Umwelt Mit altem Handy Gutes tun

Pfarrer Markus Häfele in Erb­stetten.
Pfarrer Markus Häfele in Erb­stetten. © Foto: Kirsch
Erbstetten / CHRISTINA KIRSCH 10.07.2018

In der Grundschule Erbstetten hielt der Mundinger Pfarrer Markus Häfele vor wenigen Zuhörern einen Vortrag über die Produktionsbedingungen und das Recyceln von Handys. „Wie viele Handys liegen ungenutzt in Schubladen herum?“, fragte Häfele. Der Theologe, der sieben Jahre im Sudan gelebt hat und für ökologische Fragen ein feines Sensorium hat, berichtete unter dem Titel „Alte Handys sind Gold wert“ über die Produktionsbedingungen von Handys, über die verwendeten Rohstoffe und über das Recyceln von Elektroschrott.

Nach einer Erfassung aus dem Jahr 2014 liegen 80 Millionen Handys ungenutzt in deutschen Schubladen herum. Zahlen von 2018 gehen von 124 Millionen aus. „In einem Handy stecken 60 verschiedene Rohstoffe“, sagte der Referent. Viele von ihnen könnten recycelt werden. Neben Gold, Kupfer, Kobalt, Palladium, Aluminium und Zink sind vor allem die so genannten seltenen Erden wie Tantal derzeit in der Diskussion. Der Rohstoff kostet auf dem Weltmarkt bis zu 3500 Euro pro Kilogramm und wird in der Demokratischen Republik Kongo aus dem Erz Coltan gewonnen.

Abbau fördert Bürgerkrieg

Tantal wird in Kondensatoren für Digitalkameras und Spielkonsolen, für Laptops, Flachbildschirme und Mobiltelefone verwendet. Weil immer mehr von diesen elektronischen Geräten produziert werden, steigt auch der weltweite Bedarf an Coltan und Tantal. Schon vor Jahren haben Menschenrechtsorganisationen darauf aufmerksam gemacht, dass der Abbau dieser Rohstoffe den Bürgerkrieg fördert.

Im Kongo haben die Bürgerkriegsparteien viele der kleinen, oft illegalen Minen erobert und riegeln sie gegenüber Beobachtern ab. Kinder holen das Erz aus dem Boden und das Geld aus dem Tantal-Verkauf fließt oft direkt in neue Waffen für die Kriegsparteien. „Die Korruption wird durch die Erzgewinnung stabilisiert“, erzählte der Referent. Es gebe zwar Verfahren, mit denen sich die Herkunft des Minerals bestimmen lasse, „aber diese geochemischen Fingerabdrücke werden kaum oder nicht angewandt“, sagte Markus Häfele.

Korrupte Netzwerke ausdünnen

Würde der Handy-Käufer jedoch konsequent ein Handy verlangen, das nur Rohstoffe verbaut, die unter fairen Bedingungen für die Umwelt und die Menschen abgebaut werden, könnte man auch die korrupten Netzwerke im Kongo ausdünnen, ist Häfele überzeugt. Derzeit nehmen die Soldaten der Kongo-Milizen ein Mehrfaches dessen ein, was der Staatshaushalt zur Verfügung hat.

Auch das Recyceln der Handys geschieht sehr häufig auf illegalen Wegen in Afrika, insbesondere in Ghana. Mit Säure werden Plastikummantelungen abgeätzt, um beispielsweise das Kupfer freizulegen. Die Umwelt- und Arbeitsbedingungen gefährden die Gesundheit derjenigen, die dort auf freiem Feld recyceln und mit den anfallenden Abfallprodukten den Boden verseuchen.

Markus Häfele stellte das Fairphone vor und warb für eine Handy-Sammmelaktion. Wer in der Grundschule Erbstetten und Frankenhofen sein altes Handy in die Sammelbox wirft, führt es einem geordneten Recycling zu. Der Erlös fließt in Hilfsprojekte in Äthiopien, Uganda oder im Kongo.

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