Handwerk Mosterei: Eine Tradition lebt in Öpfingen weiter

Öpfingen / Renate Emmenlauer 06.09.2018
Für acht Wochen im Jahr wird die Schlosserei Rudolf in Öpfingen zur Mosterei. Schon die Vorfahren haben dort Äpfel zu Saft und Most gemacht.

Jeden Freitag und Samstag und unter der Woche abends ist die Öpfinger Brunnengasse derzeit zugeparkt. Autos mit Anhängern, voll mit Äpfeln beladen, stehen Schlange. „Die Apfelernte hat dieses Jahr mindestens vier Wochen früher angefangen“, sagt Hermann Rudolf.

Der heute 60-Jährige hat die Mosterei von seinem Vater übernommen, der ebenfalls Hermann hieß. Die Anfänge des althergebrachten Handwerks gehen bis zum Ururgroßvater zurück. Allerdings nicht von den Rudolf’schen Ahnen, sondern aus der Linie mütterlicherseits von Oma Sofie Lechner. Schon damals wurde die Mosterei parallel zur Schlosserei betrieben. „Für uns ist das eine schöne Familientradition. Das Zusammenschaffen macht uns Freude“, sagt Tochter Melanie Rudolf. Auch, wenn es manchmal ganz schön stressig sei, wenn die Kunden 100 Kilo Äpfel zum Pressen angemeldet haben und dann das dreifache an Obst bringen.

Bis zu acht Wochen wird bei Rudolfs gemostet. „In dieser Zeit steht jeder aus unserer Familie zum Helfen parat. Reich wird man nicht, aber Tradition ist Tradition. Die Leute zählen auf unsere Mosterei“, betont Mama Renate. Zum Arbeitstrupp gehören außer Ehemann Hermann und Tochter Melanie die Söhne Christian und Daniel und weitere Verwandte.

Mit den Jahren hat sich die Mosterei Rudolf von den einstigen Gerätschaften des Ururgroßvaters zum modernen Betrieb gewandelt. Was der Familie wichtig ist: „Jeder erhält den Saft aus seinen eigenen Äpfeln.“ Das schätzt auch Anton Schmid aus Altbierlingen. Er hat mit Sohn Elmar und Enkelin Ella schon zehn Zentner Äpfel aus seinem riesigen Baumgarten geerntet. Dieser Tage haben sie den Apfelberg in der Öpfinger Brunnengasse abgegeben, und kaum eine halbe Stunde später konnte das Trio die eigenen Äpfel in Form von Apfelsaft mitnehmen,  abgepackt als Tetrapaks und in den Kofferraum gestapelt.

„Pro Zentner gibt es etwa 30 Liter. Bei der Menge Äpfel, die wir immer bringen, reicht uns der Apfelsaft das ganze Jahr über“, berichtet Anton Schmid. Aber hält der frisch gepresste Saft auch so lange oder kippt er um – zumal keinerlei Konservierungsstoffe verwendet werden? Melanie Rudolf ist durch ihre Mithilfe bei den Eltern von Kindesbeinen an längst zur Expertin geworden. Sie erläutert den Vorgang vom bloßen Apfel zum Apfelsaft: Erst werden die Äpfel gewogen, dann peinlich sauber gewaschen, danach gehäckselt und gepresst. Der Saft läuft in große Zuber, die dann zur Abfüllstation gegenüber gebracht werden. Dort wird der Saft auf 78 Grad erwärmt, was ihn haltbar macht, und in Tetrapaks gefüllt, je nach Wunsch sind es fünf oder zehn Liter.

Erst am Abend wird es ruhig

Während der Hochphase der Apfelernte wird es erst am Abend in der Mosterei etwas ruhiger und die Schaffer gönnen sich selbst mal ein Gläschen des frischen Apfelsafts. Und freuen sich, das althergebrachte Handwerk aus längst vergangenen Zeiten der Familie weiterleben zu lassen.

Lieber Apfelsaft als Most

Wandel Der Konsum von alkoholhaltigem Most hat sich gegenüber dem alkoholfreien Apfelsaft über die Jahre erheblich reduziert. Der Most war früher das übliche Getränk zum Essen, da er als wichtiger Teil der Ernährung galt. Es gab sogar einen Mostheiligen, den Hl. Sebastian.

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