Ehingen Schlechte Ernte, wenig Futtergras: Landwirte leiden unter Dürre

Region / Renate Emmenlauer 29.08.2018
Die Mais-Ernte hat in diesem Jahr über vier Wochen früher begonnen als sonst. Grund zur Freude haben die Landwirte in Ehingen aber nicht: Die Hitze hat den Pflanzen stark zugesetzt.

Theo Völk ist Landwirt aus Überzeugung. Mehr und mehr trübt sich aber momentan seine Leidenschaft ein. „Erst die dürftige Ernte bei der Frucht, jetzt die Schäden beim Mais“, klagt er. Die Landwirte kämpften mit sinkenden Erträgen und steigenden Futterkosten. Hinzu kämen immer mehr Auflagen von den Behörden. Völk betreibt zu seiner umfangreichen Schweinemast auf dem Aussiedlerhof in Rißtissen auch eine große Biogasanlage.

Ertrag „ganz schlecht“

Auf seinen Feldern ist der Mais schon komplett abgehäckselt. „Wir sind mindestens vier Wochen früher dran als sonst. Aber wenn wir noch zuwarten, gibt es überhaupt keinen Ertrag mehr.“ Der sei in diesem Jahr auf den kiesigen, wasserdurchlässigen Böden um Rißtissen eh schon ganz schlecht, erläutert Theo Völk. Hitze und Trockenheit hätten dem Mais erheblich zugesetzt, sagt er. Weil das nötige Wasser fehlte und deshalb Nährstoffe nicht oder nur bedingt in die Pflanze transportiert wurden, hätten sich die Kolben nicht entwickeln können.

Dass es immer mal wegen des Wetters eine Missernte gegeben habe, gehört für den Landwirt zum Berufsrisiko. Was ihm aber so richtig gegen den Strich geht, „dass es seitens der Verbraucher und der Politik keine Wertigkeit für unsere Arbeit mehr gibt“. Dies sei für seinen Berufsstand „wie ein Damoklesschwert“.

Hobby-Landwirt Rudi Niederer aus Öpfingen, der einen kleinen Milchviehbetrieb führt, ist hingegen mit dem Zustand seiner Maisfelder noch einigermaßen zufrieden. „Der Mais unterhalb der Donau ist vertrocknet, der über der B 311 hat sich dagegen noch gut gehalten“, sagt er.

Verschiedene Sorten im Vergleich

Robert Renz, der seinen Betrieb in der Öpfinger Kirchgasse auf Ackerbau und Lohnarbeiten umgestellt hat, war beim Maisfeldtag Ende vergangener Woche Gastgeber auf seinem Gelände. Sein Areal gegenüber der Tankstelle in Öpfingen hatte der Agrarhandel Moik aus Ertingen in Zusammenarbeit mit dem französischen Züchterunternehmen Mas Seeds zum Versuchsfeld gemacht. Acht verschiedene Sorten Mais wurden den mehrheitlich aus der Region stammenden Landwirten vorgestellt. Erörtert wurden die unterschiedlichen Eigenschaften wie Wasserhaltigkeit, Ertrag, Reifezahl oder bevorzugte Nutzung. „Es ist immer wichtig, sich darüber zu informieren, welche Sorte sich für welche Bodenbeschaffenheit oder für die spezielle Nutzung am besten eignet. Ob für Milchvieh, Schweine oder für Biogasanlagen“, teilt Rudi Kneißle mit.

Für Hanns Roggenkamp vom Vorstand des Kreisbauernverbands Ulm-Ehingen ist der Mais in diesem Jahr eine verzwickte Sache. Erschreckende Zustände habe er unlängst bei einer Fahrt ins Allgäu gesehen. Auch das Illertal sei schlecht weggekommen. Trockenheit und Hitze hätten großen Anteil daran gehabt, der Kiesboden einen weiteren. Vielerorts, auch im Bereich Ersingen und Rißtissen mit dem kiesigen Untergrund, seien die Maisfelder längst schon „notreif“ abgeerntet worden.

Für Silage fehlen Nährstoffe

Weil der Mais sich im Frühjahr gut entwickelt habe, seien jene Landwirte mit einigermaßen guten Böden noch mit einem blauen Auge davongekommen. Wie auch Roggenkamp, dessen Felder auf den und um die Lutherischen Berge herum liegen. Insgesamt müssten die Bauern, wie bei der übrigen Frucht auch, beim Mais mit erheblichen Einbußen rechnen. Für die Silage fehlen die Nährstoffe, weil die Stärke-Konzentration in den Kolben einfach so gering sei. Für die Biogasanlagen fehle die Masse.

Wiesen im Blick

Jetzt richtet Hanns Roggenkamp sein Augenmerk auf die Wiesenflächen. „Wenn es nicht ordentlich regnet, gibt es kaum einen Grasschnitt zur Fütterung. Dann müssen die Landwirte wieder leiden.“ Doch die Aussichten sind schlecht: Hinsichtlich der angekündigten Hilfsmaßnahmen von Bund und Land für die gebeutelten Landwirte ist der Vorstand des Bauernverbands überzeugt: „Unsere Landwirte im Alb-Donau-Kreis gehen leer aus.“

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