Umwelt Markt für Alternativen zu Plastik ist dünn

Ehingen / Christina Kirsch 08.10.2018
Trinkhalme und Geschirr aus Plastik sollen laut EU vom Markt verschwinden. Was sagen Ehinger Gastronomen zum möglichen Verbot?

Die Europäische Kommission hat den Einweg-Kunststoffprodukten den Kampf angesagt. Zwar müssen die Mehrheit der Mitgliedsstaaten sowie das Europaparlament noch zustimmen, aber der Druck auf Gastronomen und Hersteller wächst. Denn das Verbot steht im Raum. Geplant ist ein Vermarktungsverbot für aus Plastik hergestellte Wattestäbchen, Besteck, Teller, Trinkhalme, Rührstäbchen und Luftballonstäbe. Für diese Artikel gebe es bereits umweltfreundlichere Alternativen. Die EU-Kommission schlägt deshalb vor, dass sie künftig aus besser abbaubaren Materialien hergestellt werden müssen. Einweg-Getränkebecher aus Plastik sollen nur erlaubt sein, wenn Deckel und Verschlüsse an ihnen befestigt sind.

Hersteller sollen für die Entsorgung von bestimmten Plastikabfällen sowie Kampagnen zahlen, schlägt die Kommission vor. Es ist bisher noch nichts beschlossen, aber auch Ehinger Gast­ronomen machen sich Gedanken zur Verwendung von Plastikgeschirr und Plastik-Trinkhalmen.

Alternativen zu Plastik-Trinkhalmen

„Wir verwenden bereits biologisch abbaubare Trinkhalme“, sagt Norbert Zimmermann, Inhaber des Landgasthofs „Zur Rose“ in Berg. Wer Alternativen zu Plastik-Trinkhalmen verwenden möchte, finde entsprechende Angebote und genügend Alternativen. Man könne für viele Dinge wie den Martini-Spieß oder einen Eis-Lolly auch Holzspieße oder Holzspachtel verwenden. Vor allem beim Einweggeschirr seien die Gäste sensibler geworden, ist Zimmermanns Erfahrung. „Wir haben beim letzten Kräutermarkt erstmals Bambus-Schälchen ausgegeben. Das ging problemlos.“ Manche Leute hätten die Schälchen dann auch mitgenommen und gesagt, dass sie die wiederverwenden. „Der Privatmann darf das, wir dürfen das natürlich nicht“, sagt Zimmermann.

„Ohne Röhrle geht es nicht“, meint Monika Köhler von „Köhlers Krone“ in Dächingen. Vor allem im Festzeltbetrieb wollen die Leute mit einem Trinkhalm aus der Flasche trinken. „Falls sich einmal eine Biene verirrt, ist man mit dem Röhrle auch auf der sicheren Seite“, sagt die Gastronomin. „Es werden sich also Alternativen finden.“

Plastik ist überall

Den Verzicht auf Plastikhalme oder Plastik-Rührstäbchen empfindet Monika Köhler jedoch beinahe als Feigenblatt. Viel irrwitziger ist für sie die Verpackung von Obst und Gemüse. „Da haben wir doch viel mehr Plastikmüll.“ Heute habe jede Gurke eine Folie. Wenn man diesen Müll hochrechne, fielen Plastikhalme kaum noch ins Gewicht. „Man setzt immer dort an, wo es am wenigsten Widerstand gibt“, sagt Monika Köhler.

„Wir haben nur noch beim Hugo und beim Aperol Spritz einen Trinkhalm“, sagt Thomas Graf von der Brauereigaststätte in Berg. „Wir würden schon umsteigen, wenn wir etwas Regionales als Ersatz bekommen können, aber momentan ist da nichts in Sicht.“ Auf der Messe Intergastra hat der Hotel-Betriebswirt Trinkhalme gesehen, die man nach Gebrauch verspeisen kann. „Ich weiß allerdings nicht, ob dem Gast das gefällt, an so einem Röhrle herumzunagen.“ Sofern man nichts Sinnvolles finde, lasse man den Trinkhalm lieber weg.

Sehr viele Trinkhalme gehen im Eiscafé Paradies in der Hauptstraße über den Tresen. Man habe dafür noch keinen Ersatz gefunden und warte ab, meint der Eigentümer Basile Faro. Bei den Bechern, die der Kunde für das Eis zum Mitnehmen in die Hand bekommt, hat Basile Faro bereits überwiegend von Plastik auf beschichtete Pappbecher umgestellt.

„Bisher sind die Bambusschalen noch etwas teurer als das Plastikgeschirr“, sagt Alexander Buck von der Obermarchtaler Metzgerei, die auch ein Catering und einen Partyservice betreibt. Durch das Verleihen von Geschirr werde die Plastikflut weniger. Einen vollwertigen Ersatz für Trinkhalme aus Plastik sieht er noch nicht. Verwende man Edelstahl-Trinkhalme, müsse man auch den Aufwand für die Reinigung berücksichtigen. „Die Reinigung bedeutet Trinkwasserverbrauch und den Einsatz von Spülmittel.“

Das könnte dich auch interessieren:

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel