Einkaufen Maschine schluckt Scheine und Münzen

Lina (2) macht das Bezahlen beim Weinbuch Spaß, Oma Marianne Müller und Verkäuferin Elke Halder müssen kaum helfen.
Lina (2) macht das Bezahlen beim Weinbuch Spaß, Oma Marianne Müller und Verkäuferin Elke Halder müssen kaum helfen. © Foto: Julia Deresko
Ehingen / Julia Deresko 10.01.2018
Wer jetzt bei der Metzgerei Weinbuch am Marktplatz zahlt, tut dies über einen Automaten. Das soll die Hände der Mitarbeiter sauber halten.

Neugierige Blicke haften bei Weinbuch an der Kasse. In der Metzgerei am Marktplatz in Ehingen ist die klassische Kasse einem elektronischen Bezahlsystem gewichen. Seit rund drei Wochen wird direkt an einem Automaten bezahlt; in der Öpfinger Filiale schon eine Woche länger. Für viele Kunden war es gestern das erste Mal. Münzen links, Scheine rechts, erklärt Verkäuferin Elke Halder, die zuvor den Kassenbon, der nun mit einem Code versehen ist, eingescannt hat.

Hygiene ist der Hauptgrund

Die Scheine sind ruckzuck eingezogen. Gleiches gilt für die Münzen. „Der tut sortieren und auch bügeln“, scherzt Elke Halder. Nach kurzem Rechnen gibt der Automat das Wechselgeld raus. Wer einen kleinen Betrag mit einem 20-Euro-Schein zahlt, muss nicht befürchten, dass die Maschine lauter Münzen ausspuckt. Und wer sein Kleingeld loswerden will, kann einfach alles in den Automaten einwerfen, der auch das Zählen übernimmt. „Das geht einfach flotter“, sagt Juniorchefin Katharina Weinbuch.

Doch der Hauptgrund für die Umstellung sei die Hygiene. „Das ist bei uns das Wichtigste“, sagt Weinbuch. Denn das Geld stinkt zwar nicht, wie es sprichwörtlich heißt. Allerdings tummeln sich darauf Keime und Bakterien. Hygienemaßnahmen kosten jedoch Zeit und strapazieren die Haut. „Manchmal mussten wir die Hände 30, 40 Mal hintereinander waschen“, erzählt Elke Halder. „Jetzt haben auch wir mal schöne Hände“, scherzt sie.

In Ländern wie Schweden und Frankreich sei die Art der Bezahlung gang und gäbe, erzählt Katharina Weinbuch. Und auch in Deutschland sieht man die Automaten immer öfter. Im vergangenen Jahr haben die Weinbuchs das elektronische Bezahlsystem auf einer Bäcker-Messe entdeckt, „und wir waren gleich begeistert.“ Nach und nach sollen nun alle Weinbuch-Filialen auf das neue System umgestellt werden. Denn es habe viele weitere Vorteile: Der Automat verzähle sich nicht und sei auch sichererer, weil Falschgeld gleich erkannt werde, sagt Katharina Weinbuch. Außerdem sei die Ware mit einem Code versehen. „Was auch klasse ist.“ Denn so entfällt die Preis-Eingabe von Hand und es ermöglicht einen direkten Überblick darüber, wie viel Ware in welcher Filiale vorhanden ist und was nachbestellt werden muss.

Personal bleibe erhalten

Doch mit neuen Technologien sind oftmals auch Unsicherheiten verbunden. Die anfängliche Skepsis, die manch ältere Mitarbeiterin gehabt habe, sei nach einer Schulung in Öpfingen schnell gewichen, berichtet Katharina Weinbuch. Inzwischen seien die Verkäuferinnen von dem neuen System angetan. „Für die Frauen ist es eine Erleichterung“, sagt Katharina Weinbuch.

Und wie kommt der Automat bei Kunden an? Nach einem Moment Unsicherheit haben die meisten die neue Zahlungsart drauf. So wie Dusanka Kristek. „Gefällt mir gut“, sagt die gebürtige Kroatin, die seit 50 Jahren in Ehingen heimisch ist. „Modernes Leben“, lautet ihr Kommentar. „Praktisch“ findet es Waltraud Stocker (77) aus Dintenhofen. Auch die zweijährige Lina, die mit ihrer Oma Marianne Müller da ist, hat keine Berührungsängste und steckt entschlossen wie unerschrocken einen Zehn-Euro-Schein in den Automaten, der ihr quasi bis zur Nase reicht. „Für Kinder ist es ein Spaß“, sagt Marianne Müller.

Doch es gibt auch kritische Stimmen, berichtet Elke Halder. „Wenige sagen, dass sie nicht mehr kommen wollen“ – wegen der Nummern, die man in der Ehinger Filiale ziehen muss, und nun auch wegen des neuen Automaten. Mancher Kunde findet den Bezahlvorgang „unpersönlich“, sagt Halder. Dabei werde jeder Kunde weiterhin bis an die Kasse begleitet. Doch die meisten nehmen es an: „90 Prozent sind zufrieden“, sagt Katharina Weinbuch.

Auch die Sorge, dass mit der Umstellung das Personal abgebaut wird, habe mancher Kunde geäußert. „Aber wir Verkäuferinnen denken das nicht“, sagt Elke Halder. Und auch Katharina Weinbuch betont, dass die Automaten kein Personal ersetzten.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel