Rechtenstein / DORIS MOSER  Uhr
Beeindruckt war Manuel Hagel gestern in Rechtenstein von den Investitionen am Wasserkraftwerk. Die Bürgermeisterin trug ihre Anliegen vor.

Wer in die erneuerbare Energiequelle Wasserkraft investiert, braucht einen langen Atem, Durchhaltevermögen und Hartnäckigkeit sowie viel Geld. Dies erfuhr der Landtagsabgeordnete Manuel Hagel gestern beim  Besuch in Rechtenstein, wo der Unternehmer Elmar Reitter sein Projekt erläuterte. In der Donau wird ein neues Wehr gebaut, geplant sind eine vierte Turbine und ein aufwendiger Fischpass sowie Sanierungsarbeiten am Kraftwerk. 30 Jahre  reichen die Planungen zurück, und in dieser Zeit musste Reitter viele bürokratische Hürden nehmen, eine Unmenge an Auflagen erfüllen, die er als nicht mehr nachvollziehbar bezeichnet. „Ich war auch schon mal kurz davor, das Handtuch zu werfen, weil vor allem die Forderungen im Blick auf die Fischerei und die unsägliche Bürokratie kaum noch auszuhalten waren“, sagt der Unternehmer. Vier Mal musste etwa der Fischaufstieg umgeplant werden, nun passt er auch für Huchen, die es in der Donau gar nicht gibt.

Eine „unsägliche Bürokratie“ und teils auch die Sichtweise einzelner Behördenmitarbeiter stehe dahinter, kommentiert Reitter. Seiner Ansicht nach wäre es zudem sinnvoll, ökologischen Investitionen im Bestand, etwa Fischaufstiegen, Ökopunkte zu vergeben, über deren Verkauf sich dann die Investitionen wenigstens zum kleinen Teil refinanzieren ließen. Allein der neue Fischpass bei Reitters Kraftwerk ist mit  250 000 Euro veranschlagt.

Letzten Herbst dann endlich gab es grünes Licht und das Projekt startete. Derzeit wird am ersten Bauabschnitt  gearbeitet, in rund zwei  Wochen soll  ein Teil der Bodenplatte für das neue Wehr betoniert werden. Gleichzeitig wird die Sicherung der Fundamente unter dem Kraftwerk vorbereitet. Die Arbeiten sind durch das Hochwasser einige Wochen in Verzug, doch bis Ostern 2017 soll alles fertig sein. Auch der anvisierte Kostenrahmen lässt sich nicht einhalten. „60 Jahre wird es dauern, bis diese Investition in den rentierlichen Bereich kommt, meine Enkel werden dann hoffentlich das Kraftwerk umtreiben“, merkt Reitter an, der aus seiner Leidenschaft für Wasserkraft keinen Hehl macht. Insgesamt 24 Kraftwerke besitzt der Rechtensteiner Unternehmer oder ist daran beteiligt, alle betreut er zusammen mit seinen acht Mitarbeitern.

„Wenn ich helfen kann bei einem Problem, bitte melden“, bot Manuel Hagel an und zollte Reitter hohen Respekt für sein Engagement auf dem Sektor Wasserkraft. Wenn es mehr solcher Unternehmer gäbe, bräuchte man sich um die Energiewende keine Sorgen machen.

„Wir sind stolz auf unser Wasserkraftwerk, es ist eine Besonderheit, und welche kleine Gemeinde hat das schon“, betonte Bürgermeisterin Romy Wurm. Vor dem Besuch bei Reitter trug sie dem Abgeordneten im Rathaus ihre Anliegen vor. Dies sind vor allem die vielen Verwaltungsvorschriften, Auflagen und insgesamt die zunehmende Bürokratie, die in kleinen Rathäusern kaum noch zu erfüllen  seien. „Doch  wir schaffen das, auf keinen Fall möchten wir eingemeindet werden.“

Die Zusammenarbeit in der Verwaltungsgemeinschaft Munderkingen funktioniere gut und sei für kleine Dörfer hilfreich.  Nun stehen mit  dem Breitbandausbau wichtige, aber auch kostspielige Investitionen heran, denn bei der Digitalisierung wolle das Dorf nicht ins Abseits geraten. Ebenso muss  die  Wasserversorgung grundlegend saniert werden. „Speziell hier brauchen wir die Hilfe des Landes“, erklärte Wurm. Wünschen würde sich Rechtenstein einen noch enger getakteten Zughalt, zumal nun der Bahnsteig hergerichtet ist. Vor allem die hier lebenden Asylbewerber nutzen die Bahn.

Gut versorgt fühlt sich die kleine Gemeinde mit dem Kindergarten und der Grundschule in Obermarchtal. Um gleichwertige Lebensbedingungen in der Stadt und auf dem Land zu sichern, sei der Ausgleichstock ein wichtiges Instrument, erklärte Manuel Hagel und bot an, bei Problemen nach Kräften zu helfen. Der Abgeordnete kündigte an, während der Sommerpause alle 48 Bürgermeister und ihre Gemeinden in seinem Wahlkreis zu besuchen. Er  habe vor, dies jedes Jahr so zu praktizieren.