Ausstellung Mit Folien und Betonplatten

Galeristin Maria Faulhammer-Wiedemann im Gespräch mit dem Künstler Hubert Kaltenmark.
Galeristin Maria Faulhammer-Wiedemann im Gespräch mit dem Künstler Hubert Kaltenmark. © Foto: Anne Hagenmeyer
Anne Hagenmeyer 06.06.2018

Die Gäste, die zur Vernissage in die Galerie im Petrushof in Obermarchtal gekommen waren, wollten es genau wissen – die Entstehungsgeschichten der Bilder von Hubert Kaltenmark waren spannend und der Künstler erzählte von erstaunlichen Entdeckungen, die oft ihren Anfang in Missgeschicken und Zufällen nahmen.

Zum einen war da der Farbdrucker, den Kaltenmark mit der falschen Folie bestückt hatte. Die Farbe schwamm auf der Folie und ließ sich wunderbar abdrucken. Der experimentierfreudige Künstler probierte mit den unterschiedlichsten Malgründen und ließ sich darauf ein, dass die Konturen der Farbfotos verschwammen. Seit einiger Zeit legt er die Folien auf frisch gegossene Betonplatten, die noch im Prozess des Abbindens sind und die Farbe wie einen Schwamm aufnehmen. Fototransfer nennt er diese Verfahren, da er keinen Druck zur Übertragung braucht und die Bilder dadurch auch nicht vervielfältigt werden.

Kaltenmark fotografiert Menschen und in seiner Wohnumgebung am Bodensee gerne Frauen. „Frauen sind deshalb interessant, weil sie immer was machen“, sagte er in Obermarchtal. Auf seinen Beton-Transfers arbeiten sie im Garten oder auf dem Friedhof, haben Kinder an der Hand oder kommen vom Einkaufen. „Männer sehe ich in meiner Wohngegend immer nur im Auto“.

Die Motive auf den verschwommen Bildern muss man suchen. Kaltenmark fotografiert die Menschen meist von hinten und hält somit ihr Fortgehen fest. Auch seine neuesten Bilder in Form von fünf großen Rückenportraits finden ihren Ursprung in Fototransfers, die zusammengesetzt ein Bild ergeben, das Kaltenmark mit Zahlenreihen übermalt hat. Diese liegen transparent wie ein Vorhang oder Schleier über den Figuren.

Hubert Kaltenmark ist ein Zahlensammler. Er notiert sich in einem Notizbuch Tag für Tag die Zahlen, die ihm begegnen: Datum, Uhrzeit, Pin, Tan, IBAN, ID- und Bestellnummern. Kaltenmark notiert sie, um die Zahlen später in fortlaufenden Reihen auf seine Portraits zu transferieren.

Auch was es mit den grünen Giftbildern auf sich hat, wollten die Besucher hören: Dabei ging es um Salzsäure und farbgebende Elemente von komplexen Salzen, die den Künstler einst selbst überraschten, denn die grünen Bilder können, je nach Luftfeuchtigkeit, auch mal braun erscheinen. Es geht Kaltenmark dabei aber auch um das Leben, das das Gift und somit den Tod schon in sich trägt, um die Vergänglichkeit als Prinzip des Lebens.

Hubert Kaltenmark ist viel mehr als ein experimentierfreudiger Tüftler: Ihn interessiert, was hinter der sichtbaren Oberfläche steckt. Das vermittelte er mit Galeristin Maria Faulhammer-Wiedemann unterhaltsam und tiefgründig.

Info Die Ausstellung „Hubert Kaltenmark – von Zahlen und Menschen“ in der Galerie im Petrushof in Obermarchtal läuft bis zum 22. Juli, immer sonntags von 11 bis 16 Uhr oder nach Vereinbarung unter (07375) 950671.

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