Manuel Hagel war als künftiger Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Ehingen gestern bei den Sitzungen von CDU-bezirks- und Landesvorstand. Und er wird auch heute dabei sein, wenn die Landtagsfraktion ihren Kurs für die kommenden Tage und Wochen bestimmt: "Wir müssen klar machen, wofür die CDU steht", sagte Hagel gestern. Er selbst hat die nächste Zeit schon geordnet: Morgen gibt es noch einen freien Tag, mit E-Mails und Briefe schreiben, am Donnerstag sitzt er in der Sparkasse wieder am Schreibtisch und fürs Wochenende hat er schon die ersten Termine angenommen. Er will kämpfen für eine Politik der Bodenständigkeit und nah bei den Menschen sein, hat er am Sonntagabend im Bürgerbüro im Ehinger Rathaus angekündigt. Um gestärkt aus der Niederlage herauszugehen, müsse man die Wahlergebnisse genau analysieren und dann Schlüsse ziehen, zunächst inhaltlich, später vielleicht auch personell.

Hagel hat für seinen Wahlkampf viel Anerkennung bekommen. 670 Termine in elf Monaten - "er hat geschafft wie ein Löwe", sagt Karl Traub, der nach 20 Jahren aus dem aus dem Landtag ausscheidet. Auch vom Kreisvorsitzenden Paul Glökler und dem Ehinger Stadtverbandsvorsitzenden Manfred Nothacker gibt es Lob: Kandidat und Wahlkampf seien gut gewesen. Dass es trotz der enormen Kraftanstrengung von Hagel und seinem Zweitkandidaten Walter Haimerl nicht dazu gereicht hat, gegen den Landestrend besser abzuschneiden, gibt zu denken. Bereits am Sonntag hatte Hagel dazu aufgefordert, genau hinzuschauen, um zu erspüren, wo die Themen liegen. Und "den Rechtspolulisten mutig die Stirn zu bieten", wie er mit Blick auf die AfD sagte. Gestern ergänzte er im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE, dass er seinen künftigen AfD-Kollegen Rottmann respektieren werde, sich aber in Stil und Inhalten mit ihm auseinadnersetzen werde: "Die AfD fällt auf, indem sie lautstark Probleme beschreibt. Das wird nie meine Auffassung von politischer Arbeit sein, mir geht es um Lösungen." Und: "Probleme lösen kann man nur in der Debatte, niemals durch Ausgrenzung" (siehe auch Seite 26).

"Das Thema Flüchtlinge erklärt nicht alles", sagte Hagel gestern. So gibt es in Ehinger Stimmbezirken Einzelergebnisse, in denen starken CDU-Zahlen zum Beispiel in der Pfarrei nur einstellige AfD-Prozentzahlen gegenüberstehen. Das könne man so schon mal betrachten, meinte gestern auch Manfred Nothacker, der vermutet, dass viele "der uns fehlenden Stimmen zur AfD gewandert sind", und regte an, mal darüber nachzudenken, ob es nicht besser gewesen wäre, anstatt am Marktplatz Infostände aufzubauen vielleicht mal mit guten Argumenten für die CDU im Gollenäcker werben zu gehen.

In diese Richtung denkt auch Walter Haimerl. Er hat in dem fast einjährigen Wahlkampf mit Hagel auch "viele unzufriedene CDU-Wähler" erlebt und hält Hagels Ansatz, mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen, für richtig. "Wir müssen Präsenz zeigen und eine klare Vorstellung von unserer Partei haben." Ein Glücksfall für die CDU im Kreis sei dabei das starke Engagement der wie Hagel jungen Bundestagsabgeordneten Ronja Schmitt, die bei vielen Terminen dabei war.