Gedenken Modell des gemeinsamen Wirtschaftens

Ehingen / CHRISTINA KIRSCH 21.07.2018

Fritz Lehmann ist ein gewitzter Redner, der in seinen Ansprachen gerne mal eine kleine Pointe versteckt. So geschah das auch in einer Feierstunde in der Konviktskirche zu Ehren des Gründervaters der Genossenschaftsbanken. Vor 200 Jahren wurde der Sozialreformer und Kommunalbeamte Friedrich Wilhelm Raiffeisen geboren. Dessen Idee von Genossenschaften  zum Wohle aller Mitglieder wurde 2016 in die Liste der immateriellen Kulturerbe aufgenommen.

Das verkündete der Vorstandsvorsitzende der Raiba Ehingen-Hochsträß nicht ohne Stolz und fügte hinzu: „Das wird der Deutschen Bank nicht gelingen“. Ein Schmunzeln ging dabei durch die Reihen der Besucher in der Kirche. Lehmann legte das Prinzip der Raiffeisen-Idee dar. „Zeitlos und zeitgemäß“ habe der Gründervater es verstanden, die Ziele einer sozialen Marktwirtschaft zu verfolgen. Vom Wachstum sollten nicht nur einige, sondern viele Menschen profitieren. „Dem Shareholder Value steht bei uns das Member Value gegenüber“, sagte Lehmann. Weltweit gebe es eine Milliarde Mitglieder in Genossenschaften. Jüngste Kinder sind vielleicht die Energiegenossenschaften.

Lehmann bedankte sich in der Feierstunde, die den Titel „Denkanstöße“ trug, bei Ulrike Krezdorn und Susanne Richter, die den religiös geprägten Raiffeisen im Kontext des christlichen Denkens beleuchtet hatten. Ulrike Krezdorn verwies unter anderem auf die vielen Handwerker in den Deckengemälden der Kirche. Dort ist nicht nur der Zimmermann Josef dargestellt, sondern auch der Heilige Benedikt, der für seinen Orden den Wahlspruch „Ora et labora“ prägte. Raiffeisen habe nach einem Jesuswort aus dem Matthäus-Evangelium gehandelt. „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“, heißt er dort.

Die Prinzipien von Solidarität und Subsidiarität seien auch heute noch große Schlagworte, meinte Ulrike Krezdorn. Raiffeisen habe erkannt, dass das Geben, ohne selber einen großen Nutzen davon zu haben, bereichernd und wertvoll sein kann.

Würde des Menschen wahren

Unter der Überschrift „Salz der Erde – Licht der Welt“ ging Pfarrerin Susanne Richter auf Raiffeisens Lebenswerk ein. Auch heute noch brächten Missstände die Menschen in unwürdige Situationen. „Wie gut, dass es auch heute noch Menschen gibt, die sich für andere engagieren“, sagte die Pfarrerin. „Wir müssen alle dazu beitragen, dass die Würde des Menschen gewahrt wird“. Die Rednerinnen überreichten Fritz Lehmann als Symbole für die Würze und das Licht des Lebens ein Päckchen Salz und Kerzen.

Das Flötenensemble der Musikschule Ehingen unter der Leitung von Andrea Linz umrahmte die Feierstunde mit mehrstimmigen Kompositionen aus mehreren Jahrhunderten. Danach eröffnete Fritz Lehmann die Wanderausstellung in der Bank. Er verwies darauf, dass Friedrich Wilhelm Raiffeisen am 11. März 1888 starb,  Kardinal Karl Lehmann am 11. März dieses Jahres verstarb. „Beide setzten sich sehr für die Ökumene ein“.

Bank ehrt ihre Mitglieder Nummern 11 110 bis 11 112

Auszeichnung Die Raiffeisenbank ehrte auch „besondere“ Jubiläumsmitglieder. Das 11 110. Mitglied ist Katrin Shen, das 11 111. Felix Haydt, für den sein Bruder Patrick das Geschenk entgegennahm. Als 11 112. Mitglied freute sich der kleine Luis über einen weichen „TeilhaBär“, wie sein Bruder Fynn. An den Feierstunden nahmen auch die ehemaligen Vorstände Albin Beck, Alfred Kloker, Alfred Mager, Georg Maucher und Karl Ruf teil. kir

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