Macher Lebensraum, Projekt und Herzensangelegenheit

Manuela Puseljic hat auch eine Grünfinder-Ausbildung gemacht und geht mit den Kindern in die Natur. Auf dem Foto im Grünen sind die Grünfinder-Kinder Dalibor (10) und Philipp (7).
Manuela Puseljic hat auch eine Grünfinder-Ausbildung gemacht und geht mit den Kindern in die Natur. Auf dem Foto im Grünen sind die Grünfinder-Kinder Dalibor (10) und Philipp (7). © Foto: Christina Kirsch
Ehingen / CHRISTINA KIRSCH 26.06.2018
Anlaufstelle und Stadtteilarbeiterin ist Manuela Puseljic im Projekt „Wir machen mit am Wenzelstein“.

Was Sie da oben machen, ist ja eigentlich richtige Stadtteilarbeit.“ Diesen Satz hört Manuela Puseljic im Gemeinderat und im Einkaufszentrum am Wenzelstein öfter. Dabei ist die Ehingerin „nur“ die hauptamtliche Kraft in einem Projekt der Caritas, das seit 2011 am Wenzelstein beheimatet ist und seit 2013 „Wir machen mit am Wenzelstein“ heißt. Mittlerweile ist diese Anlaufstelle aus dem Ehinger Wohngebiet mit hohem Migrantenanteil nicht mehr wegzudenken.

„Zu mir kommen alle“, sagt die 41-Jährige, die ein Büro im evangelischen Gemeindezentrum am Wenzelstein bezogen hat. Leute, die mit ihrem Kindergeld-Antrag nicht klar kommen, klopfen bei Manuela Puseljic genau so an wie welche, die aus ihren Stromverträgen nicht herauskommen. „Ich werde von Müttern gefragt, auf welche Schule das Kind nach der vierten Klasse gehen soll und Senioren wollen wissen, ob es am Wenzelstein einen Seniorensport gibt“, sagt die gelernte Industriekauffrau.

Treffpunkt für Generationen

„Hier treffen sich alle Generationen“, meint sie. Die Arbeit sei wichtig, weil es am Wenzelstein keine Anlaufstelle mehr gebe, weiß Manuela Puseljic. Seit der Wenzelstein keinen eigenen katholischen Pfarrer mehr hat, „fällt die Kirche als Anlaufstelle immer mehr weg“, ist ihre Erfahrung. Sie war selber einmal Kirchengemeinderätin und weiß, was kirchliches Ehrenamt bedeutet.

Der Wenzelstein ist seit ihrer Kindheit ihre Heimat und sie kennt die Leute. „Ich habe das Gefühl, die Menschen mit Migrationshintergrund landen erst einmal am Wenzelstein.“ In den Wohnblöcken wohnen Vertreter aller Nationalitäten, die zunächst an den Wenzelstein kommen, weil dort Landsleute leben. Viele müssen sich in der deutschen Bürokratie, im Bildungswesen und im Sozialraum erst zurechtfinden. Manuela Puseljic kann das nachempfinden, denn ihre Familie ging ein paar Jahre zurück nach Jugoslawien. „Danach wurde ich auf die Hauptschule geschickt, obwohl meine Zeugnisse sehr gut waren“, erzählt sie.

Manuela Puseljic ist in die Grundschule gegangen, die damals noch in der heutigen Realschule war. Nach der Rückkehr der Familie besuchte sie die Hauptschule im Längenfeld und schloss mit einem super Zeugnis ab. Es folgten die zweijährige kaufmännische Wirtschaftsschule und ein zweijähriges Berufskolleg Fremdsprachen, mit dem sie die Fachabiturreife erwarb. Bei Burgmaier in Allmendingen erlernte sie danach den Beruf der Industriekauffrau. Es folgte dann eine Familienphase, in der Manuela Puseljic in die verschiedenen Ehrenämter hineinwuchs. „Ich war im Kindergarten und in der Schule Elternbeiratsvorsitzende, Kirchengemeinderat und habe Kindertreffs, Ministrantengruppen und Bibelolympiaden organisiert“, zählt sie auf.

Noch vor der Einführung des Ganztagsangebots begann sie an der Längenfeldschule als Jugendbegleiterin zu arbeiten. Eine Ausbildung zur Kinder-, Jugend- und Familienberaterin in Ulm begleitete die vielen Ehrenämter. Heute sind ihre drei Söhne Slaven (17), Maximilian (15) und Slađan (13) Jugendliche, die sich daran gewöhnt haben, dass die Mutter so engagiert ist. „Sie brauchen einen immer noch, aber eben anders“, sagt die Projektleiterin, die nicht nur über ihre Kinder nahe an den Jugendlichen dran ist. In allen Aktivitäten bindet sie Jugendliche mit ein. Die Schüler helfen unentgeltlich bei den Ferienprogrammen mit und haben sich unlängst einen Jugendraum im Keller des Gemeindezentrums geschaffen.

„Ohne Sponsorengelder kann ich natürlich nicht arbeiten“, sagt Manuela Puseljic, die für jede Spende sofort eine Verwendung hat. „Für die 3000 Euro von den Munderkinger Lions kann ich für die Kinder und ihre Betreuer drei Tage Ferien auf dem Jägerhof finanzieren“, rechnet sie vor. „Hier gibt es nämlich Kinder, die in ihrem ganzen Leben noch nie weggefahren sind.“ Die Ferienprogramme, Spielnachmittage und Projekte wie das Weihnachtsbasteln laufen in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen am Wenzelstein. „Der Bumis, die Apotheke und die Bäckerei unterstützen uns immer wieder.“

Aber so, wie die Projekte laufen, so gedeihen auch die Wünsche. „Wir haben jeden Mittwoch zwischen 15 und 20 Jugendliche im Jugendraum und würden gerne getrennte Jungs- und Mädchenabende anbieten“, berichtet Manuela Puseljic, „aber das ist personell nicht zu stemmen“. Viele fragen auch nach einer Krabbelgruppe. „Wenn ich dann sage, ‚machen Sie das doch‘, bekomme ich eine Abfuhr“, bedauert Manuela Puseljic, die feststellt, dass sich die Menschen immer weniger für ein Ehrenamt verpflichten lassen wollen.

Beglückende Momente

In ihrer Arbeit erlebt Manuela Puseljic beglückende Momente, „wenn ein Kind im Ferienprogramm anfangs nur schüchtern war und jetzt aus sich herausgeht“, aber sie erlebt auch Hürden oder Anrufe zu unmöglichen Zeiten, weshalb sie ihre Handynummer oft wechselt.

Doch immer strahlt die Ehingerin eine große Bereitschaft aus, sich auf die großen und kleinen Nöte der Menschen am Wenzelstein einzulassen. „Ich weiß, dass sich die Senioren im Einkaufszentrum eine Bank zum Ausruhen wünschen.“ Oft werde sie auch nach einer Toilette gefragt. „Die alten Leute schaffen es einfach nicht von der Apotheke bis heim“, hat sie erfahren. Und so laviert Manuela Puseljic zwischen Wunsch und Wirklichkeit, zwischen Geld und Geldnot, und hat nur einen Herzenswunsch: „Ich hätte gerne, dass die Arbeit auf Dauer angelegt ist“, sagt sie. Dem würden Hunderte von Menschen am Wenzelstein vorbehaltlos zustimmen.

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