Unternehmen Liebherr braucht gewaltig Platz

Ehingen / Andreas Hacker 13.04.2018
Zwei Monate vor den Kundentagen geht es auf dem Werksgelände eng zu. Deshalb müssen vor allem Gittermastelemente anderswo gelagert werden.

Die Einladungen sind raus, doch eines der größten Probleme im Vorfeld der Liebherr-Kundentage muss noch gelöst werden: Platz schaffen. Um Mitte Juni bei dem alle drei Jahre stattfindenden Großereignis 3000 Kunden aus aller Welt Liebherr-Krane vorführen und beim Familientag 15 000 Menschen ins Werk einladen zu können, muss dort erst einmal kräftig umgeräumt werden. Denn auf dem Werksgelände geht es, wie Unternehmenssprecher Wolfgang Beringer bestätigt, so eng zu wie schon lange nicht mehr. Es sind gleich mehrere Ursachen, die dafür sorgen, dass Liebherr aktuell im ganzen Raum Ehingen nach Lagerflächen sucht und Gittermastelemente inzwischen auch in Allmendingen gelagert werden: eine gute Auftragslage, der anhaltende Trend zu großen Raupenkranen, offene Baustellen beim Parkplatz in Berkach und vor der Halle für den Versand sowie eine mit mehr als 3600 Mitarbeitern deutlich gewachsene Belegschaft.

Viel mehr Raupenkrane

Deutlich wird das bei den Raupenkranen. „Das ist sehr viel mehr geworden“, sagt Beringer: Gab es davon früher drei bis vier aufs Jahr im Ausliefeerungsprogramm, sind es heute rund 60, und mit ihren Gittermasten brauchen Raupenkrane viel mehr Platz als zum Beispiel Mobilkrane mit Teleskopausleger. Und wenn dann, was immer mal wieder vorkommt, ein versandfertiger LR aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht wie geplant vom Hof kommt, stehen da zig Lkw-Ladungen im Weg.

Gleichzeitig will sich Liebherr seinen Kunden entsprechend präsentieren. Wie so etwas aussehen kann, zeigt sich mit Blick von Berkach aus in Richtung Raupenkranplatz: Dort steht mit dem LR 13 000 Liebherrs stärkster Raupenkran und gleich daneben werden bis Mitte Juni alle anderen Typen aufgebaut, insgesamt neun Krane mit Tragkraft von 350 bis 3000 Tonnen. „Wir haben die weltweit beste Raupenkran-Palette“, sagt Beringer. Und das soll auch gezeigt werden.

Die Platznot rührt auch daher, dass Liebherr aufgrund der guten Auftragslage das Produktionsprogramm erhöht hat, was natürlich auch eine zunehmende Zahl an Geräten auf den Abnahme- und Testplätzen zur Folge hat, wie Geschäftsführer Mario Trunzer erklärt. „Es ist also in der Tat enger geworden“, sagt Trunzer, ist aber zuversichtlich: „Gegenwärtig können wir das mit unserer internen und externen Logistik abdecken. Kurzfristig mieten wir bei Bedarf im nahen Umkreis Lagerfläche an, um zum Beispiel für unsere Kundentage den erforderlichen Platz zu schaffen.“ Dazu gehört auch,  dass im Vergleich zu den Kundentagen 2015 auch das Zelt für die Bewirtung der Gäste nochmals vergrößert wird: Fünf Meter mehr in der Länge schaffen dann Platz für bis zu 1800 Personen, sagt Beringer. Bis zu den Kundentagen fertig sein soll der neue Zugang vom neuen Parkplatz bei Berkach: Der Stahlturm für Treppe und Aufzug hinauf aufs Niveau des Werks steht schon, die noch fehlende Brücke wird aktuell vormontiert.

2017 in Ehingen ein Umsatz von 1,719 Milliarden Euro

Geschäftsbericht Gestern hat die Firmengruppe Liebherr ihren Geschäftsbericht für 2017 vorgestellt. Demnach hat das Familienunternehmen mit 9,845 Milliarden Euro den höchsten Umsatz seiner Geschichte erzielt und im Vergleich zum Vorjahr die Erlöse um 9,3 Prozent gesteigert. Für die Sparte Fahrzeugkrane wird im Geschäftsjahr 2017 ein Umsatz von 2,057 Milliarden Euro genannt. Dies entspricht einer geringen Abnahme um 15 Millionen Euro oder minus 0.7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In diesen Zahlen sind aber auch die Ergebnissse von mehr als 30 Auslandsniederlassungen und die in Nenzing in Vorarlberg produzierten kleinen Raupenkrane enthalten. Bereinigt auf das Werk Ehingen hat Liebherr nach Angaben Beringers im vergangenen Jahr 1,719 Milliarden Euro umgesetzt, das sind 3,4 Prozent mehr als vor einem Jahr (1,662 Milliarden Euro). Ausgeliefert worden sind 2017 in Ehingen 1437 Neukrane und 281 gebrauchte. Für das laufende Jahr 2018 erwartet Liebherr Ehingen ein Umsatzwachstum von 5 bis 7 Prozent.