Kreismusikfest Männerchor: Mit Zigarre und Krawattennadel

Kirchen / Christina Kirsch 06.06.2018
Ein Männerchor ist die Attraktion bei den Umzugswagen am Sonntag in Kirchen. Mitglieder des Liederkranzes haben sich den pfiffigen Chor ausgedacht.

Männer sind einfacher“, sagt Heidi Huber. Sie meint damit nicht die Sänger ihres Liederkranzes, dem sie vorsteht, sondern die Männer, die beim Kreismusikfest auf dem Umzugswagen mitfahren. Die Herren erregen in Kirchen schon seit Wochen einiges Aufsehen. „Wenn die bei uns im Hof auf dem Wagen stehen, muss jeder gucken, der vorbei kommt“, sagt sie. „Ein Nachbar hat sogar geklingelt, weil er aus der Entfernung meinte, die Herren seien echt“, amüsiert sich Heidi Huber.

Heidi und Norbert Huber haben sich für den Festwagen beim Kreismusikfest etwas ganz Besonderes ausgedacht. „Wir haben schon im Winter angefangen, Köpfe zu formen“, erzählen sie. Erst haben sie über einem Luftballon ein Gesicht geformt, „aber das war alles zu lapprig“. Dann formten sich aus geknülltem Zeitungspapier und Klebeband einen Kopf, dessen Gesicht sie mit Ton einen Charakter gaben. Die Idee war, einen Chor zu gestalten, der beim Umzug auf dem Wagen mitfahren und den Liederkranz repräsentieren sollte. Sie hätten auch Frauengesichter ausprobiert, „aber dann sind es doch immer Männer geworden“, lachen die beiden, die nie wirkliche Personen nachbilden wollten. Und doch ähnelt der eine oder andere Kopf tatsächlichen Personen.

Als die ersten Figuren beim Chorfestival in Kirchen zur Dekoration vor der Bühne standen, hat jeder, der hereinkam, gesagt, „das ist doch der Ströbele“, berichtet Heidi Huber. Die Puppe sieht dem langjährigen Chorleiter so ähnlich, dass sich Ehefrau Hildegard Ströbele ihren Mann in Kleinformat gleich reserviert hat. Sie möchte das Konterfei en miniature unbedingt im Haus haben.

Die Puppen sind aber nur deshalb so ausdrucksstark, weil Bernadette Traub aus Deppenhausen sie stilecht angezogen hat. Ein kleiner Nähkreis hatte Spaß daran, den Typen die passenden Hemden und Hosen zu verpassen. „Dabei haben wir nur Stoffe verwendet, die schon einmal getragen wurden“, berichtet Bernadette Traub. Von Norbert Huber wurde ein altes Polizeihemd zerschnitten und zu einem hellblauen Oberhemd umgenäht. Nachbarn trugen Accessoires wie Krawatten und Knöpfe zusammen. Von Helga Mayers Großonkel stammen die alten Hosenträger, die einige der Herren tragen. Mit unglaublich viel Liebe zum Detail wurden die Herren der Schöpfung ausgestattet. Einer trägt einen Strickpullunder, ein anderer hat eine Zigarre zwischen die Finger geklemmt. Die meisten tragen ihre Anstecknadeln und Auszeichnungen am Revers. Dafür opferte Norbert Huber seine Blutspender- und Sportvereins-Ehrennadeln. Irgendwo ließ sich auch eine Krawattennadel auftreiben, die eine alte Krawatte schmückt. Sogar die Ohrstecker, die einer trägt, sind echt. „Es war wichtig, auf jedes Detail zu achten, weil das sonst nicht wirkt“, weiß Bernadette Traub. Man sieht die Hose mit der Klappentasche zwar nicht unbedingt, aber sie trägt zum Gesamtbild bei.

Bei der Konstruktion des Innenlebens der Puppen halfen die Rentner Franz Fiesel und Karl Gräter tatkräftig mit. Gemeinsam schreinerte man in der Werkstatt von Norbert Huber Holzbeine und Arme. „Bei der ersten Figur waren die Arme noch starr“, berichtet Norbert Huber. „Aber das gab zu wenig Ausdruck“. Jetzt kann die Puppe Ströbele sogar dirigieren und der mit der Zigarre stilecht paffen.

Insgesamt 15 Sänger-Puppen schmücken den Wagen. Man entdeckt stockkonservativ wirkende ältere Herren, gemütliche Rentner, einen offensichtlich weit gereisten Seemann und Oberlehrertypen. „Da musste dann aber noch ein Freigeist dazu“, sagt Heidi Huber. Der trägt das Hemd offen und pfeift auf die Etikette. Allen Beteiligten hat das Werkeln, Schreinern und Nähen großen Spaß gemacht. Bleibt noch die Frage, was mit den Herren der Schöpfung nach dem Kreismusikfest passieren soll. „Um sie in eine Kiste zu packen, sind sie zu schade“, sagen die Puppenmacher. „Vielleicht können wir sie verkaufen“. Das dürfte dann im Umkreis so ziemlich der einzige Chor sein, der käuflich ist.

Info Der Festumzug in Kirchen startet am Sonntag um 14 Uhr nach dem Gesamtchor. Der Sängerwagen des Liederkranzes hat die Nummer 47.

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