Berufsweg Mit Herzblut bei der VHS in Ehingen dabei

Keiner war so lange in der VHS Ehingen beschäftigt wie sie: Roswitha Schrode geht nach 44 Jahren in den Ruhestand.
Keiner war so lange in der VHS Ehingen beschäftigt wie sie: Roswitha Schrode geht nach 44 Jahren in den Ruhestand. © Foto: Julia Deresko
Ehingen / Julia Deresko 21.06.2018
In 44 Jahren hat Roswitha Schrode die Ehinger VHS entscheidend mitgeprägt. Ende Juni geht sie nun in den Ruhestand.

Ich höre nicht gerne auf“, sagt Roswitha Schrode. „Aber ich bin auch froh, dass ich es etwas langsamer angehen lassen kann.“ Seit 44 Jahren ist die 65-Jährige Teil der Volkshochschule Ehingen und damit am längsten von allen Kollegen dabei. Sie stand nie im Rampenlicht und hat die Ehinger VHS doch entscheidend mitgeprägt. „Eine gute Atmosphäre war mir immer wichtig“, sagt Roswitha Schrode. Dass sich Kursteilnehmer und Dozenten wohlfühlen, lag ihr stets am Herzen. „Wenn ich den Leuten entgegenkomme, dann kommen sie wieder“, sagt sie, sei ihre Philosophie. Und das spiegelt sich auch in den gut besuchten Kursen wider.

Schauspielgrößen betreut

An der VHS begonnen hat sie 1974. Walter Frei leitete damals ehrenamtlich die Einrichtung, die noch Volksbildungswerk hieß. Zwei Jahre hatte sie bereits bei der Stadt Ehingen gearbeitet, vorwiegend im Baurechtsamt. „Damals wurde bei der VHS eine Teilzeitstelle geschaffen und das kam mir gerade gelegen“, erzählt Roswitha Schrode, die in Zwiefalten-Bach geboren ist. Sie hatte einen zweijährigen Sohn und beschloss zu wechseln. Eine Entscheidung fürs Leben, wie sich herausstellen sollte.

1978 übernahm Karl-Otto Schöfferle die VHS-Leitung und wurde später auch Kulturamtsleiter. 28 Jahre lang waren die beiden ein Team. Kultur war von Anfang an ein großer Teil der VHS. „Und dazu gehörte natürlich auch ein großes Theaterprogramm“, sagt Roswitha Schrode. Einen „richtigen Theater-Hype“ habe Ehingen 1984 mit der Einweihung der neuen Lindenhalle erlebt. Namhafte Schauspieler wie Klaus Maria Brandauer, Götz George, Hans-Joachim Kulenkampff, Ellen Schwiers und Simone Rethel haben auf Ehingens Brettern gespielt, erzählt Roswitha Schrode. Und sie habe sie alle kennenlernen dürfen. Allein schon, weil damals die Gagen bar ausbezahlt wurden und sie sich auch darum kümmerte. Noch heute schwärmt sie von Ellen Schwiers: „Sie war ganz angenehm, nett und toll“, erzählt die 65-Jährige mit einem unübersehbaren Strahlen.

Als Roswitha Schrode an die VHS kam, hätten die Angebote auf ein Din-A4-Blatt gepasst. Doch das sollte nicht so bleiben. Zu Kabarett, Konzerten, Lesungen und Vorträgen kamen bald Ausstellungen und Reisen dazu. Die Ehinger Jazztage und der Musiksommer wurden ins Leben gerufen. Später kamen die Country-Nacht und vieles mehr dazu. Auch das Kursangebot entwickelte sich weiter. „Das haben wir alles mit Karl-Otto Schöfferle gestemmt.“

Damals hatte die VHS noch keine eigenen Räume. Die Veranstaltungen fanden in verschiedenen Schulen statt. „Es musste so manches Mal improvisiert werden.“ Vier VHS-Umzüge hat Roswitha Schrode mitgemacht: Vom Rathaus, Zimmer Nummer 7, ging es in die Alte Linde, wo sich heute das Bürgerbüro befindet, dann ins Pfitzerhaus und schließlich im Jahr 2000 ins Franziskanerkloster. „Der krönende Höhepunkt mit eigenen Räumen.“

Wahre Leidenschaft

Eine ihrer großen Leidenschaften – das Kochen – konnte Roswitha Schrode, die aktuell für die Fachgebiete Gesundheit und Ernährung zuständig ist, mit einbringen. Und so hat sie sich wohl am meisten darüber gefreut, dass das Franziskanerkloster auch ein Küchen-Studio für Kurse bekommen sollte. „Weil ich selber sehr gerne gut esse und koche, war es mir immer wichtig, es auch an die Leute zu vermitteln“, erzählt Roswitha Schrode, die ein großer Fan von Vincent Klink ist.

Zwei Mal ist es ihr gelungen, den Sternekoch nach Ehingen zu holen. Zwar nicht zum Kochen, bedauert Schrode, doch dafür für mindestens so köstliche Autorenlesungen. Mit viel Herzblut hat sie den Bereich Ernährung entwickelt und dabei stets versucht, sich „in die Köpfe reinzuversetzen“, ausfindig zu machen, was gewünscht wird und was gut ankommt. Dass es heute an der Ehinger VHS Kurse mit Profiköchen gibt, hat Roswitha Schrode mit angestoßen. Vor fünf Jahren holte sie etwa Peter Ebbinghaus vom gleichnamigen Restaurant in Burgrieden mit ins Boot. „Jetzt rufen alle bei ihm an“, sagt sie und es schwingt ein wenig Stolz mit.

Auch im Sport-Bereich wollte Roswitha Schrode mit Kursen wie Pound, Aroha und Zumba auf der Höhe der Zeit sein. „Viele Trends schwappen aus den USA rüber“, weiß die 65-Jährige, die das VHS-Profil sowohl für Ehingen als auch für Frankenhofen und Erbstetten entwickelt hat. Zu ihren vielen Queraufgaben gehören der Kontakt zu VHS-Partnern genauso wie Werbung und Kurs-Beschreibungen im Heft. Auch was Zahlen angeht, ist sie die Fachfrau: „Alles, was mit Rechnungen zu tun hat, ging über meinen Tisch.“ Roswitha Schrode ist erste Ansprechpartnerin für viele Angelegenheiten.

„Es macht Spaß, wenn man mitwirken und gestalten kann“, sagt sie und macht dabei ein Kompliment an VHS-Leiter Peter Dunkl – „Ich hätte mir keinen besseren Chef wünschen können“ – wie auch an das „ambitionierte und kreative Team“.

Nach der VHS-Ära will sie verreisen: Ein Familientreffen auf Mallorca, ein Trip nach Berlin und der Besuch der „Carmen“-Oper in Bregenz stehen an. Für die Zeit danach habe sie auch schon Ideen, sagt sie. Nur so viel: „Ich will nochmal durchstarten.“

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Jahre lang hat Roswitha Schrode an der VHS in Ehingen gearbeitet. Am 30. Juni geht sie in den Ruhestand.

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