus Sicherheitsgründen einfach notwendig. Doch unter den alten Bäumen befinde sich schon die nächste Generation. Sie werde bald wieder für Grün entlang der Straße zu den Lutherischen Bergen sorgen.

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Forstarbeiter fällen die Bäume entlang der Grießtalstraße. Straße und Radweg bleiben vom Weißen Kreuz bis zur Abzweigung Ennahofen/Weilersteußlingen bis zum 7. Januar 2018 gesperrt.

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