Auf zu den Sternen Lehrer aus Munderkingen hebt mit der NASA ab

Munderkingen / Ingeborg Burkhardt und Stefan Bentele 16.08.2018
Rolf Stökler aus Munderkingen hebt im September in Kalifornien zu einem Flug ab, der die Entstehung von Sternen untersucht.

„Ich möchte den Mond sehen“, sagte die vierjährige Mira Stökler, als sie vier Tage nach der Mondfinsternis morgens aufstand und ans Fenster eilte. Zu ihrer Enttäuschung strahlte nicht der Mond, sondern die Sonne am Himmel. Dass sich das Mädchen schon für Planeten interessiert, kommt nicht von ungefähr, denn ihr Vater Rolf ist unter anderem Physik-Lehrer am Schulverbund Munderkingen, Astronom, im Vorstand der Volkssternwarte Laupheim für Volksbildungsarbeit zuständig  und hält dort wöchentlich zwei Stunden Unterricht in Astronomie.

„Wir sind Mittler zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit“, sagt der 36-jährige Munderkinger. Mit seinen Kollegen aus der Volkssternwarte, Nikolai Prill und Michael Bischof, wird Stökler am 18. und 19. September in einer Boeing 747 SP durch die untere Stratosphäre fliegen. Als deutsches Team im Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie (SOFIA) werden sie mit drei Technikern und zwei Wissenschaftlern im Rahmen des deutsch-amerikanischen Vorhabens zur Erforschung des Weltalls unterwegs sein. Die Wissenschaftler blicken mit dem 2,7-Meter-Teleskop auf Objekte in der Milchstraße, erforschen die Entstehung und Entwicklung von Sternen und Sonnensystemen aus interstellaren Molekül- und Staubwolken.

Multimediashow geplant

Seit zwei Jahren sind Stökler und seine Kollegen aus  Laupheim mit den Universitäten  Stuttgart und Heidelberg in Verbindung und haben sich für den Mitflug beworben. Ihre Aufgabe besteht darin, den Flug, die Arbeit an Bord, die Funktion des Teleskops und die Objekte, die von den Wissenschaftlern beobachtet werden, zu dokumentieren. „Und viele, viele originale Aufnahmen anzufertigen“, sagt Stökler.

Denn am Ende soll aus der Arbeit von Stökler und seinen beiden Begleitern eine 45-minütige Multimediashow entstehen, die 360-Grad-Ansichten, Filmaufnahmen vom Flugzeug und SOFIA sowie 3D-Animationen ferner Objekte im Weltall, die auf dem Flug beobachtet werden, zeigen. Die Produktion wird nach ihrer Fertigstellung Planetarien auf der ganzen Welt kostenlos bereitgestellt. Ferner will Stökler Unterrichtsmaterial für seine Schüler anfertigen.

Flüge dauert elf bis zwölf Stunden

Die Flüge starten nach Sonnenuntergang und dauern elf bis zwölf Stunden, an deren Ende die Maschine wieder auf der Edwards Airforce Base in Kalifornien landen muss. „Der Kurs sieht deshalb ziemlich chaotisch aus“, sagt Stökler. Denn weil das Teleskop fix nach links ausgerichtet ist, muss der Kurs der Maschine so gesetzt werden, dass die zu beobachtenden Objekte auch stets vor der Linse liegen.

Für die Beobachtungen wird in etwa 13.000 Meter eine etwa scheunentorgroße Luke für das Teleskop geöffnet, für Stökler und die übrige Besatzung gleicht der Aufenthalt an Bord dennoch einem üblichen Langstreckenflug. „Die Beinfreiheit ist aber phänomenal“, sagt Stökler. Und weil alle an Bord arbeiten und nur wenig sitzen, trägt jeder eine Maske und eine Sauerstoffflasche am Körper. „Die werden wir aber sicher nicht brauchen.“

Die Produktionskosten für die Multimediashow übernimmt das Planetarium in Laupheim, die Reisekosten für Stökler und seine beiden Begleiter übernimmt das Deutsche SOFIA-Institut in Stuttgart. Stökler zufolge soll so die Öffentlichkeit von der Forschung profitieren, die mit Steuergeldern finanziert wird. 80 Prozent der Forschungskosten für SOFIA trägt die US-Raumfahrtbehörde NASA, 20 Prozent das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Teleskope im Keller

Der Pädagoge, der nach der Mittleren Reife an der Munderkinger Realschule am Aufbau-Gymnasium in Biberach sein Abitur gemacht und an der PH in Weingarten studiert hat, kehrte als Lehrer an die Realschule seiner Heimatstadt zurück. Weil ihn „schon immer Sterne und Planeten interessiert haben“, habe er sich bereits 2002 „in der Gegend nach einer Sternwarte umgeschaut“. Laupheim habe er damals Ehingen vorgezogen, weil es dort auch ein Planetarium und viele begeisterte Astronomen gegeben habe, die ihn rasch in ihren Kreis aufgenommen hätten.

Nach und nach habe er seine Fachkenntnisse erweitert und drei Teleskope angeschafft, die er bei klarem Nachthimmel aus dem Keller holt. „An der Realschule Munderkingen gab es bald eine Astronomie AG, die 2016 bei einem naturwissenschaftlichen Wettbewerb unter den drei Siegern war und ein großes Teleskop für die Schule gewann.“

Nun freut sich Rolf Stökler auf die Eindrücke, die er von seiner Exkursion aus der Stratosphäre mit nach Hause bringen wird. Dem einjährigen Sohn Tim wird er es später einmal erzählen. Töchterchen Mira wird es, wie die Mama, spannend finden. Die Familie fiebert mit und unterstützt den Lehrer in seinem Unterfangen.

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2,7

Meter ist der Durchmesser des Teleskops, mit dem die umgebaute Boeing 747 SP ausgestattet ist und mit dem Rolf Stökler und seine Kollegen an Bord arbeiten werden.

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