Wow: Martin Krämer schnaufte am Sonntagabend zunächst einmal tief durch, als er das Mikrofon überreicht bekam. Mit rund  55,3 Prozent der Stimmen hatten ihn die Wähler zum Bürgermeister von Obermarchtal gemacht. Der Bankkaufmann aus Essen dankte zunächst den Bürgern – und  dann seinen Mitstreitern, allen voran seiner Frau Jessica und Tochter Marie. „Die vergangene Zeit des Wahlkampfs war sehr kräftezehrend für uns, das war nicht ganz einfach“, sagte der 41-Jährige. Auch seinem Freund Kevin Wiest, Bürgermeister im nahen Oberstadion, dankte er – der habe ihm drei Monate lang während des Wahlkampfs Unterkunft gewährt. Krämer schüttelte auch seinen Mitbewerbern die Hände.

Fairer Wahlkampf

Dass der Wahlkampf fair verlaufen sei, hatte schon der amtierende Bürgermeister Anton Buck bei der Bekanntgabe des Wahlergebnisses konstatiert. Der Zweitplatzierte Hans-Peter Eller hatte respektable 38,41 Prozent erreicht. „Ich muss erst mal über das Ergebnis nachdenken. Aber es ist klar, wenn man zu einer Wahl antritt, will man gewinnen“, sagte er. Der Drittplatzierte Markus Buck erhielt 37 Stimmen, was 4,66 Prozent bedeutete. Fridi Miller, die bei der Kandidatenvorstellung einen umstrittenen Auftritt hinlegte, erhielt sieben Stimmen.

Sehr deutlich fiel die Entscheidung zugunsten von Krämer übrigens in Reutlingendorf aus: 108 Wähler stimmten dort für Krämer, 57 für Eller. In Obermarchtal waren 331 Wähler für Krämer, 248 für Eller. Der Drittplatzierte Markus Buck erhielt in Reutlingendorf mit 20 Stimmen sogar drei mehr als in Obermarchtal.

„Ich dachte nicht, dass die Wahl so eindeutig ausgeht“, fasste Bürgermeister Anton Buck die Meinung vieler Beobachter zusammen. „Es gab viele, die meinten, es gebe sicher einen zweiten Wahlgang.“ Der Wahlsieger Martin Krämer lauschte währenddessen den Klängen des Fanfarenzugs, des Kirchenchors, des Musikvereins „Frohsinn“ Reutlingendorf und der Musikkapelle Obermarchtal. Die Feuerwehr und Vereinsvertreter, Bürgermeisterkollegen und auch der Landtagsabgeordnete Manuel Hagel gratulierten. „Ich muss das alles jetzt erst mal richtig fassen“, sagte Krämer zur SÜDWEST PRESSE. „Die vergangenen Tage war ich total nervös wegen des Wahlausgangs.“ Erst ein Besuch des Streichelzoos mit Frau und Tochter am Nachmittag des Wahlsonntags hätten ein bisschen für Beruhigung gesorgt, berichtet er.

Wohnung gesucht

Zum Glück habe er für alle Fälle schon eine kleine Rede vorbereitet gehabt. Damit sorgte er am Ende übrigens auch für einen Lacher: „Wenn Sie eine Wohnung frei haben, lassen Sie es mich wissen – ich suche jetzt nämlich eine“, sagte der neue Bürgermeister. Er lud dann noch alle Bürger in das „Kreuz“ ein. Das erste Getränk bezahle er.