Max Weber geht mit einem guten Gefühl. „Ich bin glücklich und sehr zufrieden, weil ich auf ein sehr erfülltes Berufsleben zurückblicken kann.“ Nach mehr als 40 Berufsjahren geht der Schulleiter der Längenfeldschule und geschäftsführende Schulleiter Ehingens Ende Juli in den Ruhestand. Am 19. Juli wird er mit einer Feier verabschiedet. „Schulleiter werden – das kann man nicht planen“, sagt Weber. „Das ergibt sich oder nicht.“ Nach dem Abitur in Riedlingen hat Weber, der in Moosburg bei Bad Buchau aufgewachsen ist,  an der Pädagogischen Hochschule in Weinheim Mathematik und Sport studiert. Das Referendariat führte den angehenden Lehrer 1978 nach Ehingen an die Michel-Buck-Schule. 1979 zog der Referendar in die Stadt an der Donau. Auch „die Junglehrerzeit“ hat Weber an der Michel-Buck-Schule verbracht, wo er bis 1985 Klassenlehrer war.

Verantwortung für eine ganze Schule

Zur Arbeit an der Schule kamen weitere Aufgaben hinzu. Die Lehrerausbildung habe ihn  besonders gereizt, erzählt Weber. Von 1985 bis 1991 war er hauptamtlich als Seminarschulrat am Schulseminar in Tettnang und in Laupheim in der Lehrerausbildung tätig. Ehingen blieb seit 1979 der Lebensmittelpunkt für Max Weber und seine Familie. Seine Frau Zita Weber stammt aus Stetten. Anfang und Mitte der 80er kamen die beiden Söhne zur Welt. Beruflich bot sich 1991 eine neue Chance: Erich Merz, Schulleiter der Längenfeldschule, ging in den Ruhestand und Max Weber folgte ihm nach. Damals sei er der viertjüngste im 40-köpfigen Kollegium gewesen. „Das war eine Herausforderung“, erinnert sich der 64-Jährige. „Aber, wenn man so jung ist, ist man entsprechend motiviert und hat die Power, es anzugehen.“ Verantwortung für eine ganze Schule zu übernehmen und Einfluss auf die Schulentwicklung zu nehmen, sei seine Motivation gewesen. „Das kann nur gelingen, wenn es der Schulleitung gelingt, das Kollektiv mitzunehmen“, betont Weber. „Sonst ist man ein einsamer Rufer in der Wüste.“ 2001 wurde Weber außerdem geschäftsführender Schulleiter in Ehingen.

Schüler steht im Mittelpunkt

In all der Zeit, bis auf das aktuelle Schuljahr, war der Schulleiter auch in den Klassenzimmern präsent: „Ich habe eine Riesenfreude daran, Kinder zu unterrichten.“ Mathematik in den Klassen 7 bis 10 war sein Schwerpunkt. „Der Schüler steht im Mittelpunkt aller Überlegungen“, sagt Max Weber. Dass der Unterricht qualitativ auf hohem Niveau stattfindet, sei ihm ein großes Anliegen gewesen. „Daran habe ich in all den Jahren gearbeitet.“ Eine 60-Stunden-Woche sei in den vergangenen 20 Jahren die Regel gewesen. Als Last habe er es jedoch nicht empfunden. „Wenn Sie in der Arbeit Erfüllung finden, Erfolg sehen und Wertschätzung erfahren, dann merken Sie es gar nicht“, sagt Weber. „Wenn ich an die letzten Jahre denke, fühle ich mich geradezu getragen vom Kollegium.“ Viele Veränderungen fielen in seine Amtszeit. Die Längenfeldschule hat sich von einer Grund- und Hauptschule zur Grund- und Werkrealschule und schließlich zur Gemeinschaftsschule (GS) gewandelt (siehe Infokasten). „Die Gemeinschaftsschule ist sicherlich die radikalste Weiterentwicklung, die die Schullandschaft erlebt hat“, sagt Weber. Für die Entstehung dieser Schule hat er sich besonders eingesetzt. „Ich halte sie für eine gute Schulform, die anderen Schulformen überlegen ist, weil sie eine große Bandbreite anbietet.“ Die in diesem Jahr erstmals deutlich zurückgegangenen Anmeldezahlen führt Weber auf einen schwachen Jahrgang zurück. „Die Gemeinschaftsschule wird sich durchsetzen. Aber es braucht Zeit.“ Ein „dickes Kompliment“ spricht Weber dem Kollegium aus – derzeit sind es 51 Lehrer, davon 30 in der GS –, das die aufwendige Anfangsphase mitgetragen und -gestaltet hat.

