Medizin Mit Hightech an der Wirbelsäule

Ehingen / SWP 07.04.2018
In der Chirurgischen Klinik in Ehingen gibt es seit rund einem Jahr ein hochspezialisiertes Verfahren  für Operationen.

Rückenschmerzen kennen sicher die meisten Erwachsenen. Oft sorgen Verspannungen, zu wenig Bewegung oder eine ungünstige Haltung bei Alltagsbewegungen für die lästigen Schmerzen. Je nach Ursache sorgen dann Wärme oder Kälte, Physiotherapie, Schmerzmittel und Bewegung für Besserung. Doch nicht immer ist es einfach – es gibt auch Verletzungen und Veränderungen an der Wirbelsäule, die eine Operation erforderlich machen. Wie die ADK GmbH für Gesundheit und Soziales als Träger der Kliniken jetzt mitteilt, ist mit Dr. Peter Stauch vor knapp zwei Jahren in der Chirurgischen Klinik Ehingen ein Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie, Spezielle Viszeralchirurgie und Orthopädie und Unfallchirurgie ins Team um Chefarzt  Prof. Dr. Michael Kramer dazugekommen, der in derart hochspezialisierten Wirbelsäulenoperationen in der Schweiz viel Erfahrung gesammelt hat und nach dem Aufbau eines entsprechenden Bereichs dieses Wissen nun seit rund einem Jahr auch hier einsetzt.

Frage man den Wirbelsäulenchirurgen nach seinem Schwerpunkt, so verweist er auf die Wichtigkeit, die Wirbelsäule in Balance zu bekommen. Zu Stauch kämen immer wieder Patienten, die einen langen Leidensweg hinter sich haben, schreibt die ADK GmbH in ihrer Pressemitteilung. Durch degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule neige sich ihr Rücken nach vorne. Zunächst könnten das Becken und die Knie das ausgleichen. Aber mit weiter fortschreitendem Prozess reiche die Kompensation nicht mehr aus. Starke Schmerzen im unteren Rücken und Gesäß seien die Folge. Die Patienten kippten immer weiter nach vorne.

Diesen Patienten sowie Unfallopfern mit Wirbelbrüchen oder Patienten, bei denen ein Tumor den Wirbelkörper zerstört, helfe Stauch mit so genannten Stabilisierungsoperationen, erklärt die ADK. Dabei werden ein oder mehrere Wirbelkörper durch Implantate unterstützt, um die Stabilität der Wirbelsäule wieder zu erreichen. Zum Einsatz kommt dabei eine OP-Methode, bei der die Stabilisierung eines Abschnitts der Lendenwirbelsäule operativ über einen seitlichen Zugang vorgenommen wird. Damit werde der in vielen Kliniken übliche aufwendigere Zugang zur Wirbelsäule durch den Bauch oder über den Rücken vermieden. Der seitliche Zugang sei ausgesprochen gewebeschonend – Muskeln und Bänder müssten dabei nicht durchtrennt werden.

Die Wirbelsäule wird durch eine spezielle Lagerung über einen 3 bis 4 cm langen Hautschnitt an der Flanke erreicht. Anders als beim Zugang über den Rücken muss der Spinalkanal nicht überwunden werden. Zudem biete das Verfahren als einziges ein auf dieses Verfahren abgestimmtes intraoperatives Neuromonitoring. Dieses zeigt dem Operateur mit einem einfachen Ampelsystem an, ob der gewählte Weg zur Wirbelsäule sicher ist, das heißt, dass die Nerven bestmöglich geschützt werden. Mit mehreren immer größer werdenden Hülsen und speziellen Instrumenten wird der operative Zugang immer weiter aufgedehnt, bis genügend Platz entstanden ist, um den beschädigten Wirbelkörper oder die beschädigte Bandscheibe zu entfernen und das Implantat anschließend einzubringen. Zusätzlich wird dieses mit eigenem Knochen des Patienten oder synthetischem Material verbunden, um eine noch bessere Stabilität im Genesungsprozess zu erreichen.

Implantate aus Titan

Eine Vielzahl an Variationen mache es möglich, das Implantat perfekt an unterschiedliche anatomische Voraussetzungen anzupassen. „Das ist einer der großen Vorteile an dem System, denn dadurch kann ich auch Stabilisierungen über mehrere Wirbel ohne Probleme durchführen und so die Wirbelsäule wieder in Balance bringen“, erklärt Stauch. Die Implantate bleiben dauerhaft im Körper – da sie aus Titan sind, würden sie vom Körper gut vertragen. Es könnten somit trotz der sehr kleinen operativen Zugänge vergleichsweise große Implantate eingebracht werden.

Die beschriebene Methode kommt nach Angaben der ADK bei entzündlichen Erkrankungen, schweren zerstörenden Wirbelbrüchen in der Lendenwirbelsäule oder aber bei degenerativen Veränderungen der Bandscheiben zum Einsatz, insgesamt also bei einer Instabilität der Lendenwirbelsäule. Gegenüber den Alternativverfahren profitierten die Patienten von einem geringeren Blutverlust, einem verkürzten Krankenhausaufenthalt und einer schnelleren Genesung. Patienten berichteten schon kurz nach dem Eingriff über eine deutliche Verbesserung ihrer Beschwerden.

Das Alb-Donau-Klinikum sei im weiten Umkreis das einzige Krankenhaus, das diese innovative Methode einsetzt, schreibt die ADK GmbH für Gesundheit und Soziales.