Glauben Liebende Annahme gespürt

Christina Kirsch 30.12.2016

Es rennen derzeit auffallend viele Kinder durch das Bildungshaus in Untermarchtal. Auf dem Parkplatz spielen Jugendliche Kreisspiele und in der Rosenkranzkapelle sitzen beinahe ununterbrochen Menschen ins Gebet vertieft. Die Mitglieder der Charismatischen Erneuerung (CE) in der katholischen Kirche treffen sich zu ihrem Weihnachtsseminar, das bereits zum 35. Mal in Untermarchtal stattfindet.

190 Übernachtungsgäste haben sich angemeldet. Dazu kommen 35 bis 40 Tagesgäste und 27 Jugendliche. Kleingruppenarbeit, Beten, Singen und Lobpreis wechseln sich in diesen Tagen ab. Die Kinder sind oft dabei oder werden betreut. „Das ist ein erlebbarer Glaube, den wir hier in der Gemeinschaft ausüben“, sagt Diakon Martin Fischer, der seit diesem Jahr zum Sprecher der CE gewählt wurde. Im Hauptberuf ist der gebürtige Erbacher Führungskräftetrainer und steht mitten im Leben.

Auf der Suche nach Werten im Leben sei er zu der Charismatischen Erneuerung gelangt, erzählt er. „Mit 13 wollte ich mich nicht firmen lassen“, sagt der Betriebswirt, „und habe dann viele philosophische Bücher gelesen. Dabei stößt man dann unweigerlich auf die Bibel.“ Doch die Gottesdienste in den Gemeinden sind ihm oft nicht lebendig genug. Bei den Charismatikern könne man erfahren, „dass Gott heute so wirkt wie in der Urkirche“, sagt Martin Fischer und betont: „Wir sind nicht besser als andere“.

Auch Anni Walz aus Warthausen sagt von sich, dass sie in einem Traditionsglauben in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen sei. Es habe viel Mut gekostet, anderen von ihrem Glauben zu erzählen und ihren Glauben mitzuteilen, sagt die Hausfrau und Mutter. Jesus sei ihr Bestimmer, meint Anni Walz. Die Warthauserin ist 1989 über die Ravensburger Gemeinschaft Immanuel zur Charismatischen Erneuerung gekommen und leitet einen Gebetskreis, der jeden Dienstagvormittag von etwa 25 bis 30 Leuten besucht wird. Anni Walz erlebt die Gesellschaft als suchend. „Manche haben auch in trüben Quellen wie der Esoterik gefischt“, sagt sie. „Die Freude und Begeisterung über das Wort Gottes ermutigen mich, es an andere weiter zu geben“, erklärt Anni Walz.

Die besondere Atmosphäre bei den Treffen der Charismatischen Erneuerung beschreibt Martin Fischer als „liebende Annahme“. Jeder, der zu den Treffen komme, werde so angenommen, wie er sei. „Es sind auch viele Leute da, die mit der althergebrachten Glaubensfrömmigkeit nichts anfangen können“, erklärt Michael Hentschel aus Plüderhausen, der sich ebenfalls zum Diakon im Zivilberuf ausbilden ließ. Michael Hentschel ist IT-Teamleiter und nimmt seinen Glauben mit in seinen Arbeitsalltag. „Ich kann einen Kunden als Last empfinden oder ihm einen Dienst erweisen“, sagt der IT-Teamleiter. Im Laufe der Woche gibt es viele Glaubensgespräche und auch den Lobpreis, der die Gläubigen oft sehr berührt. Manche weinen dabei. Der Lobpreis könne auch in Sprachensingen übergehen, sagt Anni Walz. Der Stuttgarter Andreas Hahn ist zum ersten Mal im Weihnachtsseminar dabei und möchte an einem dreijährigen Katechistenkurs über das Radio Horeb teilnehmen, um seinen Glauben zu vertiefen „und um an der Evangelisation mitzuwirken“.

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