Tradition 125 Jahre Allmendinger Albverein

Ehingen / Julia-Maria Bammes 14.04.2018

Der Zusammenhalt zwischen den Generationen ist hervorragend“, sagt Karl-Heinz Juchems, Vertrauensmann der Ortsgruppe Allmendingen des Schwäbischen Albvereins. Dennoch trifft auf den Verein mit seinen 180 Mitgliedern zu, was in den vergangenen Jahren für viele Vereine ein Thema war: Die Zahl der jüngeren Mitglieder ist niedrig. „Viele kommen wieder, wenn sie selbst Kinder haben“, sagt Juchems.

Sehr aktiv sind die Senioren des Vereins: Jeden Dienstag steht eine Wanderung auf dem Programm, im Schnitt seien jedes Mal 25 Teilnehmer dabei, sagt Kassiererin Edith Söll. Manche der Wanderer seien älter als 80 und 90 Jahre. Im Anschluss an die Touren wird im Vereinsheim eingekehrt. Der Albverein übernimmt hier eine Rolle, die einst die Dorfwirtschaften inne hatten.

Ein- bis zweimal im Monat bietet der Albverein Wanderungen an, im Terminkalender stehen auch Fahrten zum Deutschen Wandertag oder zum Landesfest des Albvereins. Fünf ausgebildete Wanderführer sind im Einsatz.

Ein recht elitärer Kreis

Der Allmendinger Albverein wurde vor nunmehr 125 Jahren, im Frühjahr 1893, gegründet. Verantwortlich dafür war ein recht elitärer Kreis, hat Walter Kneer herausgefunden, der anlässlich des Jubiläums eine knapp 30 Seiten starke Vereinschronik verfasst hat. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten etwa Baron Ernst von Freyberg, der örtliche Pfarrer sowie Anton Frey, Direktor der Stuttgarter Zementfabrik, und Clemens Burger, der Direktor der Zementfabrik Schwenk.

Dass beide Direktoren als Gründungsmitglieder vertreten waren, sei erstaunlich, sagt Kneer. Zwischen den beiden Fabriken herrschte ein Konkurrenzkampf, unter anderem um Wasserrechte.

Erster Vertrauensmann, also Vorsitzender des Allmendinger Albvereins, wurde Fabrikdirektor Anton Frey. Er blieb es, wegen eines Todesfalles in seiner Familie, allerdings nur für kurze Zeit. Freys Nachfolger, Rupert Kniele, war Wundarzt und Geburtshelfer. Er war von 1893 bis 1908 Vertrauensmann. Kniele ist dahingehend interessant, dass er als enger Vertrauter des Pfarrers Martin Schleyer gilt, sagt Kneer. Schleyer entwickelte 1880 die Kunstsprache Volapük, auch Kniele engagierte sich für diese aus verschiedenen europäischen Sprachen geschaffene Sprache.

Die Liste der Vertrauensmänner, die in den folgenden Jahrzehnten folgten, ist lang. Vorsitzender war unter anderem ein Lehrer – Boifazius Weber –, außerdem einige Männer, die alle bei der Bahn beschäftigt waren. So etwa den Reichsbahnobersekretär Karl Köpf, der nach der Verhaftung des Bürgermeisters Paul Pfinder durch die Gestapo im Jahr 1934 selbst kurzzeitig Bürgermeister wurde. Als Köpf Unterschlagung vorgeworfen wurde, zog dieser den Suizid vor.

Binnen kurzer Zeit 100 Mitglieder

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war der Albverein zunächst verboten. Nach der Wiedergründung war der erste Vertrauensmann der Amtsbote Hubert Kopp. Äußerst wichtig für den Aufbau des Vereins sei dann in den 1950er Jahren Ernst von Freyberg gewesen (Vertrauensmann von 1953 bis 1975). Binnen kurzer Zeit sei die Zahl der Mitglieder auf 100 gestiegen „Er hat wirklich was bewegt“, sagt Kneer. Unter von Freyberg und auf die Initiative des damaligen Bürgermeisters Paul Pfinder hin veranstaltete der Albverein ein Wandertreffen auf der Lichse, das schnell zum beliebten Volksfest avancierte. Ernst von Freyberg wurde für seine Verdienste zum Ehren-Vertrauensmann ernannt – der erste und bislang einzige der Albvereins-Ortsgruppe.

Vereinsheim brennt aus

Bis in die 1980er Jahre hatte der Allmendinger Albverein kein eigenes Vereinsheim. Da die örtlichen Schützen nach einem Umzug ins neue Schützenhaus ihre alte Baracke nicht mehr benötigten, gab es Platz für den Albverein. Die Baracke wurde an die Straße An der Weide umgesetzt, der Albverein teilte sich das Heim mit der katholischen Jugend.

Ein schwerer Schlag war der Brand, der am 19. Juli 2009 das Vereinsheim zerstörte. Es musste schließlich abgerissen werden. Dem Brand fielen auch viele Dokumente und Unterlagen zum Opfer. Das Vereinsheim wurde neu aufgebaut und 2012 eingeweiht. Heute teilt es sich der Albverein mit dem Allmendinger DRK.

Eine Besonderheit des Allmendinger Albvereins ist die Fahne, die 2011 geweiht wurde. „Wir sind die einzige Ortsgruppe, die eine Fahne besitzt“, sagt Karl-Heinz Juchems, auf dessen Initiative der Kauf der Fahne zurückgeht. Auch der Albverein brauche eine Fahne, ist Juchems’ Meinung. Mehr als die Hälfte der Kosten für die Anschaffung deckten Spenden – ein Beispiel dafür, wie stark der Verein verankert ist.

Großes Fest in der Halle

Auftakt Die Ortsgruppe Allmendingen des Schwäbischen Albvereins feiert ihr 125-jähriges Bestehen am Samstag und Sonntag, 21. und 22. April. Auftakt ist mit einem Festakt im Bürgerhaus (Samstag, 11 Uhr). Außer Grußworten ist ein Festvortrag geplant und es werden Vereinsmitglieder geehrt, sagt Gabi Fideler.

Rundgang Unter dem Motto „In 125 Minuten 500 Jahre Ortsgeschichte“ erläutert Walter Kneer bei einem heimatkundlichen Rundgang Besonderheiten und geschichtlich Interessantes (Samstag, 15.30 Uhr). Start der Führung ist am Rathausplatz, Ausklang
am Albvereinsheim.

Festsonntag Beginn ist um 10.30 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Turn- und Festhalle. Im Anschluss daran (11.30) findet ein Frühschoppen mit der Veteranenkapelle Allmendingen statt. Das Mittagessen (von 12 Uhr an) kommt aus der Schwenk-Kantine. Um 14.30 Uhr tritt die Volkstanzgruppe Weiler­steußlingen auf. Danach werden die Fahnenbänder an die Ortsgruppen des Donau-Bussen-Gaus ausgegeben, die zu Gast sind. Von 16 Uhr an spielen die Ehgnerländer. Nachmittags gibt es Kaffee und selbstgebackene Kuchen, abends Vesper.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel