Veranstaltung Lesung: Von Täuschungen und Enttäuschungen

Buchautor und Redakteur Max Scharnigg liest "Der restliche Sommer".
Buchautor und Redakteur Max Scharnigg liest "Der restliche Sommer". © Foto: Christina Kirsch
Ehingen / Christina Kirsch 16.04.2018

Vier Personen, vier Vergangenheiten, eine Sommerwoche. Aus diesen Zutaten setzt Max Scharnigg seinen Roman „Der restliche Sommer“ zusammen, den er im Ehinger Buchladen vor kleinem Publikum vorgestellt hat.

Bei seiner Lesung stellte der Redakteur der Süddeutschen Zeitung seine beiden Protagonisten Sonja und Paul vor. Sonja, eine Paartherapeutin, hat sich von ihrem Mann getrennt. Ihr Ex, Paul, ein Kolumnenschreiber und Benimmpapst, hat sich neu verliebt. Die beiden anderen Figuren, die mit Sonja und Paul in Beziehung stehen, fanden in der Lesung keine Erwähnung.

Max Scharnigg las eine Episode, in der Sonja nicht nur den Küchenschrank von allen Gastro-Souvenirs aus der Ära Paul befreit, sondern auch in ihrem Inneren sauber macht. Amüsant zu hören war die „Trauerfolklore“ der Nachbarn, die sich um Sonja kümmerten, als sie von der Scheidung erfuhren.

Von Selbstzweifeln geplagt

Auch das Interview, das Sonja einem Radiosender gibt, verstand der Autor in wechselnden Tonfällen auszumalen. Dabei schnurrte er wie die Radiomoderatorin, die es fertig bringt, Sonja eine Art Lebensbeichte zu entlocken. Sie habe sich in ihrer Ehe mit Paul wie eine verstellbare Arbeitslampe gefühlt, die auf ihren Partner mal mehr und mal weniger Licht warf, beschreibt die Getrennte ihre einstige Beziehung.

Was das Buch lesenswert macht, kam bei der Lesung kaum zur Sprache. Denn zwischen den vier Menschen, die mehr durch ihr Leben treiben als dass sie es leben, gibt es zarte Verbindungen, die selbst den Protagonisten kaum bewusst sind. Jeder ist von Selbstzweifeln geplagt und mancher erliegt nur zu gerne den Täuschungen, die seiner Phantasie erwachsen.