Das Finanzamt Ehingen hat mit Blick auf das Steueraufkommen 2018 zwar einen „geringfügigen Zuwachs“ zu verzeichnen, wie Amtsleiter Hubert Schelkle am Montag sagte. Angesichts eines Anstiegs um 0,33 Prozent gegenüber dem Vorjahr sei das Steueraufkommen aber „praktisch gleichgeblieben“. Im Land und im Bund ist der Trend ein anderer, die Entwicklung hier lässt sich aber mit der Exportorientierung der hiesigen Wirtschaft erklären.

Gemäß Zahlen stieg das Steueraufkommen bei der Lohnsteuer wie auch der Einkommensteuer kräftig. Schelkle spricht von einen Zuwachs von sieben Prozent bei der Lohnsteuer, der „bedeutendsten Steuer“ angesichts  eines Volumens von 143 Millionen Euro (2017: 133 Millionen Euro). Der Finanzbeamte führt das Plus auf ein Mehr an Arbeitsplätzen und gestiegene Löhne in einigen Branchen zurück. Noch höher fällt der prozentuale Zuwachs bei der Einkommensteuer mit zehn Prozent aus, in Summe 50 Millionen Euro (44 Millionen Euro). Für Schelkle ebenfalls ein Zeichen für die gute Wirtschaftsstruktur in der Region. „In den klassischen Steuern sind wir stark.“

Weniger Umsatzsteuer

Der Zuwachs in diesen beiden Bereichen steht ein Weniger an Umsatzsteuer gegenüber, das laut Schelkle den in Summe nur geringfügigen Zuwachs erklärt: Minus 56 Millionen Euro verbucht das Finanzamt bei der Umsatzsteuer für das vergangene Jahr. „Wir zahlen mehr Umsatzsteuer aus als wir einnehmen.“ Die Hälfte der hiesigen Firmen sei exportorientiert, diese bezahlen folglich keine Umsatzsteuer, sofern sie Waren ins Ausland verkaufen. Gleichzeitig bezahlen die Firmen aber beim Wareneinkauf von Zulieferern Umsatzsteuer, die sie dann als Vorsteuer wieder abziehen. „Da kracht das Umsatzsteueraufkommen zusammen.“

Das Aufkommen aus der Abgeltungssteuer, die auf Zinsgewinne und Dividende anfällt, fällt sogar ein Viertel geringer aus als noch 2017. Damals lag der Wert bei 590.000 Euro; im vergangenen Jahr wurden nur noch 442.500 Euro eingenommen. Der Amtsleiter führt das auf die allgemeine Zinssituation zurück.

Die Grunderwerbssteuer hingegen stieg um 20 Prozent auf etwas mehr als elf Millionen Euro (9,5 Mio.). Schelkle sieht hier die Investitionstätigkeiten auf dem Wohnungsmarkt am Werk, aber auch eine Entwicklung des Preisniveaus als Grund.

Mit Spannung blickt auch das Ehinger Finanzamt auf die Diskussion zur Reform der Grundsteuer in Deutschland. Bis Ende dieses Jahres gab das Bundesverfassungsgericht Bund und Ländern Zeit für die Reform des bisher geltenden Systems zur Immobilienbewertung. Im Raum stehen zwei Modelle, ein wertabhängiges, in das auch die Miete einfließt, und ein wertunabhängiges, das sich nach der Fläche des Grundstücks und des Gebäudes richtet.

„Das einfachere Modell wäre die Flächensteuer“, sagt Schelkle mit Blick auf den damit verbundenen Aufwand für die Mitarbeiter seiner Behörde. „Letztlich aber ist das eine politische Entscheidung.“ Für das wertabhängige Modell bräuchte Schelkle deutlich mehr Personal, um den zusätzlichen Aufwand bewältigen zu können. 40.000 so genannte Grundstücke verzeichnet das Finanzamt im Einzugsbereich, wobei hier Flurstücke genauso zählen wie Eigentumswohnungen in Hochhäusern.

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Zuständig für 85.000 Menschen


Behörde Im Finanzamt Ehingen an der Hehlestraße arbeiten 140 Menschen, verteilt auf 104 Vollzeitstellen, ferner 21 Azubis. Die Behörde ist zudem zentrale Lohnsteuerprüfungsstelle im Regierungsbezirk Tübingen. In der täglichen Arbeit sind die Mitarbeiter des Amts für gut 85.000 Menschen in der Region Ehingen zuständig, zu der auch der Bereiche Erbach und Blaubeuren zählen. Jährlich werden 30.000 Einkommensteuerfälle bearbeitet und 2500 Grunderwerbssteuerfälle.

Elster Die elektronisch eingereichte Steuererklärung erleichtere die Arbeit und die Abläufe, sagt Schelkle.Bei Erklärungen mit Steuerberater liege die Quote bei mehr als 90 Prozent, bei jenen ohne bei mehr als 60 Prozent – laut Amtsleiter Sptize im Land.