Denkmal Martinskapelle in Munderkingen wird zur Kulturstätte

„Gelebter Denkmalschutz“: Wirtschaftsstaatssekretärin Katrin Schütz (Mitte) besichtigte mit der Bundestagsabgeordneten Ronja Kemmer, dem Ersten Landesbeamten Markus Möller (links), Bürgermeister Dr. Michael Lohner und Restaurator Meinrad Kopp (rechts) die restaurierte Martinskapelle in Munderkingen.
„Gelebter Denkmalschutz“: Wirtschaftsstaatssekretärin Katrin Schütz (Mitte) besichtigte mit der Bundestagsabgeordneten Ronja Kemmer, dem Ersten Landesbeamten Markus Möller (links), Bürgermeister Dr. Michael Lohner und Restaurator Meinrad Kopp (rechts) die restaurierte Martinskapelle in Munderkingen. © Foto: Foto. Maria Bloching
Munderkingen / Maria Bloching 04.09.2018

Nicht einfach „das alte Glomp“ entsorgt, sondern „Ja“ zur Bedeutung und zur Gestaltung des gesamten städtischen Raumes gesagt. So lautete das lobende Urteil von Claus Wolf, Leiter der obersten Denkmalschutzbehörde Baden-Württembergs, über die restaurierte Martinskapelle in Munderkingen. Aus diesem Grund hat Wirtschaftsstaatssekretärin Katrin Schütz im Rahmen ihrer viertägigen Denkmalreise gestern auch die Martinskapelle besucht, mit zahlreichen Vertretern des Ministeriums, des Regierungspräsidiums und des Landesdenkmalamtes.

„Geld gut angelegt“

„Hier sieht man, wie gut das Geld angelegt wurde“, lobte sie. Ohne ehrenamtliches Engagement sei die Instandsetzung der Kapelle nicht möglich gewesen. Diesem Einsatz sei es zu verdanken, dass nun das Gebäude wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann: Zum einen am kommenden Sonntag beim „Tag des offenen Denkmals“ mit Führungen um 14.30 und um 16 Uhr, aber auch als künftige Kulturstätte für Ausstellungen und als Raum für Kammerkonzerte. Gemeinsam mit dem Förderverein will die Stadt  neue Strukturen aufbauen: „Jetzt kommt Leben in die Martinskapelle“, sagte Bürgermeister Dr. Michael Lohner. Sie sei ein echtes Juwel geworden.

Doch vor noch nicht allzu langer Zeit sah dies ganz anders aus. Eingequetscht zwischen zwei Gebäuden und gebaut an einer Hanglage, wurde die rund 1300 Jahre alte Kapelle (siehe Info) zumindest in den vergangen 50 bis 100 Jahren zunächst landwirtschaftlich, später als Garage genutzt. Entsprechend verheerend war ihr Zustand. So  sah sich die Stadt gezwungen, hier tätig zu werden. Es wurde ein Förderverein gegründet, der sich auch finanziell einbrachte. „Schließlich standen Kosten in Höhe von 400.000 Euro im Raum“, erinnerte sich Lohner.

Zum ersten Mal konnte die Öffentlichkeit 2006 die ehemalige Kapelle und damalige „Scheuer“ beim „Tag des offenen Denkmals“ besichtigen und behutsam an das Thema Restaurierung herangeführt werden. Unterstützt mit Fördergeldern des Landesdenkmalamtes in Höhe von rund 63.000 Euro und von „Leader“ mit 200.000 Euro, fand von April 2017 bis zum Juni dieses Jahres die Restaurierung statt. Der Innenraum wurde entkernt und rückgebaut, die eingezogene Decke abgenommen, die Dachkonstruktion ausgetauscht, ein Betonbodenbelag aufgebracht und eine Beleuchtung eingebaut.

Alles war schon da

„Alt und neu haben wir bewusst sichtbar gemacht, um die Geschichte der Kapelle mit ihrer unterschiedlichen Nutzung lebendig zu halten“, erklärte Architektin Monika Veser. Restaurator Meinrad Kopp ergänzte: „Alles, was man heute sieht, war schon da.“ Nichts habe man verzweifelt gesucht – es sei zutage getreten. Malereien wurden ohne großen Freilegungsaufwand belassen und gereinigt, allerdings die komplette Putzsubstanz gefestigt.

Das war dem Denkmalamt wichtig, wie Simone Wolfrum, Gebietsreferentin der Bau- und Kunstdenkmalpflege beim Regierungspräsidium Tübingen, verdeutlichte. „Der Zustand vor der Restaurierung ließ die versteckten Schätze im Detail nicht erkennen.“ Man habe sich bewusst dagegen entschieden, jedes Geheimnis des Gebäudes aufzudecken, denn sonst hätte man sämtliche vorhandene Schichten zerstört.

Claus Wolf, Leiter der obersten Denkmalschutzbehörde Baden-Württembergs, begrüßte die positive Auseinandersetzung der Munderkinger mit diesem Denkmal. Diese Kapelle zeige exemplarisch, was Denkmalpflege heiße und wie mit Denkmälern umzugehen sei. „Für Denkmalpflege braucht man einen langen Atem.“

Gotteshaus schon vor der Dionysiuskirche

Geschichte Die Martinskapelle Munderkingen stammt wohl aus dem 8./9. Jahrhundert und wurde von der Ursiedlung an der Donau vor dem Bau der Dionysiuskirche als Gotteshaus genutzt. 1307 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt, 1347 befand sie sich im Besitz des Ehinger Bürgers Burkhard Zäh. 1381 wurde sie vom Kloster Marchtal erworben und mit einem Konventualen besetzt. 1810 wurde sie privat verkauft, seitdem für landwirtschaftliche Zwecke genutzt und 1969 zur Garage umgebaut. 2006 hat die Stadt Munderkingen die Kapelle für 20 000 Euro erworben.

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