Begegnungskultur in der Schule etablieren

Insgesamt habe sich die Bildungsstätte zu einer qualitativ guten Schule weiterentwickelt. Ein wichtiger Schritt sei dabei gewesen, externe Partner mit ins Boot zu holen und Bildungspartnerschaften aufzubauen. Der Ganztagsbetrieb sei „mit das herausragendste Merkmal der Weiterentwicklung“, sagt Weber. Von 2005 an habe sich die Tendenz Richtung Ganztagsschule abgezeichnet. Weil der Bedarf stetig stieg, hatte der Schulleiter bei der Stadt als Schulträger „angeklopft“ und diese habe schnell reagiert. 2010 wurde das neue Ganztagsgebäude konzipiert und 2011 eingeweiht. Die Ganztagsbetreuung in der Grundschule werde von den Eltern akzeptiert und geschätzt. Während es aktuell drei Ganztagsklassen gibt, werden es im Oktober bereits fünf sein. Auch die Inklusion hat die Schule vor Herausforderungen gestellt, die sie in Zusammenarbeit mit der Hermann-Gmeiner- und der Schmiechtalschule meistere. Aktuell werden an der Längenfeldschule insgesamt 21 Schüler mit speziellem Förderbedarf unterrichtet. Einzig bei Schülern mit Erziehungsproblemen gebe es auch Schwierigkeiten. Eine Herzensangelegenheit sei es für Weber gewesen, eine Begegnungskultur in der Schule zu etablieren und so einen wertschätzenden Umgang miteinander zu pflegen. Auch beim Thema Umgang mit Konflikten konnte der Schulleiter eigene Akzente setzen: „Konflikte gehören dazu und sind nichts Schlimmes“, sagt der 64-Jährige. „Die Frage ist, wie geht man mit Konflikten um.“

In 40 Berufsjahren nie krank

Kraft habe der engagierte Schulleiter vor allem in der Natur geschöpft. Seine Frau und auch die Hündin Mona, die Ende Juni starb, haben ihn bei den täglichen Spaziergängen begleitet. „Ich bin sehr dankbar, dass mir die Gesundheit hold geblieben ist“, sagt der 64-Jährige. In den mehr als 40 Jahren Berufsleben sei er nie krank gewesen. Die Längenfeldschule sieht Max Weber auf einem guten Weg. „Die Schule ist gut aufgestellt.“ Der scheidende Schulleiter wünscht seiner Schule Zeit für die Weiterentwicklung. Vermissen werde er vor allem die vielen Begegnungen mit den Menschen. Nach den intensiven Berufsjahren freue er sich aber auch auf den Ruhestand. Im Herbst wollen Max Weber und seine Frau Zita erst einmal verreisen.

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Zahlen und Fakten rund um die Längenfeldschule


Entwicklung 1971 wird die Wenzelsteinschule gegründet. Von 1982 an heißt die Grund- und Hauptschule Längenfeldschule. 1994 bekommt die Schule die Bezeichnung Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule; 1995 wird die 10. Klasse eingeführt. 2010 wird die Schule nach dem Beschluss des Ehinger Gemeinderats in eine Grund- und Werkrealschule umgewandelt. Seit 2010 gibt es eine Essensausgabe an der Schule. Ebenfalls 2010 wird der Erweiterungsbau für den Ganztagsbetrieb konzipiert und 2011 eingeweiht. Darin sind unter anderem Schülerlabor, Mensa, Internetcafé und Bücherei untergebracht. Im Schuljahr 2014/2015 wird die Längenfeldschule eine Gemeinschaftsschule. Aktuell hat sie 550 Schüler. jad