„Haben sie einen Fächer oder so etwas“, fragte die SPD-Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis, als sie am Dienstag bei glühender Hitze in Emerkingen ankam. Bürgermeister Paul Burger half ihr mit einer Broschüre über die 1200-Jahr-Feier in Emerkingen aus. Etwas abgekühlt und durchgeatmet, interessierte sich die Politikerin für die Strukturen und Besonderheiten des mit 829 Einwohnern kleinen Dorfes Emerkingen, das zwar ländlich geprägt ist, dank einiger Firmen jedoch mehr als 100 Arbeitsplätze bieten kann, einen Dorfladen für die Nahversorgung hat und über ein rühriges Vereinsleben verfügt, das laut Bürgermeister Paul Burger die Dorfgemeinschaft trägt.

Im Beisein der Gemeinderäte Marcus Frankenhauser und Roman Kopp gab es im Rathaus eine kurze Information über die Situation und die Entwicklung der Gemeinde, die sich mit einem attraktiven Baugebiet auch um Neubürger bemüht und sich eine bessere Anbindung an den Nahverkehr wünscht. Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft gibt es nur noch vier bäuerliche Vollerwerbsbetriebe, und sie setzen auf die Direktvermarktung, erfuhr Mattheis.

Dann ging es zum Fritz-Roth-Sportgelände hinaus, wo gerade Nachwuchsfußballer trainierten. Insgesamt etwa 60 Kinder und Jugendliche werden im Verein betreut, was großen ehrenamtlichen Einsatz erfordert. Genügend Trainer und Betreuer zu finden werde immer schwieriger, erklärte Martin Belz als einer der drei Vorsitzenden des Vereins. Er legte auch einige Sorgen dar. So nannte er die erweiterten polizeilichen Führungszeugnisse für alle in der Jugendarbeit tätigen Bürger einen enormen bürokratischen Aufwand für die Vereine und die Behörden. Diese Auflagen seien nicht mehr nachvollziehbar und belasten die Vereinsarbeit. Als weiteres Anliegen sprach Belz die Sanierung des Sportplatzes an, verbunden mit sehr vielen Eigenleistungen. Obwohl die Sanierung bereits im vorigen Jahr erfolgte, werde der WLSB den zugesagten Zuschuss erst 2017 überweisen, so lange müsse der Verein das Geld vorfinanzieren. „Das müsste doch schneller gehen“, meinte Belz, und Mattheis sagte zu, deswegen beim WLSB vorstellig zu werden.

Etwas Geschichtskunde gab es für die Besucherin im kühlen Römerturm, dem Wahrzeichen von Emerkingen, Anfang des zwölften Jahrhunderts erbaut und nicht von den Römern. Seit 2002 ist er ein kleines Museum, das einen schönen Rundblick in die Umgebung und Einblicke ins Storchennest bietet. „Das wären doch Anreize für Besucher, gibt es hier etwas Tourismus?“, interessierte sich Mattheis und hob die vielen reizvollen Flecken und Sehenswürdigkeiten in der Region hervor. Urlaub in Deutschland werde immer attraktiver angesichts von Terror und Anschlägen, also könne man hier punkten. Für den Dorfplatz und den barrierefrei gestalteten Bereich vor der Kirche gab es Lob von der Abgeordneten, die dann weiter musste zu ihrem Termin in Ehingen, wo es um die Integration von Flüchtlingen ging. Dazu sagte sie in Emerkingen, dass bei diesem Problem die Bundespolitik versagt habe, „was mich unheimlich aufregt“. Anstelle von „faulen Kompromissen“ müssten vordringlich die europäischen Außengrenzen gesichert werden. Aber sie habe im Bundestag nur eine Stimme. In Emerkingen leben derzeit fünf Flüchtlinge, ein Vater mit vier Kindern im Alter von elf, neun, drei und einem Jahr, die Mutter ist gestorben. Um die Familie kümmert sich der Helferkreis. Zum Abschied schenkte Bürgermeister Burger der Besucherin einen rot-weiß gestreiften Emerkinger Schirm.