Kunst Kunstausstellung in der Galerie Schrade

Gleich drei Ausstellungseröffnungen gab es am Sonntagvormittag in der Galerie Schrade in Mochental. Hier Bodo Korsigs Maschinenteile, die eine Rauminstallation im Hubertussaal bilden.
Gleich drei Ausstellungseröffnungen gab es am Sonntagvormittag in der Galerie Schrade in Mochental. Hier Bodo Korsigs Maschinenteile, die eine Rauminstallation im Hubertussaal bilden. © Foto: Hagenmeyer
Mochental / Anne Hagenmeyer 12.06.2018
In der Galerie Schrade in Mochental sind seit Sonntag drei Kunstausstellungen zu sehen.

Wenn Ewald Schrade von einer Sache überzeugt ist, dann gestaltet er den Hubertussaal auch mal zur Spielwiese um. Und verzichtet auf den Verkaufsraum dort. Von Bodo Korsig ist Schrade überzeugt. Dessen Werke hatte er schon 1992 zum ersten Mal gezeigt. Damals war der in Zwickau geborene Künstler noch ziemlich unbekannt. Heute spielt Korsig in der internationalen Liga und arbeitet immer wieder an dem Thema Erinnerung. Und zwar unter einem neurowissenschaftlichen Aspekt: „Was geschieht im Gehirn mit traumatischen Erfahrungen? Welche Spuren hinterlassen Angstzustände, was passiert, wenn wir alles vergessen? Innerhalb dieses Fragenspektrums formt Korsig organische Strukturen, die er aus Metallplatten ausschneidet und mit einem kleinen Abstand zur Wand präsentiert. Diese „Scherenschnitte“ projizieren nun Schatten auf die Wand, sind also sowohl real als auch als spurengebende Fläche auf der Wand sichtbar. Dazu gehören auch Korsigs synapsenartigen Netze aus Filz, die lose an zwei Nägeln an der Wand hängen: „Windows oft he mind“ heißen die Exponate.

Im Hubertussaal hat Korsig über die ganze Fläche Papierfragmente mechanischer Bauteilen ausgelegt. Dort liegen sie wie archäologische Fundstücke. Der Kommentar des Künstlers: „Zu Beginn der industriellen Revolution hatten die Menschen Angst, dass Maschinen ihnen die Arbeit wegnehmen könnten, dass Maschinen sie beherrschen könnten.“ Korsig fragt sich nun, ob wir heute nicht an genau demselben Punkt stehen. Nur, dass aus der Mechanik Elektronik geworden sei?

In der Nikolauskapelle hingegen geht es mit den beiden Künstlern Menno Fahl und Bernd Schwarting heiterer zu. Ausgehend von einer einfachen mit dem Finger getupften Blütenform lässt Bernd Schwarting eine Art Wachstum auf seinen Bildern zu, das den Malgrund verlässt und immer mehr an Farbe schluckt.

Wachstum wie in der Natur

So wachsen Reliefs aus Ölfarben in leuchtenden Farben über die Rahmen hinaus und erinnern an das Juni-Wachstum in der Natur draußen. Dazwischen stehen Menno Fahls Plastiken aus Fundstücken, die der Künstler durch einen Farbauftrag so verbindet, dass die Einzelteile nicht mehr ihrer Herkunft zugeordnet werden können. Im selben  grau-farbigen-Farbspektrum sind auch seine Bilder gehalten. Fahl geht mit großer Ernsthaftigkeit der Frage nach: Wieviel Farbe darf eine Plastik in sich tragen? In Mochental bilden Plastiken und Bilder einen sichtbaren Dialog – und den nicht ohne ein Augenzwinkern.

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