Munderkingen / INGEBORG BURKHARDT  Uhr
Mit wenigen, leicht zu beschaffenden Materialien einen Generator bauen, diesen im Fluss zu Wasser lassen und mit der Strömung Strom erzeugen. "e.Ray" heißt das Pilotprojekt, das in Munderkingen im Probelauf ist.

Ein mobiler Steg liegt seit Monaten mal am Ufer der Donau unter dem Wohnhaus und den Gewerbeflächen von Dr. Ingo Warwas oder, wie jetzt, im Fluss. Am Ende des Auslegers ist ein Gerät angedockt, das aussieht wie ein umgebautes Boot. Auf einem Baum wurde eine Art Baumhaus eingerichtet. Spaziergänger im Ried rätseln seit Wochen, was es mit der ungewöhnlichen Plattform im Wasser und mit der hölzernen Kabine in den Geästen wohl auf sich hat.

Der Geschäftsführer der "e.Ray Europa GmbH Darmstadt", Sebastian Lemke, der aus Laupheim kommt und immer wieder vor Ort ist, kann es erklären: "Es ist eine mobile Turbine zur Stromerzeugung, ein Pilotprojekt. Es wurde mit Holz- und Metallteilen konzipiert, so dass es auch in der Dritten Welt unter einfachsten Umständen gebaut und in Flüssen eingesetzt werden könnte.

Etwa zwei Kilowatt könne die mobile Turbine erzeugen und so einige Haushalte mit Energie versorgen. Lemke hat den 2,4 Meter breiten und etwa fünf Meter langen Prototyp mit vier Freunden und Kollegen im Rahmen eines Forschungsprojektes aus dem Bachelor-Studium an der Technischen Universität in Darmstadt entwickelt, mit den Maschinenbauingenieuren Manuel Schuhbauer aus Laupheim und Michael Marquardt aus Bremen, dem Elektroingenieur Kedar Kolte aus Indien sowie dem Maschinenbauer Fabian Suarez aus Kolumbien. Die wasserrechtliche Genehmigung für eine Turbine an der Donau, die ursprünglich ein Münchner Unternehmen bauen wollte, hatte der Grundstückseigentümer schon seit Jahren. Während diese einen Tiefgang von mehr als zwei Metern benötigt hätte, reichen dem Energiesteg von "e.Ray" 80 Zentimeter aus, erklärt der Geschäftsführer. Nach nach Vorlage des Planes ihres Modellprojektes habe das Landratsamt die wasserrechtliche Genehmigung bestätigt. Naturschutzbehörde und Fischereiverein seien in das Verfahren eingebunden worden. Auch für die Kanufahrer habe die Behörde keine Behinderung gesehen, da genügend Platz zum Vorbeipaddeln sei.

Bis der Probelauf des Energiestegs "e.Ray" jetzt in die Endphase gehen konnte, ging eine intensive mehrjährige Phase der Planung und Testreihen im Versuchskanal in Darmstadt und im Labor voraus. Inzwischen hat das Team die "e.Ray GmbH" in Darmstadt gegründet und die Anlage, mit der das Team zwei Preise für die innovative Idee gewonnen hat, als Patent angemeldet. Gefördert wurde ihre Arbeit bisher mit rund 90 000 Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds sowie dem Ministerium für Wirtschaft und Energie, erklärt Lemke.

Stolz weist er darauf hin, dass der Energiesteg auch als Bootsanleger, Sonnendeck oder Angelplatz genutzt werden kann. In erster Linie aber mache er den Besitzer unabhängig von externer Stromversorgung und sei damit ein Beitrag zum Klimaschutz. Der Fluss höre nicht auf zu fließen, die Sonne hingegen habe im Winter, wenn am meisten Strom benötigt wird, meistens Pause, sagt der 30-Jährige.

Die Probephase der Anlage laufe noch zwei Jahre. In dieser Zeit solle diese auf ihre ökologischen Auswirkungen untersucht und weiter optimiert werden. Lemke sieht mit diesem Projekt eine gute Alternative zu klassischen Staudämmen, weil sie überall anwendbar ist.

Info Interessenten können sich gerne per E-Mail an info@e-ray.org nach dem Projekt erkundigen. Die Homepage ist derzeit in Arbeit und wird im Februar 2016 aktualisiert.